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MICHELDORF/SYDNEY. Anna und Willi Heikenwälder sind vor 19 Jahren mit ihren drei Kindern von Micheldorf nach Kanada ausgewandert und betreiben dort mittlerweile zwei größere Farmen. Ihre Tochter Eva-Maria leitet die Niederlassung des Grieskirchner Unternehmens Pöttinger in Australien. Tips traf die Auswanderer in Down Under.

  1 / 2   Anna, Willi und Eva-Maria Heikenwälder (v. l.) anlässlich eines Empfanges der Wirtschaftskammer Oberösterreich in Australien.

Trotz der Entfernung sehen oberösterreichische Exportbetriebe viele Chancen am australischen Markt. Auf einer Reise nach Sydney und Melbourne nahm eine oberösterreichische Wirtschaftsdelegation, angeführt von WKOÖ-Präsident Rudolf Trauner, Niederlassungen oberösterreichischer Unternehmen unter die Lupe.

Eva-Maria Heikenwälder leitet mit ihren 32 Jahren bereits seit 2013 die Niederlassung des Grieskirchner Unternehmens Pöttinger in Australien mit vier Mitarbeitern. „Ich kenne die Firma in- und auswendig“, so die gebürtige Micheldorferin. Sie fühlt sich zwar überall zu Hause, doch die Familie und Freunde fehlen ihr. „Ich muss mindestens 30 Stunden reisen, damit ich bei ihnen sein kann. Das ist die große persönliche Herausforderung für mich“, so Heikenwälder, die zweimal im Jahr ihre Familie im Bezirk Kirchdorf besucht.

Kindheit im Kremstal

Ihre Kindheit verbrachte die Managerin auf dem Bio-Milch-Betrieb ihrer Eltern Anna und Willi Heikenwälder in Ottsdorf (Gemeinde Micheldorf). „Von der Grundfläche her hat es im Kremstal keine Erweiterungsmöglichkeit gegeben. Nach Kanada auszuwandern war für die Landwirtschaft besser“, erzählt Willi Heikenwälder. Der Landwirt war auch Anführer der Gegner des Baues der Pyhrnautobahn und ist unter anderem als Konsequenz auf den Bau ausgewandert. Den Grund in Micheldorf verpachtete er an einen Cousin.

Nach Kanada ausgewandert

Mittlerweile leben die Heikenwälders seit 1997 in Kanada und betreiben dort zwei größere Farmen. In Montreal, im französischen Teil von Kanada, führt der Sohn einen 450 Hektar Getreide-Bio-Betrieb mit rund 1,5 Millionen Dollar Umsatz. Das Getreide bleibt in Kanada und die Hülsenfrüchte wie Soja und Speisebohnen werden nach Asien exportiert. Seit 2007 besitzt die Familie zudem einen 1000 Hektar Getreide-Betrieb mit rund 700.000 Dollar Umsatz in Winnipeg, diesen betreibt Willi Heikenwälder mit seiner Frau noch konventionell.

Fleißige Arbeiter

Er habe keine Zeit für die Pension, meint der 65-Jährige. „Als Österreicher ist man von der Genetik her einfach ein fleißiger Mensch und wir haben sicher mehr und intensiver gearbeitet als der Durchschnitt. Die Ausbildung hat natürlich einen großen Teil dazu beigetragen, dass man erfolgreich ist“, so Heikenwälder und erklärt: „Der Ausbildungsstandard der jungen Generation in Kanada ist dort, wo er vor 30 Jahren in Österreich war. Es war einfach kein Bedarf für Qualität da, nur für Quantität.“ Der Groß-Farmer bereut es nicht, ausgewandert zu sein: „Die Investitionen haben sich auf jeden Fall rentiert. Vor zehn bis fünfzehn Jahren waren in Kanada die Grundpreise extrem niedrig. Es war auch im Hinblick auf unsere drei Kinder ideal. Sie sind alle mehrsprachig aufgewachsen.“ Die jüngste Tochter Annemarie beherrscht zehn Sprachen. Die 27-Jährige hat eine leitende Position am Flughafen Montreal (Kanada).

Top-Exportmarkt

Die Wachstumsraten in Australien sind seit 25 Jahren enorm. Auch für 2016 wird dem Land ein Wirtschaftswachstum von knapp drei Prozent prognostiziert. „Solche Wachstumsraten finden wir nur mehr in wenigen Volkswirtschaften auf der Welt, allesamt liegen in Übersee“, sagt WKOÖ-Präsident Rudolf Trauner, der auf einer Marktsondierungsreise die Exporttätigkeit oberösterreichischer Unternehmen anfeuern will, „für ein Exportbundesland wie Oberösterreich ist es unumgänglich, auch Australien als Exportmarkt zu prüfen.“ Gelingt es der Wirtschaftskammer, neue Exporteure zu finden, könnte der schon jetzt vorhandene Exportüberschuss weiter gesteigert werden.

Klimawandel in Australien

Einzig vor den Wetterkapriolen in Australien warnt die Familie Heikenwälder .Bezüglich Landwirtschaft gibt Willi Heikenwälder zu bedenken: „Australien leidet massiv unter dem Klimawandel, weil es immer trockener und heißer wird.“ Der 65-Jährige ist mit dem Land vertraut, da er in seiner Jugend als Skilehrer in Australien gearbeitet hat. Seine Tochter Eva Maria ist ähnlicher Meinung: „Australien ist vom Klima her ganz schwierig für ein Landtechnikunternehmen. Es gibt immer entweder Dürre oder Überflutungen.“

Auch der Österreichische Handelsdelegierte Karl Hartleb ist überzeugt: „Australien ist ein großer Markt, wenn auch kein einfacher.“ Er sieht neben dem Hauptbereich Maschinen- und Fahrzeugbau auch gute Chancen für Lebensmittelspezialitäten sowie im Gesundheits- und IT-Bereich. Dem Event- und Eventmanagement mit der dazugehörigen Technologie räumt er ebenso gute Möglichkeiten ein wie dem eLearning bei der Berufsausbildung.


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