Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Stadt der Frauen: Expertinnen diskutierten in Linz über Stadtplanung aus weiblicher Sicht

Anna Fessler, 17.11.2023 12:44

LINZ. Unter dem provokanten Titel „Sex and the City - So viel Frau steckt in unserer Stadt“ lud Vizebürgermeister Martin Hajart zum Expertentalk im Rahmen der Gesprächsreihe „Forward - VorDenken für Linz“. Thema war diesmal gendergerechte Stadtplanung, und inwiefern Frauen bei der Stadtentwicklung berücksichtigt werden.

V.l.n.r.: Claudia Falkinger, Frauenlandesrätin LH-Stv. Mag. Christine Haberlander und Mobilitätsreferent Martin Hajart bei der Diskussion zu gendergerechter Stadtplanung (Foto: Stadt Linz)

Städte werden meist von Männern für Männer geplant. Dabei sind die Bedürfnisse an eine Stadt sehr unterschiedlich – das sogenannte „Gender-Planning“ setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Bedürfnisse aller sozialer Gruppen und Geschlechter in der Stadtplanung berücksichtigt werden können. 

Im Offenen Kulturhaus Linz diskutierten am Podium Eva Kail, Expertin für gendergerechte Planung in der Stadtbaudirektion Wien, Claudia Falkinger von MobiliDat (Datenplattform für Gender und Mobilität) und LH-Stv. Frauenlandesrätin und Academia Superior-Obfrau Christine Haberlander.

Mobilität: Frauen gehen häufiger zu Fuß

Vizebürgermeister Martin Hajart, in Linz für Verkehr zuständig, sprach zu Beginn das Thema Mobilität an: so zeige die Mobilitätserhebung des Landes, dass Frauen in Linz mehr Wege zu Fuß zurücklegen (30 Prozent) als Männer (21,7 Prozent). Auch bei der Nutzung des Fahrrads gibt es Unterschiede: 7,7 Prozent der Linzerinnen fahren mit dem Rad, bei den Männern sind es knapp doppelt so viele. Dass Frauen immer noch mehr Care-Arbeit und damit Versorgungswege übernehmen und Frauen häufiger Teilzeit arbeiten, schlägt sich auch im Mobilitätsverhalten nieder.

Eva Kail: „Stadtplanung nimmt zunehmend Rücksicht auf den Alltag von Frauen“

Eva Kail setzt sich seit 30 Jahren für Gender-Mainstreaming in den Bereichen Städtebau und Wohnen, Verkehr sowie bei der Planung und Gestaltung öffentlicher Räume ein. Stadtplanung sei „nie geschlechtsneutral“, so Kail, bereits vor 30 Jahren habe sich in Studien zu Verkehrsdaten gezeigt, dass Männer häufiger mit dem Auto fahren, Frauen hingegen öfter zu Fuß gingen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Die Gestaltung der Stadt könne zwar nicht die Arbeitsteilung beeinflussen, aber Menschen beim Nachgehen dieser Arbeit unterstützen oder einschränken.

Zentral sei, dass alles Notwendige im unmittelbaren Umfeld verfügbar ist: Ärztinnenpraxen, Schulen, Einkaufmöglichkeiten. Positiv sei, dass in der Planung öffentlichen Raums zunehmend Rücksicht auf den Alltag von Frauen genommen werde.

Gute Beleuchtung sorgt für besseres Sicherheitsgefühl

Auch Sicherheit war Thema. „Das subjektive Sicherheitsgefühl ist für Frauen etwas Wichtiges.  Eine gute Straßenbeleuchtung trägt dazu bei. Um Angsträume zu identifizieren, können etwa in der Planungsphase nächtliche Begehungen wie in Paris hilfreich sein.“, sagte Kail dazu. Dass Beleuchtung eine wichtige Rolle spielt, unterstrich auch LH-Stellvertreterin Christine Haberlander: „Es gibt hinsichtlich der Sicherheit eine absolut unterschiedliche Wahrnehmung zwischen Männer und Frauen. Und es lässt sich auch wissenschaftlich belegen, dass sich die Frauen in der Stadt oft unwohl fühlen, weil etwa Plätze sehr dunkel sind“. Auch wirke sich das subjektive Sicherheitsgefühl darauf aus, ob Frauen zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto unterwegs sind.

Christine Haberlander: „Wir müssen Frauen verstärkt in die Stadt- und Verkehrsplanung bringen“

Entscheidend sei im Bereich der Stadtplanung aber laut Haberlander auch die Sichtbarkeit von Frauen, etwa durch weibliche Straßennamen: „Es gibt so viele Frauen, die Vorbilder sind. Das Sichtbarmachen von Frauen ist essenziell. Sichtbar machen führt zu mehr Mut.“ Ebenfalls in die Zuständigkeit der LH-Stellvertreterin fällt der Bereich Bildung. Hier sei es schön zu sehen, welche Chancen Frauen 2023 haben. In Oberösterreich gäbe es um die 150 Programme, um Mädchen für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. „Wir müssen daher auch Frauen verstärkt in die Stadt- und Verkehrsplanung bringen. Das Motto muss sein: Tut es! Und für die Männer: Fürchtet euch nicht!“, so Haberlander.

Claudia Falkinger: Wie wäre es, wenn Männer einmal 'Frauensprechen' lernen?“

Claudia Falkinger ist CO-Founderin und CEO des internationalen Mobilitäts-Startups „Punkt vor Strich“ sowie Initiatorin des Netzwerks Women in Mobility Austria. Mit „MobiliDat“– der Datenplattform für Gender & Mobilität, gestaltet sie innovative und inklusive Mobilitätslösungen. Falkinger erinnerte in Bezug auf Bildung daran, dass die ersten Programmierer weiblich gewesen seien: „Aber es wird heute gerne aufgezählt, was Frauen alles noch lernen und erreichen sollen. Doch irgendwann ist es einmal genug – wie wäre es denn einmal mit einem Ausbildungsprogramm für Männer.“ Girls-Days samt Fortbildungen seien zu wenig, „Wie wäre es, wenn Männer einmal 'Frauensprechen' lernen?“, fragt Falkinger. Es brauche „uns alle gemeinsam“, um Frauen in die Mobilitätsbranche zu bringen und um jene sichtbar zu machen, die dort bereits arbeiten.

Vizebürgermeister will Vorschlag nach Pariser Vorbild aufgreifen

Vizebürgermeister Martin Hajart bilanzierte nach dem Expertentalk: „Es war ein gelungener Abend mit vielen spannenden Denkanstößen. Etwa das genannte Beispiel zu nächtlichen Begehungen in Zusammenhang mit der Straßenbeleuchtung werden wir für Linz aufgreifen.“

 


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Hauser eröffnet nach 2,7 Millionen-Investition neuen Standort in Linz-Dornach

Hauser eröffnet nach 2,7 Millionen-Investition neuen Standort in Linz-Dornach

LINZ. Der Kühlmöbel- und Kältetechnikspezialist Hauser erweitert seine Präsenz in Linz und hat in Dornach einen neuen Standort eröffnet. ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Bauliche Vorarbeiten für neue Linzer Obuslinie 48 gestartet

Bauliche Vorarbeiten für neue Linzer Obuslinie 48 gestartet

LINZ. Die neue Obuslinie 48 in Linz nimmt Gestalt an. Entlang der geplanten Strecke laufen bereits erste Vorarbeiten. Die Hauptbauphase soll ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Schließung der letzten verbliebenen Hellweg-Märkte beantragt

Schließung der letzten verbliebenen Hellweg-Märkte beantragt

OÖ/RIED/KIRCHDORF. Im Sanierungsverfahren der in Linz ansässigen Baumarktkette Hellweg ist der nächste Schritt gesetzt: Für die Standorte ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Thomas Engelberger neuer Bereichsleiter bei der Oberösterreichischen

Thomas Engelberger neuer Bereichsleiter bei der Oberösterreichischen

OÖ/LINZ. Mit 1. September übernimmt Thomas Engelberger die Leitung des Schadenbereichs Haftpflicht, Unfall, Kasko (HUK) der Oberösterreichische ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Kika-Gebäude in Linz-Urfahr möglicher IT:U-Standort

Kika-Gebäude in Linz-Urfahr möglicher IT:U-Standort

LINZ. Bei der Standortsuche für die neue Digital-Uni IT:U wird aktuell auch das ehemalige Kika-Gebäude in Linz-Urfahr als Alternative zu einem ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Andritz setzt auf Linz und schafft 150 neue Arbeitsplätze

Andritz setzt auf Linz und schafft 150 neue Arbeitsplätze

LINZ. Andritz baut seine Turbogeneratorfertigung in Linz deutlich aus. Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen. Die Produktionskapazität wird ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Weitere Beiträge