Scharfe Kritik aus OÖ an geplanter Bundesaktion der Betriebsimpfungen

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LH-Stellvertreterin Haberlander (Foto: Volker Weihbold)
Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 05.05.2021 13:02 Uhr

OÖ. Oberösterreich werde bei der Impfstoffverteilung vom Bund benachteiligt, kritisiert Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich. Grund: Der Bund habe 500.000 Impfdosen für ausgewählte Betriebe reserviert, deren Zentralen sich vorwiegend im Osten Österreichs befinden. Auch die zuständige LH-Stellvertreterin Christine Haberlander sieht die Impfgeschwindigkeit damit verfälscht und übt scharfe Kritik.

Der Bund plant eine große Impfaktion in Betrieben, dafür wurden rund 500.000 Impfdosen reserviert, berichtet der Kurier. Am meisten davon profitieren aber würde der Osten Österreichs, vor allem Wien, kritisiert nun Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich. „Dadurch wird Oberösterreich ganz klar benachteiligt“, ist er sauer.

„Können das so nicht akzeptieren“

Scharfe Kritik übt aber auch LH-Stellvertreterin Christine Haberlander an der Vorgangsweise des Bundes, was den Start der Betriebsimpfungen betrifft. Demnach behält sich der Bund die mehr als 500.000 Dosen von den Länderkontingenten ein und will damit beginnen, Unternehmen zu impfen, die bundesweit tätig sind. Darunter sollen Konzerne wie die ÖBB, Siemens, OMV oder Post aber auch Handelsketten sein. „Grundsätzlich sind Impfungen in Betrieben wichtig und gut, weil damit der Zugang niederschwelliger wird und die Durchimpfung gesteigert werden kann. Diese Vorgangsweise schafft allerdings ein absolutes Ungleichgewicht, das wir so nicht akzeptieren können“, betont sie und unterstreicht ebenfalls: „Die jetzt kolportierten Betriebe liegen fast ausschließlich im Osten. Das heißt, dass auch der überwiegende Teil der Mitarbeiter in den östlichen Bundesländern wohnen und so ein Impfangebot erhalten. Oberösterreich als Industriebundesland Nummer 1 und Wirtschaftsmotor mit dem höchsten Exportanteil in der Republik bleibt außen vor.“

„Erzeugt großen Missmut“

Statt des avisierten Flusses von Impfdosen würden nun nur Tröpfchen nach Oberösterreich kommen, so Niedermoser. „Die Ärzte Oberösterreichs haben unter enormem bürokratischem Aufwand Impflisten erstellt, Patienten nach Prioritäten gereiht – doch weil der Bund lieber im Osten impft, müssen in Oberösterreich die Impfwilligen erneut in die Warteschleife geschickt werden. Was sowohl bei den Patienten, als auch bei den Ärzten mehr als nur großen Missmut erzeugt.“

Forderung: OÖ Betriebe berücksichtigen

Sowohl Niedermoser als auch Haberlander betonen, dass es bereits Sonder-Impfaktionen in Vorarlberg und Tirol gegeben habe, jetzt würde der Osten bevorzugt. „Impfquoten dann als Vergleich beziehungsweise sogar Grundlage für Entscheidungen heranzuziehen, ist damit nicht mehr seriös. Klar ist, dass Länder wie Oberösterreich, wo keine Sonderaktionen über den Bund durchgeführt werden, immer mehr im Ländervergleich zurückfallen werden. Ganz abgesehen davon, dass es grundsätzlich für jeden einzelnen Bürger bzw. einzelne Bürgerin in Oberösterreich ungerecht ist“, appelliert Haberlander daher an das Gesundheitsministerium: „Wenn Betriebsimpfungen über den Bund mit Länderkontingenten gemacht werden, müssen hier auch Unternehmen in den Bundesländern beteiligt werden. Was ist der Unterschied zwischen Voest, KTM, FACC und einer OMV oder Siemens. Ich appelliere daher an das Gesundheitsministerium, dies dementsprechend zu berücksichtigen.“

SPÖ: „Endlich Druck ausüben“

Zur Kritik Haberlanders und Niedermosers meint SPÖ-Gesundheitssprecher Peter Binder, „LH Stelzer und Gesundheitslandesrätin Haberlander müssten endlich Druck auf den Bund ausüben. Im Wirtschafts-Herzen Österreichs sei es essenziell, dass die großen Firmen genügend Impfstoff erhalten. Zuerst verlässt man sich auf die Bundesregierung und hinterher ärgert man sich, weil Oberösterreich von Kurz & Co. im Stich gelassen wird.“ Vorausschauend agieren, statt im Nachhinein ärgern – das sei die Devise.

Kommentare

  1. Alfons Rennertseder
    Alfons Rennertseder05.05.2021 19:07 Uhr

    Betriebsimpfung/Impfstrategie - Die Impfstrategie, sofern es tatsächlich eine gibt, ist in vielen Bereichen oft schwer nachzuvollziehen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es leider noch immer viele Skeptiker gibt. Diese Menschen und ich rede nicht von Coronaleugnern oder Impfverweigerer, wünsche sich klare Aussagen und nachvollziehbare Strategien. Ich selbst gehöre zur Risikogruppe und habe bis dato noch keine Impfung erhalten. Wenn man hier eine Trendwende möchte, muss man die Bürger mit sachlichen und ehrlichen Information überzeugen.

  2. truth-seeket
    truth-seeket05.05.2021 17:41 Uhr

    - keine ahnung was frau haberlander und co hier reden. ktm z.b. impft doch schon seit letzter woche ihre mitarbeiter. schlüsselarbeitskräfte für den export - haha!

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