„Regionale Lieferketten sind die Zukunft unserer Fleischproduktion“
LINZ/OÖ. Eine Informationsoffensive in den Fleischverarbeitungsbetrieben kündigt Konsumentenschutzlandesrat Stefan Kaineder am Mittwoch an. Er erneuert zudem den Ruf nach verstärkter Förderung regionaler und klimaschonender Lieferketten und eine Reform des Förderwesens.

„Auch wenn die Zahl der gefundenen Lebensmittel mit Gesundheitsgefährdung in Oberösterreich sehr gering ist, rückt dieser Aspekt angesichts der Diskussion um Corona-Infektionen vor allem in deutschen Massenschlachtbetrieben auch in Österreich in den Fokus mancher Diskussion“, weiß Landesrat Stefan Kaineder, stellt aber gleich voran: „Der oberösterreichische Lebensmittelmarkt ist einer der am besten kontrollierten in Europa. Rund 4.500 Probeziehungen und annähernd 8.000 Betriebskontrollen wurden alleine 2019 von unseren Mitarbeitern in der Lebensmittelaufsicht durchgeführt, vielfach haben sich in den letzten Jahren deutliche Verbesserungen durch die konsequente Kontrollarbeit ergeben.“
Kaineder will dennoch verstärkt auf die fleischverarbeitenden Betriebe zugehen, in Form einer Infokampagne: „Wir werden allen 475 Betrieben, die in meinen Zuständigkeitsbereich fallen - das betrifft Betriebe, die bis zu 5 Tonnen Fleisch in der Woche verarbeiten - in Form eines Schreibens informieren und ihnen auch das Angebot machen, sich mit uns in Verbindung zu setzen.“
„Entmenschlichte“ Art der Fleischproduktion
Über Lebensmittel selbst wurde bisher keine Corona-Ansteckung nachgewiesen, doch gerade die Arbeitsbedingungen in fleischverarbeitenden Betrieben scheinen eine Übertragung des Virus zu begünstigen. „Dabei ist der Fleischhauer ums Eck nicht das Problem, die Zustände in den riesigen industriellen Schlachtbetrieben bereiten allerdings Grund zur Sorge. Die Ausbrüche des Coronavirus in den deutschen und oberösterreichischen Großbetrieben haben nicht nur auf die prekären Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiter aufmerksam gemacht, sie haben uns auch vor Augen geführt, wie industrialisiert und entmenschlicht diese Art der Fleischproduktion abläuft. Hier braucht es ein Umdenken und die Politik ist dringend gefordert, gegenzusteuern“, so Kaineder.
Förderwesen reformieren
Der Landesrat bringt auch drei konkrete Forderungen mit: „Wir brauchen neben der Förderung der regionalen und klimaschonenden Lieferketten, auch um heimische Arbeitsplätze langfristig zu sichern, auch eine Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie und eine Neugestaltung der EU-Förderungen im Agrarbereich. Ein Drittel der Fördergelder für fleischverarbeitende Betriebe kommt nur einem Prozent der Unternehmen zugute.“


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