„Es braucht starke Regionen für ein gemeinsames Ganzes in Europa“
LINZ/ALTENBERG/BRÜSSEL. Als Präsidentin des neu benannten Europäischen KMU-Verbandes „SMEunited“ bildet die Altenbergerin Ulrike Rabmer-Koller neben ihrer Funktion als WKÖ-Vizepräsidentin eine starke Stimme für die kleinen und mittleren Unternehmen in Europa. Mit Tips sprach sie über die Schwerpunkte und ein weichenstellendes Jahr 2019 für Europa.

„Kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft, auch in Europa: 99,8 Prozent der europäischen Unternehmen sind Klein- und Mittelbetriebe, über 60 Prozent der Arbeitsplätze in Europa werden von den 24 Millionen KMUs zur Verfügung gestellt. Damit sind diese Unternehmen klar die Basis für unseren Wohlstand, das Wachstum und die Beschäftigung in Österreich und Europa“, betont die Vizepräsidentin der österreichischen Wirtschaftskammer die Wichtigkeit ihrer neuen, europaweiten Aufgabe.
Der KMU-Verband SMEunited setzt sich vor allem für bessere Rahmenbedingungen für KMUs in Europa ein: „Es gibt in Brüssel rund 25.000 Interessensvertreter bzw. Lobbyisten. Darunter sind viele große Unternehmen, die sich ihr Lobbying selbst vor Ort zahlen. Es braucht deshalb auch eine starke Stimme für kleine und mittlere Unternehmen. Wir sind der einzige Verband, der sich als europäischer Sozialpartner nur für diese Gruppe einsetzt“, betont Rabmer-Koller.
„Um kleinen Unternehmen mehr Sichtbarkeit und eine stärkere Stimme zu geben, haben wir unseren Verband auch in SMEunited umbenannt. Dieser Name ist ein starkes Signal, dass wir uns für die Interessen aller KMUs in Europa einsetzen, mit dem Ziel, KMUs zu stärken und Europa für KMUs zu gestalten“, weiß Rabmer-Koller. „SMEunited muss und wird daher diesen Betrieben in Zukunft noch größeres Gehör und mehr Sichtbarkeit gegenüber EU-Institutionen verleihen.“
Memorandum mit zehn Forderungen
Im Hinblick auf die anstehenden Europawahlen hat SMEunited ein Memorandum ausgearbeitet, in dem das Forderungsprogramm der KMU an die Entscheidungsträger ausformuliert wurde. „Als Triebkräfte des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts brauchen KMU eine unternehmerische Gesellschaft, qualifizierte Mitarbeiter, Finanzmittel für Innovationen und Investitionen, gleiche Wettbewerbsbedingungen und die echte Verwirklichung des Binnenmarktes“, fasst die Altenbergerin dieses Memorandum zusammen. I
m Mittelpunkt steht hierbei neben dem Fachkräftemangel vor allem auch das Thema der Digitalisierung: „Schlüssel ist entsprechende Infrastruktur. Wenn ich als KMU keinen Zugang zu einem schnellen Internet habe, kann ich mein Unternehmen gar nicht transformieren und mehr Digitalisierung umsetzen. Weiters braucht es entsprechende Fachkräfte und eine spezielle Unterstützung von traditionellen KMUs, dass auch sie die Chancen der Digitalisierung nutzen können.“
Gemeinsame Strategie nötig
Ulrike Rabmer-Koller weiß: „Wir können im internationalen Vergleich nur bestehen, wenn wir weiterhin Innovationsführer bleiben. Das sind wir in vielen Bereichen noch. Wenn wir aber nach Asien oder Amerika blicken, sehen wir, dass Europa ganz dringend eine gemeinsame Strategie braucht. Das würde ein einzelnes Land in Europa gar nicht schaffen.“ Für die Europäische Union ist 2019 nicht nur durch die EU-Wahlen ein weichenstellendes Jahr: „Ich bin eine Befürworterin der Europäischen Gemeinschaft. Wir können nur gemeinsam erfolgreich sein, es braucht ja starke Regionen für ein gemeinsames Ganzes in Europa. Jede Region hat Stärken, die man auch entsprechend ausbauen muss.“
Zudem stand europaweit zuletzt gar ein Hard Brexit im Raum – ein Drohszenario: „Wenn es wirklich dazu kommt, werden Zollkontrollen in allen Bereichen, enorme Kosten bei Transporten und wieder Handelsbeschränkungen auf der Tagesordnung stehen. Hier herrscht momentan noch große Verunsicherung auf beiden Seiten.“


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