„Bildungskarenz Plus“ und Task Force gegen Langzeitarbeitslosigkeit: OÖ baut Qualifizierungsmaßnahmen weiter aus

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 19.01.2021 13:26 Uhr

OÖ. Investitionen und vor allem Qualifizierungsmaßnahmen seien auch in Krisenzeiten die besten Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit. Um weiter steigenden Arbeitslosenzahlen vorzubeugen, baut das Land OÖ gemeinsam mit den Standortpartnern das Angebot zur Weiterqualifizierung weiter aus. Denn trotz hoher Arbeitslosigkeit gibt es zahlreiche offene Stellen. Neu ist die „Bildungskarenz Plus“, um Maßnahmen gegen Langzeitarbeitslosigkeit zu finden, wurde eine Task Force gegründet.

Ende Dezember gab es in Oberösterreich 52.103 Arbeitslose, das sind um 8.763 mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. „Die Krise bleibt zuvorderst eine Gesundheitskrise, Corona ist leider aber auch eine Krise, die unmittelbar und persönlich wirkt, auch, weil viele Einzelne ihre Arbeit verlieren oder weniger verdienen“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer. Mit 7,3 Prozent Arbeitslosenquote liegt OÖ zwar im Bundesländervergleich an bester Stelle, „das ist aber kein Trost, sondern ein Ansporn“.

Wirksamstes Mittel gegen Arbeitslosigkeit seien die Wirtschaft zu stimulieren mit Konjunkturanreizen, und zweites Bildung, Schulung und Weiterqualifizierung.

Stelzer wie Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner unterstreichen die Investitionslust der heimischen Betriebe, trotz Krise: Oberösterreichische Projekte machen bei der Investitionsprämie des Bundes mehr als ein Viertel aus, „mit einem Prämienvolumen von 711 Millionen Euro werden so Inventionen in Höhe von 7,4 Milliarden Euro ausgelöst“, rechnet Achleitner vor. „Das heißt, dass die Unternehmen an den Standort, an ihren Betrieb und auch an die Tätigkeit für die nächsten Monate und Jahre glauben“, so Stelzer.

Bündel an Weiterbildungsmaßnahmen

Zudem kommen in OÖ aktuell 15.000 offene Stellen, „die Betriebe suchen Mitarbeiter, es ist eine Qualifizierungsfrage, die Leute hier in Beschäftigung zu bringen“, so Stelzer. Gemeinsam mit den Standortpartnern wurde ein breites Maßnahmenbündel für die Weiterqualifizierung aufgestellt, mit dem Ziel, „die Leute dort hinzubringen, wo sie händeringend gesucht werden“, unterstreicht Achleitner.

Neues Angebot „Bildungskarenz Plus“

Neu ist das Modell „Bildungskarenz Plus“, mit dem Kündigungen vermieden werden sollen. Das Modell startet ab 1. Februar, wie auch bei der normalen Bildungskarenz werden die Beschäftigten karenziert und bekommen vom AMS ein Weiterbildungsarbeitslosengeld für die Dauer der Ausbildungszeit. Zusätzlich aber übernimmt das Land OÖ die Hälfte der Ausbildungskosten für den Betrieb (bis zu 3.000 Euro), wenn das Unternehmen die andere Hälfte übernimmt. Die Weiterbildung (mindestens zwei Monate, maximal ein Jahr) kann von 1. Februar 2021 bis 31. Dezember 2022 absolviert werden.

Das sei ein „win-win-win“ für alle, so Achleitner: „Der Betrieb muss die Mitarbeiter nicht kündigen und hat sie nach der Ausbildung wieder zur Verfügung, muss nur die Hälfte der Ausbildungskosten übernehmen anstatt der Personalkosten. Die Arbeitnehmer können sich weiterbilden und bekommen vom AMS finanzielle Unterstützung. So können Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeitern die Krise jetzt nutzen.“

Bei den Möglichkeiten der Weiterbildungen in diesem Modell gebe es grundsätzlich keine Einschränkungen, „alles, was arbeitsmarktpolitisch sinnvoll ist, ist förderbar. Ein Hobbykurs für Stricken wird das aber nicht sein. Es muss den Menschen weiterbringen und ihm erleichtern, wieder eine Stelle zu finden“, erläutert AMS OÖ-Geschäftsführer Gerhard Straßer.

Förderprogramm „Innovative Skills“

Mit dem Förderprogramm „Innovative Skills“ wird die Weiterbildung von Mitarbeitern in den Schwerpunkten Digitalisierung, Technologie, Innovation, Export und Fremdsprachen unterstützt. Klein- und Mittelbetriebe in OÖ erhalten dabei (je nach Unternehmensgröße) 50 bis 60 Prozent der Kurskosten, maximal 5.000 Euro pro Person und Kalenderjahr vom Land OÖ erstattet.

Qualifizierungsverbund „Digitale Kompetenz“

Der Qualifizierungsverbund „Digitale Kompetenz“ ist ein Zusammenschluss von 113 Unternehmen in Oberösterreich, die gemeinsam die digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter und die IT-Security in ihren Betrieben erhöhen wollen. Hier gibt es Förderungen für Weiterbildungen von 50 Prozent der Kurs- und Prüfungskosten, bis maximal 5.000 Euro pro Person und Kurs.

OÖ. Zukunftsstiftung

Bei der bereits präsentierten OÖ. Zukunftsstiftung - Tips hat berichtet - findet mittlerweile die Ausschreibung statt. 20 Millionen Euro stehen zur Verfügung, zehn Millionen vom Land OÖ, zehn Millionen von AMS, WKOÖ und Arbeiterkammer.

Unterstützt werden Menschen in OÖ, die aufgrund der Corona-Krise den Job verlieren. Träger der Stiftung sind nach einem Bieterverfahren WIFI und BFI, zwei Stiftungen umfassen die Zukunftsstiftung:

  • Eine Insolvenzstiftung für Klein- und Mittelbetriebe, wenn ein Betrieb in Insolvenz schlittert und die Mitarbeiter dadurch arbeitslos werden
  • Eine Zielgruppenstiftung für Klein- und Mittelbetriebe, wenn der Betrieb Personal abbauen muss

Die Ausbildungen der Stiftungsteilnehmer können vom Lehrabschluss bis zu einem Studium reichen. Beide Stiftungen sind für vorerst 1.000 Personen ausgerichtet.

Angebote auch nutzen

Sowohl Achleitner als auch Straßer betonen, dass das Angebot genutzt werden solle. „Wir können nur anbieten, nutzen müssen es die Menschen selbst“, so Achleitner. An Unternehmen richtet er: „Ich verstehe, dass die Firmen jetzt vor Problemen stehen, aber wenn wir jetzt Mitarbeiter qualifizieren und entsprechend investieren, kommen wir stärker aus der Krise heraus.“

„Wir stellen Geld zur Verfügung, es gibt die Angebote, viele Menschen haben jetzt Zeit, sich zu qualifizieren – also bitte, nutzen Sie die Zeit“, so auch Straßer. Er lädt ein, aktiv auf die AMS-Mitarbeiter zuzukommen, Straßer verweist auch auf die Weiterbildungsdatenbank, in der sich Arbeitslose nach Ausbildungsangeboten umsehen können.

„Qualifikation ist auch in Krisenzeiten der Schlüssel zum Erfolg am Arbeitsmarkt.“ Das würden auch die Zahlen zeigen: So sind im Bereich der Personen mit nur Pflichtschulabschluss aktuell 19,3 Prozent arbeitslos, mit einer Lehre nur mehr 4,6 Prozent, „und alles was darüber hinausgeht noch darunter“, so der AMS-Chef. Im Jahr 2020 hat das AMS OÖ 14.900 Menschen weiterqualifiziert, „heuer wollen wir auf 19.000 kommen.“

Task Force für Langzeitarbeitslosigkeit nimmt Arbeit auf

Neben den obrigen Maßnahmen nimmt auch eine neue Task Force ihre Arbeit auf, die Maßnahmen gegen Langzeitarbeitslosigkeit erarbeiten soll. Am 2. Februar gibt es die erste Sitzung, innerhalb vier bis sechs Wochen sollen konkrete Maßnahmen erarbeitet sein.

„Das AMS ist sehr froh über diese Task Force, weil Langzeitarbeitslosigkeit ein Riesen-Thema ist. 7.333 Menschen sind aktuell betroffen, die durchgehend ein Jahr arbeitslos sind, 12.800 Menschen sind mit Unterbrechungen ein Jahr arbeitslos, und eine Zahl, die kaum einer kennt: 4.000 Menschen sind ganz knapp vor der Krise arbeitslos geworden und durch Krise nicht mehr in den Markt gekommen“, erläutert der AMS-Geschäftsführer die Situation. „Diese Personen haben ein Riesen-Problem, auch die Existenzsicherung, weil 55 Prozent sind nicht viel.“

Eingebunden in die Task Force sind Land OÖ, AMS OÖ, Sozialministeriumservice OÖ, Arbeiterkammer OÖ, ÖGB OÖ, Wirtschaftskammer OÖ, Industriellenvereinigung OÖ, WIFI, BFI und die oö. Standortagentur Business Upper Austria.

Corona-Härtefonds

Um von der Corona-Krise stark betroffene Arbeitnehmer finanziell unter die Arme zu greifen, haben das Land OÖ und die AK OÖ gemeinsam einen eigenen oberösterreichischen „Corona-Härtefonds für Arbeitnehmer/innen“ - Tips hat berichtet - geschaffen, finanziert von Land OÖ mit vier Millionen Euro und von der Arbeiterkammer mit einer Million Euro. „Trotz aller sozialer Unterstützung gibt es immer wieder Fälle, wo die Arbeitslosigkeit dazu führt, dass es zu gewaltigen Herausforderungen kommt“, so Stelzer. Personen die durch Kurzarbeit weniger verdinen oder arbeitslos geworden sind, werden mit bis zu 500 Euro pro Person einmalig unterstützt. Details auf www.tips.at/n/525103

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