„Einen Bürgermeister light gibt es nicht“
MAUTHAUSEN. Fünf Monate nach seinem lebensgefährlichen Motorradunfall kehrte vergangene Woche der Mauthausener Bürgermeister Thomas Punkenhofer an seinen Arbeitsplatz zurück.

Die Nachricht vom Unfall des Mauthausener Bürgermeisters löste im August 2016 eine Welle der Erschütterung aus. Schwerste Verletzungen an der Wirbelsäule und zahlreiche Rippen- und Knochenbrüche ließen Schlimmes befürchten. Fünf Monate und zwölf Tage später übt Thomas Punkenhofer seine Funktionen als Bürgermeister und Landtagsabgeordneter (SP) wieder aus. Mit TIPS sprach er über seinen Leidensweg und seine Rückkehr in den Alltag.
TIPS: Wie fühlen Sie sich nach Ihrer ersten Arbeitswoche?
Punkenhofer: Ich habe mich sehr auf die Mitarbeiter und die Arbeit gefreut. Die dreimonatige Rehabilitation mit vollem Programm war zwar auch anstrengend, aber der Alltag ist schon noch eine größere Herausforderung. Ich bin nicht mehr der Alte, doch wenn ich da bin, bin ich da. Einen Bürgermeister light gibt es nicht.
TIPS: Sie wurden in Italien von einem Auto niedergestoßen. Woran erinnern Sie sich und wie schlimm waren Sie verletzt?
PUNKENHOFER: Meine Erinnerungen beginnen auf der Intensivstation, wo ich nach einer zwölfstündigen Operation aufgewacht bin. Hier wurde ich mit elf anderen Patienten rund um die Uhr betreut. Ohne meine Lebensgefährtin wäre ich dort völlig überfordert gewesen. Ich war panisch, weil ich total hilflos war. Du kannst die Füße nicht bewegen, hast Schmerzen und verstehst niemanden. Das Ausmaß meiner Verletzungen und dass mein Leben gefährdet war, habe lange nicht realisiert. Neben insgesamt 23 Knochenbrüchen wurden neun Wirbel verletzt, von denen zwei regelrecht zerbröselt sind. Fünf Rippen hatten sich in meine Lunge gebohrt und darüber hinaus hatte ich ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Glücklicherweise hatte die Rettungskette gut funktioniert, so ist mir eine komplette Querschnittlähmung erspart geblieben. Landtagspräsident Viktor Sigl hat sich dafür eingesetzt, dass ich so schnell wie möglich mit der Air-Ambulanz nach Linz geflogen wurde - dafür hat er bei mir einen Stein im Brett. Als ich im Kepler-Klinikum ein Monat nach dem Unfall das erste Mal wieder auf meinen Beinen stehen konnte, habe ich vor Freude geweint. Mein Leben hat sich definitiv verändert mit dem 11. August. Es kann sein, dass die Lähmung der linken Hand bleibt. Ich hoffe, dass der damit verbundene Schmerz weggeht. Die Wirbelsäule wird mir mein Leben lang Probleme bereiten. Ich habe jedoch verstärkt gelernt, auf meinen Körper zu hören.
TIPS: Wie hat der Unfall ihr Leben verändert?
PUNKENHOFER: Der Alltag ist die anstrengendste, aber beste Therapie. Ich wollte ohne Rollstuhl und Krücken zur Reha und habe es geschafft. Auch meine weiteren Ziele werde ich konsequent angehen. Jeder Handgriff ist anstrengend, aber ich habe gute Selbstheilungskräfte und einen starken Willen. Ich weiß, wie belastend die letzten Monate vor allem für meine Tochter, meine Lebensgefährtin und meine Mutter waren. Sie gaben und geben mir sehr viel Kraft. Aber auch viele wohltuende Worte und Gesten sowie Begegnungen mit Menschen aus Mauthausen und ganz Oberösterreich tun ihre Wirkung. Mein Bewusstsein zum Leben hat sich verändert. Das wird hoffentlich so bleiben.
Unfall in der Toskana - August 2016
Thomas Punkenhofer wurde in der Nähe von Pisa von einem holländischen Urlauber, der in eine Parklücke einbiegen wollte, übersehen und frontal gerammt. Bei der Kollision erlitt Punkenhofer eine Reihe von schwersten Verletzungen. Operationen in Pisa und im Kepler-Klinikum Linz sowie ein Rehabilitationsaufenthalt in Bad Häring folgten.


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