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Erholung am heimischen Arbeitsmarkt setzt sich fort, weitere Maßnahmen gefordert

Karin Seyringer, 03.05.2021 19:46

OÖ. Im April 2021 waren gegenüber dem Vormonat März um 3.555 Personen weniger als arbeitslos gemeldet. Auch die Arbeitskräftenachfrage zeige einen positiven Trend, teilt das AMS OÖ mit: im April gab es rund 2.200 mehr offene Stellen als noch im März. Deutlich über Niveau liegt aber weiterhin die Zahl der Langzeitarbeitslosen.

Am AMS - Symbolbild (Foto: Volker Weihbold)
Am AMS - Symbolbild (Foto: Volker Weihbold)

Die Arbeitslosigkeit ist gegenüber März 2021 im April um 3.555 Personen gesunken, die Arbeitslosenquote betrug in Oberösterreich im April 5,1 Prozent (Österreichschnitt: 8,7 Prozent) und liegt damit um 3,1 Prozent-Punkte unter dem Niveau des Vorjahres 2020 mit 8,2 Prozent - aber trotzdem noch um 0,8 Prozent-Punkte höher als 2019. In Beschäftigung befanden sich im April 680.000 Personen in OÖ, ein Plus von 4,6 Prozent oder 30.000 im Vergleich zu 2020. In Schulungen befanden sich im April 9.909 Personen (plus 28,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Rund 2.200 offene Stellen mehr als im März und rund 1.700 mehr als im April 2019 gab es, teilt das AMS OÖ die Eckpunkte mit.

„Die Erholung am heimischen Arbeitsmarkt setzt sich weiter fort, mittlerweile liegt die Beschäftigung sogar höher als im April 2019. Mit Spannung erwarten wir die Öffnungen in der Hotellerie und Gastronomie und erwarten uns dadurch einen weiteren Rückgang der Vorgemerktenzahlen. Allen, die vom derzeitigen Aufschwung noch nicht profitieren können, werden wir mit unserem umfangreichen Förderinstrumentarium nachhaltige Chancen ermöglichen“, unterstreicht AMS-Landesgeschäftsführer Gerhard Straßer.

Langzeitarbeitslosigkeit deutlich über Vorjahresniveau

Bei den Männern ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr (minus 38,8 Prozent) etwas stärker als bei den Frauen gesunken (minus 36,3 Prozent). Bei den Jugendlichen (unter 25 Jahre) zeigt sich mit minus 55,7 Prozent (minus 4.608) der mit Abstand größte Rückgang bei den Vorgemerktenzahlen, bei Personen über 55 Jahre hat sich die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr mit minus 16,3 Prozent deutlich weniger reduziert (minus 1.608). Die Zahl an Langzeitbeschäftigungslosen (plus 3.751; plus 38,5 Prozent zu 2020) hat sich zwar reduziert, liegt aber noch immer deutlich über dem Vorjahresniveau.

Stellenmarkt

Ende April standen beim AMS OÖ 24.433 offene Stellen zur Verfügung, um 8.115 bzw. knapp 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem waren 1.350 sofort verfügbare Lehrstellen (plus 249 bzw. plus 22,6 Prozent) und 517 sofort verfügbare Lehrstellensuchende (minus 202; minus 28,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr) gemeldet.

Vergleich zum 2019

Wesentlich interessanter ist der Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten, mit dem Jahr 2019.

  • Verglichen mit 2019 liegt die Beschäftigung im April 2021 um rund 3.000 (plus 0,4 Prozent) höher, gleichzeitig gibt es bei den Arbeitslosen ein Plus von 19,1 Prozent (plus 5.825) auf, wodurch sich die Arbeitslosenquote um 0,8 Prozentpunkte erhöhte.
  • Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt bei den Männern mit plus 16,7 Prozent (plus 2.664) weitaus geringer aus als bei den Frauen (plus 21,9 Prozent; plus 3.161).
  • Bei Personen unter 25 Jahren liegt die Arbeitslosigkeit unter dem Niveau von 2019 (minus 5,4 Prozent; minus 208)
  • Bei den über 55-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit hingegen überdurchschnittlich angestiegen (plus 27,2 Prozent; plus 1.766).
  • Auch Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind vom Anstieg der Arbeitslosigkeit stärker betroffen (plus 20,6 Prozent; plus 1.961).
  • Besonders dramatisch stellt sich die Situation für langzeitbeschäftigungslose Personen dar, in dieser Gruppe stiegen die Vorgemerktenzahlen um 62,2 Prozent (plus 5.200).
  • Erfreulich ist der Stellenmarkt, die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen liegt im April mit plus 7,5 Prozent (plus 1.696) bereits über dem Niveau von April 2019.

Das sagt die Landespolitik

„Auch wenn sich die Arbeitsmarktsituation weiterhin deutlich gebessert hat, setzen wir den Kampf um jeden Arbeitsplatz weiter fort. Denn hinter Arbeitslosenzahlen stehen immer menschliche Schicksale, daher lassen wir in Oberösterreich auf dem Arbeitsmarkt auch künftig niemanden alleine“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner angesichts der neuen Zahlen. Mit dem „Pakt für Arbeit & Qualifizierung“ würden mit fast 100 Millionen Euro mehr Budget als im Vorjahr, insgesamt 342 Millionen Euro in Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in OÖ investiert.

LH-Stellvertreter, FPOÖ-Chef Manfre Haimbuchner verweist hingegen auf auslaufende Stundungen und „das Eintreffen der künstlich verzögerten Betriebs-Insolvenzen“, durch die der Arbeitsmarktsegment noch Probleme bekommen werd, „wenn seitens des Bundes nicht nachgesteuert wird.“ Er fordert eine Gründungs- und Entbürokratisierungs-Offensive für Österreich sowie den Verzicht auf Steuererhöhungen bzw. die steuerliche Entlastung und die zielgerichtete finanzielle Förderung von Unternehmertum.

„Sofortigen Handlungsbedarf“ angesichts der Zahlen sieht SPOÖ-Chefin Landesrätin Birgit Gerstorfer. Für sie ist das Modell einer Arbeitszeitverkürzung richtig, „es kann nicht sein, dass den einen vor lauter Arbeit und Druck die Decke auf den Kopf fällt und andere haben Existenzängste, weil sie keinen Job finden.“ Würden vier Personen ihre Arbeitszeit von 40 auf 32 Stunden verkürzen, würde ein neuer Arbeitsplatz geschaffen. Der SPÖ-Vorschlag sieht hier eine zweijährige Unterstützung für Unternehmen vor. Außerdem müsse, wie von der Bundes-SPÖ gefordert, die „Aktion 40.000“ für Langzeitarbeitslose geschaffen werden.

Das größte Problem sehen die Grünen bei den Langzeitarbeitslosen: „Die Zahlen werden erfreulicher, der Trend stimmt und die Öffnungsaussichten stimmen optimistisch. Die vorliegenden Daten unterstreichen aber auch überdeutlich, dass die Langzeitarbeitslosigkeit die größte Herausforderung bleibt. Gegenmaßnahmen wurden zwar gesetzt, aber sie müssen erstens endlich anlaufen und zweitens durch weiter Initiativen ergänzt werden“, so die Grüne Arbeitsmarktsprecherin Ulrike Schwarz. Sie begrüßt das „Job-Restart“-Programm von Land OÖ und AMS, dieses müsse aber endlich anlaufen, in den Gemeinden ankommen. Zudem müsse das Jobpotential in den Gemeinnützigen Organisationen und bei den ehrenamtlichen Diensten genutzt werden.  


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