Die Durchhalterinnen - oder beim zweiten Mal: Nein danke

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Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 04.06.2020 12:26 Uhr

NIEDERWALDKIRCHEN. Bei einer zweiten Corona-Welle steht Judith Deutschbauer-Rabeder, Biobäuerin, Unternehmerin und Mutter von drei schulpflichtigen Kindern, nicht mehr zur Verfügung. Das hat sie in einem Leserbrief niedergeschrieben.

Die Corona Krise mitten rein in unseren Alltag und nichts mehr so wie vorher. Starr vor Schock müssen wir uns anfangs mit Schreckensnachrichten und überdimensionalen Zahlen beschäftigen … Kranke, Arbeitslose, Tote, zu Schützende, zu wenig Fachpersonal … Österreichs Wirtschaft erfährt einen Shut-Down und wir täglich weitere Maßnahmen, die wir blind befolgen. Niemand weiß, wie sich die Pandemie verhalten wird und was das Vernünftigste sei.

Wir holen unsere drei schulpflichtigen Kinder aus den Schulen (NMS und VS). Mit mehr oder weniger Support werden sie auf Home School umgestellt, die Großen und der Kleine. Die pädagogische Verantwortung liegt von heut auf morgen in meinen Händen. Mein Mann ist Bio-Bauer und Unternehmer, so wie ich, und im Frühjahr mit Arbeit auf den Feldern eingedeckt. Wir sind uns einig, ich kümmere mich um die Kinder, stelle meine Arbeiten hinten an, ganz selbstverständlich neben dem Job im Büro, der Arbeit draußen, neben den üblichen Haushaltsagenden, dem Versorgen, dem Kochen und Essen machen.

Wir holen unsere Kinder aus ihrem sozialen Umfeld, aus dem Freizeit-Sport, aus den Musikschulen und Vereinen, um sie ab nun zuhause zu bespaßen. Wir erklären, dass wir uns schützen müssen, vor allem unsere 80-jährige Oma. Wir machen„s, weil das Zusammenhalten wichtig ist und Teil unserer Kultur.

Wollte nie eine Lehrerin sein...

Hallo, hallo! Geht“s noch? Ich fühle mich als Frau 50 Jahre zurückversetzt! Reduziert auf „Frauenkram“ par excellence: Kindererziehung, Kinderbeaufsichtigung, Kochen, Putzen, den Job hinten anstellen, Schulverantwortung. Zwischen Feldwebel und Hüterin des Familienfriedens … 10 Wochen, jeden Tag wieder von vorne - von oben angeordnet.

Ich bin keine Pädagogin und wollte nie eine sein. Jetzt werde ich zwangsverpflichtet, Danke Herr Minister, danke liebe Lehrer. Volkswirtschaftlich uninteressant, kehren nun auch endlich die Schulen zurück und veranstalten einen zwei- bis dreitägigen Masken-Hygiene-Distanz-Zinnober pro Woche. Da brauch ich kein Theater mehr, hoch lebe die Kultur. Der Fokus liegt auf den Hauptfächern. Gruppenarbeiten bitte mit einem Meter Abstand. Biologie fällt weg. (Das mit dem Babyelefanten wird uns für immer ein Rätsel bleiben). Unter das Schuljahr habe ich längst ein Hakerl gesetzt. Ob ich zur Benotung herangezogen werde? Oder bekomme ich gar einen Gehaltsscheck am Ende des Quartals? Eine Entschädigung oder ein Danke vielleicht?

Möchte ich das Betreuungsangebot neben den „geplanten Schultagen“ in Anspruch nehmen, quasi nur für Notfälle und wenn„s gar nicht anders geht, sitzen die Kinder am Gang oder im Turnsaal und müssen ihre Arbeiten selbständig erledigen, weil Lehrpersonal nicht zur Verfügung steht. Die Taktik des schlechten Gewissens funktioniert - immer noch.

Instabilität kann frau sich nicht leisten

Durchhalten, Augen zu und durch, dauert ja nicht mehr lange das Schuljahr. Haha, folgen ja nur lächerliche 9 Wochen Ferien, Urlaub verbraucht, Ferienlager ade … (Erwartungs)Haltung bewahren, keine physische oder psychische Instabilität zeigen … das können wir Frauen uns gar nicht leisten. Die Last gleichermaßen schwer wie unsichtbar. (Solange es Covid19 gibt, bleibt uns die “Kurve„ der psychisch Erkrankten ja auch erspart).

Wo sind die Emanzen und Begleiterinnen unserer Jugend, die uns zu selbstständig denkenden und unabhängigen Frauen erzogen haben und laut wurden bei Ungerechtigkeiten? Widerstandslos verstummt, einfach so?

Wo ist die Lobby der Kinder? Wer sagt ihnen einmal ein aufrichtiges DANKE dafür, dass sie mitspielen in der Maskerade, dass sie sich selbstmotivieren und weitermachen? Wer lobt sie dafür, dass sie es super machen, dass sie sich mit all den Verboten arrangieren und sich nicht schuldig fühlen (dürfen) bei Erkrankungen älterer Menschen. Danke Kinder, dass ihr Optimisten seid und an die Zukunft glaubt.

Österreichs Wirtschaft wurde binnen weniger Tage wegen eines Virus einem völligen Shut Down unterzogen. Dahingegen ist eine kurzfristige Reorganisation des Schulwesens inkl. Ferienumgestaltung in Corona-Zeiten nicht möglich? Pardon ein Meilenstein war ja die Neue Matura 2020.

Für was?

Nach einem Disput mit meinem 11-Jährigen über sein Lernverhalten fragt er mich: “Mama, für was?„ Während ich über eine passable Antwort grüble - “weil es so ist„ oder “man lernt für„s Leben“ oder „mein Lieber, weil du mal die Schulden zahlen wirst, die jetzt gemacht werden“ - drücken wir gemeinsam auf das X des Computerprogramms und lassen die Home School für heute einfach sein.

Schön langsam werden sie sichtbar die Gewinner und Profiteure der Krise und ich wollte einfach nur gesagt haben, dass ich für die angekündigte zweite Welle inklusive etwaiger Schulschließung nicht mehr zur Verfügung stehen werde.

Verfasserin: Judith Deutschbauer-Rabeder, Niederwaldkirchen

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Kommentare

  1. Melodie
    Melodie06.06.2020 09:49 Uhr

    Die Durchhalterinnen - Auch wir Lehrer befolgen nur brav, was wir in den Briefen der Bildungsregion lesen. Viel lieber hätten wir eure Kinder in der Schule unterrichtet! Und ja, ich habe mich sehr oft bei den Eltern für ihre gute Arbeit und ihr Verständnis bedankt. Und wie sich die Schreiberin dieses Artikels sicher nicht vorstellen kann, haben sich auch viele Eltern bei uns Lehrern bedankt. Für den Mehraufwand an Vorbereitungsarbeiten, das zur Verfügung stehen für ihre Kinder rund um die Uhr (mein Telefon piepste täglich von 8h - 23h, auch am Wochenende), für das tägliche Betreuuen der Kinder in der Schule, die nicht zu Hause bleiben konnten, für das Drehen der Lernvideos, für die langen Telefonate mit Eltern, dies mir ihre Sorgen klagten,... . Neben all diesem Mehraufwand hab ich noch meine Kinder alleine zu Hause gelassen, um in den Schule den Journaldienst zu machen und hab dann noch bis zum Abend mit meinen vier Kindern gelernt. Also bitte, wenn ich dann ein sarkastisches "Danke Lehrer" höre, wird mir ganz schlecht.

  2. Marie
    Marie06.06.2020 03:37 Uhr

    Was ist uns ein Menschenleben wert..... - Die Corona Krise mitten rein in unseren Alltag und Nichts mehr so wie vorher...... doch was ist ein Menschenleben wert?? Ein älterer Mensch stirbt zu Beginn der Krise, der Lauf des Lebens. Die trauernde Hinterbliebene, die plötzlich mit akuten Atemproblemen zu kämpfen hat und kurz darauf im Krankenhaus verstirbt. Der eigene Vater, Zuhause mit aller Vorsicht umsorgt, plötzlich geschwächt, aber ohne gröbere Anzeichen, ins Krankenhaus muss. Schnelltest bei Einlieferung - POSITIV - wird uns mitgeteilt. Die Hoffnung, der erste Test könnte nicht stimmen, wird am nächsten Tag zerstört. Die Lunge schon angegriffen, weitere Organe versagen demnächst. Diese Mitteilung, mit dem Hintergrundwissen, worauf wir uns einstellen müssen. Umstellung auf Homeschooling mit 3 Kindern, dazu Homeoffice, Homecooking und wie es Viele nennen: Kids Bespaßung. Jeden Tag wird man Morgens über die Todeszahlen informiert... mit der inbrünstigen Hoffnung, die Zahl der Toten ist nicht um eins gestiegen, da es sonst der eigene Vater wäre. Zu wissen, er kämpft schmerzlich um jeden Atemzug, zu hören - an Grippe sterben doch so Viele. Weitere geliebte, junge Menschen, um die man bangt, weil es ihnen so schlecht geht. Aussagen wie "Corona, war ja eh nichts". In Schweden 7x so viele Tote, dafür war der Shutdown nicht so strikt. Wir haben in dieser Zeit 3 Menschen verloren, die sich Zeitlebens für uns aufgeopfert haben - wer von euch würde die anderen 4 Menschenleben aus seinem Umfeld für diese Statistik opfern?? Zu sagen, es war Nichts, gleichzeitig aber für selbstverständlich zu halten, sein Kind bei einem Unfall versorgt zu wissen, das verlangt Jeder. "Abstand halten von den Äteren", das konnte /wollte Jeder leicht befolgen. Dass unsere Wirtschaft und unser System bei einem unkontrolliertem Verlauf genauso eingebrochen wäre, bei gleichzeitigem Verlust von vielen geliebten Menschen, daran denkt Keiner. Zu behaupten, da machst du nicht mehr mit - aber vielleicht gerade in diesem Moment unwissentlich den Nächsten zu infizieren - ist eine Andere. Was sind Menschenleben wert??

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