Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Bauen widersprechen sich nicht

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Laura Voggeneder Online Redaktion, 25.02.2020 12:15 Uhr

OÖ. Der Klimawandel ist in aller Munde, auch in der Baubranche. Klimaforscher haben gezeigt, dass Gebäude und der Bausektor für 40 Prozent der totalen direkten und indirekten CO2-Emissionen verantwortlich sind. Sanierung von Altbestand, moderne Bauweisen und kluge Raumplanung können die Lösung sein.

Dass der Klimawandel ein Faktum ist, weiß kaum jemand so gut wie Hans Joachim Schellnhuber. Der Deutsche gehört zu den renommiertesten Klimaexperten weltweit. „Gebäude und der Bausektor sind lange aus der Debatte um CO2-Emissionen ausgespart worden“, sagt Schellnhuber beim Dialog Holzbau 2020 des Verbands ProHolz am 13. Februar an der JKU in Linz.

Übeltäter Beton und Stahl

Grund für die großen Emissionen seien der Einsatz von Stahl und Beton. Selbst wenn zur Eisen- und Zementproduktion nur erneuerbare Energie verwendet werden würde, würden immer noch CO2-Emissionen anfallen. Schellnhuber plädiert dafür, Gebäude nur noch aus nachwachsenden Materialien zu bauen, um der Klimakrise beizukommen. Holz sei hier eine fantastische Möglichkeit. Zwar wird bei der Produktion des Bauholzes auch CO2 ausgestoßen, das Holz könne jedoch zwei- bis dreimal so viel Kohlenstoff dauerhaft speichern.

Bei Umweltlandesrat Stefan Kaineder rennt Schellnhuber offene Türen ein. Die Politik müsse jeden Fördereuro auf Klimaschutz checken. „Wir müssen bei Investitionen in Gebäude nicht kurzfristig, sondern bis zur Entsorgung denken. Nachhaltige Gebäude sind dann finanziell günstiger, auch wenn sie anfangs teurer sind. Es entsteht zu viel Sondermüll durch falsch isolierte Häuser“, ergänzt Kaineder.

Zersiedelung bremsen

„Das nachhaltigste Haus ist das, das gar nicht gebaut wird, nachhaltige Baumaterialien kommen erst viel später“, gibt Siegfried Atteneder, Leiter der Abteilung für Architektur an der Kunstuniversität Linz, zu bedenken. Täglich werden in Österreich 13 Hektar Land versiegelt. Atteneder ruft alle Häuslbauer auf, sich zu fragen, ob es wirklich Sinn hat, am Land zu bauen, um dann in die Stadt zur Arbeit pendeln zu müssen. Landesrat Markus Achleitner präsentierte Anfang Februar eine Raumordnungsgesetz-Novelle, die auf die Probleme der Zersiedelung eingeht: Supermärkte sollen wieder in die Ortszentren wandern, Gemeinden verpflichtend Baulandsicherungsverträge auf Baugrundstücke abschließen. Wer Bauland hortet, soll künftig zur Kassa gebeten werden.

Was die Politik bereits tut

Wohnbaulandesrat Manfred Haimbuchner erklärt, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz „in unseren Überlegungen und Förderschienen eine große Rolle spielen. Wir haben schon lange vor der Klimadebatte begonnen, Akzente zu setzen. Grundsätzlich ist es aber meine Aufgabe, für leistbaren Wohnraum zu sorgen.“ Was Sanierungen betrifft, sei OÖ auf einem guten Weg: „2018 wurden in Österreich 12.880 Wohneinheiten saniert, davon 4.700 in OÖ. Wir arbeiten gerade an neuen Sanierungsverordnungen für den Eigenheim- und mehrgeschossigen Bereich. Hier wird ein großes Augenmerk auf der Nachverdichtung liegen.“

Vorgaben für Förderungen

Bei der Wohnbauförderung werden im Eigenheim-Bereich nachhaltige Maßnahmen gefordert: Es muss beispielsweise ein hocheffektives, alternatives Energiesystem eingebaut werden, um eine Förderung zu erhalten. Es gibt auch Zuschläge für den Verzicht auf mineralölbasierte Dämmstoffe sowie für energieeffizientes Bauen. „Im mehrgeschossigen geförderten Wohnbau haben wir die Dreigeschossigkeit vorgegeben, das gebietet der Bodenversiegelung Einhalt und senkt die Baukosten“, sagt Haimbuchner.

Klimafreundlich bauen

Wer beim Hausbau auf Klimaschutz Wert legen will, kann das mit der Wahl der Materialien tun, doch „die eine Lösung gibt es nicht“, sagt Siegfried Atten-eder. Auf aus Erdöl gewonnene Dämmstoffe wie Styropor oder Schäume sowie auf Beton sollte verzichtet werden, da für Beton Sand benötigt wird, der weltweit immer knapper wird. Die Energiebilanz von Ziegel überzeugt Atteneder auch nicht, er rät zu Holz und Lehm: „Lehm wird zu wenig Bedeutung beigemessen. Der Baustoff ist unglaublich vielseitig, kommt fast überall vor, schafft ein hervorragendes Raumklima und ist ohne Probleme recycelbar.“

Strom aus der Sonne

Wer beim Strom auf Klimaschutz setzen will, installiert eine Photovoltaik-Anlage, erklärt Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Photovoltaic Austria: „In Österreich kompensiert eine PV-Anlage die Energiemenge, die für die Herstellung aufgebracht wurde, in rund zwei Jahren. Nach dieser Amortisationszeit produziert die Anlage für die restliche Zeit ihrer Lebensdauer von mindestens weiteren 20 Jahren emissionsfrei Strom und spart so fossilen Strom ein.“

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