Spitzen-Honigjahr aber keine blühende Zukunft für Bienen
BEZIRK ROHRBACH. Die heurige Honigernte ist großteils abgeschlossen und die Erträge sind mehr als zufriedenstellend. Trotz dieses guten Honigjahres, haben es Bienen und Imker nach wie vor schwer.

„Das Hauptkritierium für eine gute Waldhonigernte ist, ob genügend Lachniden da sind. Das sind Blattläuse, die die jungen Triebe an den Bäumen anbohren, aus denen Bienen und auch Ameisen den Honig saugen können“ erklärt Imker Franz Schlagitweit aus Neustift. „Über den Winter nisten sich die Lachniden bei den Ameisen ein, die sie dann im Frühjahr auch auf die Bäume bringen. Machen sie das allerdings zu früh, so wie letztes Jahr, können die Tiere durch Spätfrost erfrieren und ein Teil der Ernte ist dahin.
Reiche Ernte
Heuer hatten wir Glück. Deshalb ist es auch so ein spitzen Jahr geworden.“ Um vier Bienenstöcke kümmert sich Schlagitweit auf seinem Bauernhof in Dorf in der Gemeinde Neustift. 250 Kilogramm Honig konnte er heuer daraus ernten. Letztes Jahr hatte er noch sieben Stöcke – aber nur 75 Kilogramm Honig.
Problem: Varroa Milbe
Ganz freiwillig hat Franz Schlagitweit seine Bienenstöcke allerdings nicht von sieben auf vier reduziert. Die Varroa Milbe sei nach wie vor ein großes Thema. Die Milben nisten sich in der Brut ein, vermehren sich dort und saugen wie Zecken an den noch ungeborenen Bienen. Zwar überleben die meisten Tiere den Winter, allerdings sind sie stark geschwächt und sterben früher. Das Problem wird jetzt, wo die Brut, die den Winter überleben soll, aufgebaut wird, wieder augenscheinlich.
Die Schädlingsmilben werden außerdem immer resistenter gegen die Bekämpfung mit Ameisensäure, ähnlich, wie manche Bakterien eine Antibiotikaresistenz entwickelt haben. Dadurch beginnt ein Teufelskreislauf, der die Bekämpfung immer schwieriger macht.
Kaum mehr Blühflächen
Auch die aggressiven Wespen stellen eine Herausforderung für die Bienenvölker dar. Die Räuber fressen nicht nur andere kleine Insekten, sondern vor allem den Honig der Bienen, den diese so dringend selbst als Nahrung brauchen. Auf lange Sicht ein weit größeres Problem sind allerdings die wenigen Blühflächen, die die Bienen vorfinden. „Man braucht nur rausschauen aus dem Fenster. Es blüht kaum mehr was zu dieser Zeit des Jahres. Dabei bräuchte die Bienenbrut dringend Pollen, um über den Winter zu kommen“, so Schlagitweit.
Weniger Blütenhonig
Das gleiche Problem gebe es im Frühjahr und betreffe vor allem den Blütenhonig. „Abgesehen von der Obstblüte, bleibt für die Bienen nicht mehr viel übrig, wenn die Wiesen so oft gemäht werden.“ Wenn dann auch noch der Weißklee in den privaten Rasenflächen ausgerissen wird, werde es laut Schlagitweit eben eng für die Tiere.
Kurioses Stadt-Land-Gefälle
In den Ballungszentren kennt man dieses Problem nicht, denn die Stadtgärtnereien sind bedacht, genügend Blühflächen zu schaffen. Am Land wird dieses Bewusstsein wohl erst entstehen, wenn das Summen der Bienen bereits verstummt ist.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden
23.08.2017 11:29
Bienen
mich stört, dass bei der ganzen bienendiskussion immer der landwirtschaft der schwarze peter zugespielt wird. bei den insektiziden verstehe ich das ja noch und da ist der zusammenhang eindeutiger. aber gerade bei den wiesen sehe ich, dass oft geschnittene wiesen zb einen hohen weisskleeanteil entwickeln und der blüht meinst eine woche nach dem mähen schon wieder und steht dann weitere 4 wochen in der blüte. bei den bienen ist es halt auch sehr ähnlich wie in der landwirtschaft, man will auch ertrag und deshalb werden die bienen auch auf ertrag und friedfertigkeit gezüchtet und verlieren dabei ihre natürlichen anlagen in richtung agressivität und können mit schädlingen und anderen gefahren nicht mehr gut genug umgehen. landwirte und imker wollen ertrag lukrieren und so ist das mehr ein wirtschaftliches thema denn ein ökologisches. eine natürliche insektenpopulation, die die bestäubung der blüten sichter, wird immer genug zu fressen finden.
23.08.2017 11:50
Bienen
Tatsächlich sind die Bienen nicht mehr so robust, wie sie einmal waren. Das hat uns auch Franz Schlagitweit erzählt.