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Eva Schobesberger: „Baum oder Parkplatz darf künftig keine Frage mehr sein“

Jürgen Affenzeller, 20.07.2021 09:54

LINZ. Hitze, Hagel, Unwetter und Hochwasser prägen schon jetzt diesen Sommer: Über die eingeschlagenen Maßnahmen und die offenen Baustellen in Sachen Klimazukunft sprach Tips mit der Umweltstadträtin Eva Schobesberger (Grüne).

Umweltstadträtin Eva Schobesberger: „Wir wissen dank der Stadtklima-Analyse um die Handlungsaufträge in Linz.“ (Foto: Michael Dworschak/Stadt Linz)

von ANNA STADLER und JÜRGEN AFFENZELLER

„In Sachen Klimafitness ist noch viel zu tun“, weiß die Grün-Politikerin, betont jedoch auch: „In den vergangenen beiden Jahren brachten wir bereits Dinge auf Schiene, die man vor ein paar Jahren noch nicht als möglich in Linz erachtet hatte. Zum Beispiel die Stadtklimaanalyse, eine echte Errungenschaft der Stadtentwicklung, wenn das auch ernst genommen und umgesetzt wird.“

Baustellen im Stadtklima

Mit der dafür erstellten Stadtklima-Karte ist etwa erstmals schwarz auf weiß ersichtlich, wo ein Handlungsauftrag der Stadt besteht bzw. wo keine weiteren baulichen Maßnahmen sinnvoll sind. Eva Schobesberger hat ein Beispiel dafür parat: „Etwa bei der Universität, wo man die Diskussion führte, ob dort die Fabasoft noch hinbauen kann oder nicht. Die Stadtklimaanalyse gibt darauf eine ganz klare Antwort: Das betreffende Areal ist nicht nur ein Ausgleichsraum mit hoher Bedeutung, sondern auch drüber gelegt eine Luftabflussbahn mit hoher Wirksamkeit. Zwei Faktoren, die klar aussagen: Dort soll nichts hingebaut werden.“

Auch Stadt Linz ist gefordert

Es gäbe Folgen der Klimaerwärmung, die nicht mehr abänderbar sind, gerade dann braucht es auch in einer Stadt schon jetzt entsprechende Anpassungsmaßnahmen. Ein wichtiger Grundsatz für die Stadträtin: „Die Grünzonen in und um unsere Stadt herum sind unser wichtigster Schatz, den wir entsprechend beschützen und hüten müssen, damit unsere Stadt auch lebenswert und liebenswert bleibt.“ Besonders den Verkehr werden künftige Maßnahmen im städtischen Raum betreffen. „Wenn es künftig Baum oder Parkplatz heißt, ist klar, wie das Ganze ausgehen muss. Das muss man mutig in Angriff nehmen, da sehe ich gerade eher das Gegenteil.“

Bestehendes Grün schützen

Nicht zuletzt das bestehende Grün müsse in erster Linie geschützt werden. „Deshalb kämpfen wir auch so um ein Baumschutz-Gesetz. Derzeit kann ja jeder einen Baum einfach umschneiden. Die Zivilbevölkerung ist da vom Denken her schon weiter als die rot-blaue Rathausmehrheit.“ 40 Jahre dauert es durchschnittlich, bis ein Baum eine Größe hat, bis er eine Kühlung bewirkt. Ein mittelgroßer Baum kühlt die Umgebungstemperatur um bis zu drei Grad herunter. Schobesberger: „Das ist schon ein ordentlicher Soforteffekt.“

Großes Potential ortet Eva Schobesberger auch auf den Linzer Dächen: „Ich habe großes Vertrauen in die Linz AG, da passiert gerade einiges in Sachen Fotovoltaik und Begrünung. Aber es braucht auch viel mehr. Das Ziel muss sein, dass es in Linz kein Dach gibt, das nicht grün ist und eine Fotovoltaik-Anlage draufhat. Mit den jetzigen Vorschriften in Sachen Begrünung werden wir kein Klima retten. Es muss auch noch viel mehr am Boden passieren.“

Um auch den Verkehr nicht mehr nur in Autos zu denken, braucht es ordentliche und schnelle Öffi-Verbindungen in und aus der Stadt: „Zum ersten Mal gibt es Geld vom Bund für ein Öffi-Projekt in Linz. Da bin ich der Klima-Ministerin sehr dankbar. Bei uns zahlen Land und Stadt zu einer Autobahn dazu, ohne Deckelung. Es muss Schluss sein, den Verkehr immer nur in Autos zu denken.“

Diskussion um neue Hochhäuser

Auch Hochhäuser darf es künftig auch an manchen Orten nicht geben, wenn man der Stadtklima-Karte folgt: „Es gibt Areale, wo man kein Hochhaus hinbauen darf, um keine Verschlechterung für das Stadtareal zu erreichen. Das Beispiel Trinity im Franckviertel etwa zeigt, das man sich das klimatologisch noch genau ansehen muss, ob das eigentlich dort geht. Wenn ja, wie muss das situiert sein, um etwa den Winddurchfluss zu garantieren?“, führt die Umweltstadträtin aus.

In Sachen Umfeldgestaltung solle man auch sehr wohl die Wohnbevölkerung mit einbeziehen: „Das darf man auch den Investoren zumuten, dass sie das zu finanzieren haben und der Allgemeinheit etwas zurückzugeben. Da sehe ich Bürgerbeteiligung schon sehr wichtig an, was die Gestaltung betrifft. Wenn man unter dem Brucknertower steht, ist es ja ein Alptraum in Sachen Aufenthalts-Qualität. Hier sind Katastrophenfehler passiert in den letzten Jahren, ebenso wie in der Tabakfabrik, wo dem Investor nicht einmal Rahmenbedingungen vorgegeben wurden und das Gebäude später ohne Gemeinderatsbeschluss auch noch einmal zusätzlich erhöht wurde, was wieder eine Million mehr Profit für den Investor bringt, der Allgemeinheit aber wenig bis gar nichts nützt“, so Schobesberger und ergänzt: „Wohn-Hochhäuser, wo die Investoren freie Hand haben, sind auch sozialpolitisch alles andere als eine Lösung.“

Rathaus-Mehrheit brechen

Das grüne Wahlziel für den Herbst ist klar: „Wir wollen stärker werden und die aktuellen Rathaus-Mehrheiten brechen. Wenn es um die Klimapolitik geht, die neue Wege erfordert, wäre das bitter nötig, um das alte Denken hinter uns zu lassen.“


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