Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Nach Kritik an Sozialhilfebehörde: Stadt Linz setzt künftig auf sensiblere Vollzugspraxis

Anna Fessler, 03.04.2024 18:37

LINZ. Nach dem Protest von 23 Sozialorganisationen gegen die Vollzugspraxis der Sozialhilfe in Linz im Dezember 2023 und mehreren Medienberichten über Einzelschicksale gibt es nun Änderungen bei der Behörde: Betroffene bekommen persönliche Termine beim Sachbearbeiter, die Zumutbarkeit bei Unterhaltsforderungen soll gründlicher geprüft werden.

Zahlreiche Linzer und oö. Sozialorganisationen übten Kritik an der städtischen Sozialhilfebehörde, nun hat die Stadt Linz reagiert. Eine neue Vollzugspraxis soll Verbesserungen bringen, die Mitarbeiter wurden sensibilisiert. (Foto: Monkey Business/stock.adobe.com (Symbolfoto))

Nach Protesten von Linzer Sozialorganisationen im Dezember 2023 kündigte der Direktor für Soziales, Jugend und Familie Helmut Mitter Verbesserungen an. Man wolle auf die Kritik, soweit nachvollziehbar, eingehen. Dennoch wandten sich in den darauffolgenden Monaten mehrere Sozialorganisationen an Tips, um auf Einzelschicksale aufmerksam zu machen. Auch die Oberösterreichischen Nachrichten berichteten verstärkt über das Thema.

Neue Dienstanweisung

Nun hat der Magistrat offenbar Konsequenzen gezogen: Laut Magistratsdirektorin Ulrike Huemer wurde die Vollzugspraxis nach mehreren Dienstbesprechungen durch eine neue Dienstanweisung angepasst. Dem vorausgegangen seien intensive Auseinandersetzungen mit dem Bundesgrundsatz- und dem Ausführungsgesetz des Landes zur Sozialhilfe.

Persönlicher Termin, Mitarbeiter wurden sensibilisiert

Konkret kann nun jeder Betroffene einen persönlichen Termin mit dem zuständigen Sachbearbeiter vereinbaren. Diese Möglichkeit gab es bisher in der Erstanlaufstelle ohne Terminvereinbarung, oftmals sei aber noch ein weiteres Gespräch gewünscht, daher die Adaptierung. Was die Verfolgung von Unterhaltsansprüchen betrifft: hier wurden laut Huemer die Mitarbeiter sensibilisiert, die Fälle noch gründlicher und mit Augenmaß im Hinblick auf Unzumutbarkeit und Aussichtslosigkeit zu prüfen.

„Haben einen guten Vollzugsweg gefunden“

„Das Gesetz ist grundsätzlich sehr restriktiv, aber wenn zum Beispiel psychische Erkrankungen vorliegen und die Verfolgung zu einer tiefen Zerrüttung führen würde, die den psychischen Zustand verschlechtern könnte, dann kann etwa Unzumutbarkeit angenommen werden. Hier haben wir einige Beispiele in der Dienstanweisung dargelegt. Es muss aber im Einzelfall glaubhaft gemacht werden und es muss gut dokumentierbar sein. Für diese Fälle wurden auch die beratenden Sozialvereine sensibilisiert, Klientinnen gegebenenfalls bei der Glaubhaftmachung zu unterstützen.“, so Huemer. Generelle Vollzugsleitfäden des Bundes oder des Landes würden fehlen, auch liege keine entsprechende Judikatur der Gerichtshöfe vor. Dennoch habe man nun einen guten Vollzugsweg gefunden.

Am Dienstag, 2. April habe es Treffen mit Sozialdirektor Mitter und Vertretern der Sozialplattform OÖ und der Caritas gegeben, bei dem vereinbart wurde, dass man weiterhin „im guten Gespräch und Austausch“ bleibe.

Sozialorganisationen: Vertreter bestätigen gute Gesprächsbasis und freuen sich über die Änderungen

Josef Pürmayr, Geschäftsführer der Sozialplattform OÖ, spricht von einem konstruktiven Gespräch, bei dem man über die Änderungen informiert wurde. Einige Verbesserungen habe es schon im Jänner gegeben, so habe die Behörde die Zahl der geforderten Bewerbungsschreiben auf ein verträgliches Maß reduziert. Auch sehe er positiv, dass nun zuerst die geringstmöglichen Sanktionen verhängt werden und die Streichung der Sozialhilfe nur die letztmögliche Konsequenz sein soll. Die Sozialplattform sei sehr interessiert an einem regelmäßigen Austausch.

Michaela Haunold, Stellenleiterin bei der Caritas OÖ, bestätigt ebenfalls, dass man mittlerweile eine gute Gesprächsbasis habe, die Verbesserungsvorschläge der Sozialorganisationen seien „angekommen“. Die geforderte Zahl der Bewerbungen werde nun mehr auf die individuellen Umstände angepasst, beim Sachbearbeiter bekommen Betroffene Termine. Was die Verfolgung von Unterhaltsansprüchen angeht, sei der Ablauf nun klar geregelt, für beide Seiten. „Wir wissen jetzt, was wir wohin schicken sollen“, sagt Haunold über die Unterstützung der betroffenen Klienten. Die Anpassung der Vollzugspraxis sei deshalb so wichtig gewesen, „weil die Sozialhilfe für unsere Klienten wirklich das letzte Auffangnetz darstellt.“

Auch lesen:

Sozialhilfe: Zu hartes Gesetz oder zu strenge Behörde?

Wieder Kritik an Linzer Sozialhilfe-Behörde

Demenzkranker Pflegeheimbewohnerin drohte Verlust der Sozialhilfe und Krankenversicherung: Linzer Behörde will Fall prüfen


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Hauser eröffnet nach 2,7 Millionen-Investition neuen Standort in Linz-Dornach

Hauser eröffnet nach 2,7 Millionen-Investition neuen Standort in Linz-Dornach

LINZ. Der Kühlmöbel- und Kältetechnikspezialist Hauser erweitert seine Präsenz in Linz und hat in Dornach einen neuen Standort eröffnet. ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Bauliche Vorarbeiten für neue Linzer Obuslinie 48 gestartet

Bauliche Vorarbeiten für neue Linzer Obuslinie 48 gestartet

LINZ. Die neue Obuslinie 48 in Linz nimmt Gestalt an. Entlang der geplanten Strecke laufen bereits erste Vorarbeiten. Die Hauptbauphase soll ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Schließung der letzten verbliebenen Hellweg-Märkte beantragt

Schließung der letzten verbliebenen Hellweg-Märkte beantragt

OÖ/RIED/KIRCHDORF. Im Sanierungsverfahren der in Linz ansässigen Baumarktkette Hellweg ist der nächste Schritt gesetzt: Für die Standorte ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Thomas Engelberger neuer Bereichsleiter bei der Oberösterreichischen

Thomas Engelberger neuer Bereichsleiter bei der Oberösterreichischen

OÖ/LINZ. Mit 1. September übernimmt Thomas Engelberger die Leitung des Schadenbereichs Haftpflicht, Unfall, Kasko (HUK) der Oberösterreichische ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Kika-Gebäude in Linz-Urfahr möglicher IT:U-Standort

Kika-Gebäude in Linz-Urfahr möglicher IT:U-Standort

LINZ. Bei der Standortsuche für die neue Digital-Uni IT:U wird aktuell auch das ehemalige Kika-Gebäude in Linz-Urfahr als Alternative zu einem ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Andritz setzt auf Linz und schafft 150 neue Arbeitsplätze

Andritz setzt auf Linz und schafft 150 neue Arbeitsplätze

LINZ. Andritz baut seine Turbogeneratorfertigung in Linz deutlich aus. Der erste Bauabschnitt ist abgeschlossen. Die Produktionskapazität wird ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Weitere Beiträge