Esperanza geht heuer neue Wege - und das im Herzrythmus
OBERNDORF. Am Esperanza-Hof regt sich in diesen Tagen kaum etwas, denn die Kinder und Jugendlichen sind mit ihren Betreuern zur Eselwanderung aufgebrochen – einem jährlicher Fixpunkt des Zentrums für Tiergestützte Pädagogik. Tips besuchte die Wanderer bei ihrer Ankunft nach der ersten Etappe.

Am 9. Juli brachen die Kinder und Jugendlichen vom Esperanza-Hof mit ihren Betreuern zu ihrer elftägigen Wanderung auf, die sie über Mank ins Pielachtal führt. Andreas Prankl, Haus- und Hofmeister am Esperanza-Hof, lud die Gruppe ein, die erste Nacht am Gelände seines Hofes zu verbringen. Zusammen baut die Gruppe ihre Zelte und den Bereich für die Esel auf, bevor am Abend gemeinsam gegrillt und beim Lagerfeuer zusammengesessen wird. Neben dem gemeinsamen Führen und Versorgen der Tiere steht auch Feuer machen, Kochen, Abwaschen, Zelt aufbauen und vieles weitere an der Tagesordnung während der Wanderung. Drei Esel und zwei Hunde begleiten die Gruppe auf ihrer Wanderung. Die Tiere werden dabei in Teams von den Kindern und Jugendlichen geführt.
„In der vergangenen Zeit haben uns die Esel bei unseren täglichen Spaziergängen begleitet“, erzählt Sandra, eine der Teilnehmerinnen, die bereits zum dritten Mal an der Eselwanderung teilnimmt, zu den Vorbereitungen. „Esel gehen langsam, im Herzrhythmus – das Tempo wirkt beruhigend und stellt sich nach zwei bis drei Tagen ein, da wir Menschen gewohnt sind, schneller zu gehen. Bei der Eselwanderung geht es um Empathie und um sozial-psychologische Beziehungen und es erfordert hohe Konzentration, einen Esel zu führen. Das Gehen entspricht der Art und der Natur von Eseln“, erklärt Martina Kotzina, Leiterin von Esperanza.
Von Oberndorf ins Pielachtal
„Ich habe heute Esel Benjamin und Hund Leyka führen dürfen – dabei geht man schon langsamer als sonst“, erzählt Sandra weiter. „Die Eselwanderung ist ein jährlicher Fixpunkt, der seit rund zehn Jahren durchgeführt wird. Dabei machten wir uns schon auf den Weg ins Mühlviertel und auch nach Lunz. Heuer gehen wir neue Wege. Unser Ziel ist der Antlashof in Hofstetten im Pielachtal (Bezirk St. Pölten-Land). Dort werden wir zwei Tage Pause machen. Danach führt uns unser Weg wieder nach Hause, auf den Esperanza-Hof zurück. Hauptsächlich werden wir auf dem Römerweg wandern“, so Martina Kotzina.“
Der heutige Tag war ganz angenehm und eigentlich nicht anstrengend. Am Anfang habe ich mich eigentlich nicht darauf gefreut, aber die frische Luft und die Natur zu erleben, tut gut. Wir machen eigentlich alles gemeinsam, die Tiere führen und wir helfen uns alle gegenseitig, wie beim Aufbauen der Zelte“, erzählt eines der teilnehmenden Mädchen. „Die Kinder und Jugendlichen und die Betreuer lernen sich bei der Eselwanderung wieder ein Stückchen weiter besser kennen“, fügt Martina Kotzina hinzu und ergänzt: „Früher sind wir längere Strecken gegangen, nun gehen wir kürzere, da das Aufbauen der Zelte und das Kochen Zeit braucht. Die maximale Gehzeit pro Tag beträgt vier bis fünf Stunden. Ein ehemaliger Jugendlicher von Esperanza unterstützt uns in seinem Urlaub bei der Wanderung. Er fährt mit dem Versorgungsbus, in dem sich unter anderem die Zelte und Lebensmittel befinden.“
Wandern für den gute Zweck
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums möchte das Esperanza-Team ihr Unterwegs sein für die Bewusstmachung von Werten nutzen, die für unsere Gesellschaft bereichernd sein können. Aus diesem Grund möchten die Teilnehmer der Esperanza Eselwanderung nicht nur zum eigenen Nutzen gehen, sondern damit auch Mitmenschen, speziell aus unserer Region, unterstützen. Die Idee dahinter ist, Kilometergeld zu erwandern. Mit diesem Kilometergeld, das von regionalen Sponsoren, wie der Firma Grenl-Holzbau, Eventmühle GmbH oder der Gemeinde Oberndorf/Melk aufgebracht wird, werden zur Hälfte Projekt des Esperanza Hofes unterstützt. Die andere Hälfte geht an Flüchtlingsfamilien in der Gemeinde Oberndorf, um Kinder beim Schulstart und Projektwochen zu unterstützen. Auf der Eselwanderung legen rund zwanzig Zwei- und Vierbeiner jeweils etwa 150 Kilometer zurück.


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