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OBERNEUKIRCHEN. 8 Uhr. Leopold Kollros ist – wie jeden Tag – schon fast drei Stunden auf den Beinen. Heute wurden die frühen Stunden genützt, um Holzarbeiten zu erledigen. Nun bleibt etwas Zeit sich mit dem gelernten Schmied zu unterhalten, der im Herbst sein 95. Lebensjahr vollendet.

Leopold Kollros steht jeden Tag um 6.15 Uhr auf. Foto: Hamedinger
Leopold Kollros steht jeden Tag um 6.15 Uhr auf. Foto: Hamedinger

„Als ich 1940 die Lehre begann, war man als Lehrling noch das Letzte“, erinnert sich Kollros. Doch nach Abschluss seiner Ausbildung war für den rüstigen Oberneukirchner eines klar: Schmied war und ist sein Traumberuf. Und warum das so ist, erklärt Kollros mit einem Leuchten in den Augen, das nur Menschen besitzen, die ihr Glück, ihre Zufriedenheit gefunden haben: „Mit einem Schlag ändert sich das heiße Eisen, man kann es formen und nach seinen Vorstellungen gestalten.“

Flucht aus der Kriegsgefangenschaft

Um sich nach der Lehre lange seinem Berufswunsch zu widmen, blieb aber keine Zeit: Der Zweite Weltkrieg zwang auch Kollros an die Front: Zunächst nach Jugoslawien, nach einem Lazarettaufenthalt ging es schließlich in die Normandie. Dort geriet Kollros in Kriegsgefangenschaft. „Ich floh aus dem amerikanischen Lager, eine dumme und gefährliche Idee“, sagt der Pensionist, der sich auch an andere Erlebnisse aus dem Krieg erinnert: „Viele wollten nicht kämpfen und versteckten sich über Monate bei ihren Familien“. Schließlich war der Krieg zu Ende und es galt eine neue Existenz aufzubauen: „Durch meinen Cousin erfuhr ich, dass in der alten Schmiede – die früher zu Burg Waxenberg gehörte –, ein Fachmann gesucht wird. Und da eine der Töchter des Betriebes mein Herz eroberte, entschloss ich mich, hier zu bleiben – obwohl die Schmiede in einem sehr schlechten Zustand war.“

Viele Geschichten zu erzählen

Mit seiner Gattin wurden schließlich alle bürokratischen Hürden überwunden und die Schmiede auf Vordermann gebracht. „Heute führen mein Sohn und mein Enkel mein Werk weiter“, erzählt Kollros, der noch stundenlang Geschichten erzählen könnte. Etwa, wie eine seiner Jugendlieben – aus ungeklärten Umständen – in ein Kloster eintrat. Oder, wie sich das Klima in den letzten Jahrzehnten auch im Mühlviertel verändert hat: „So extrem war das Wetter früher nicht. Obwohl, wenn ich an die Gewitter denke, wegen denen wir oft die Ernte unterbrechen mussten, kann man das auch nicht so allgemein behaupten.“ Leider bleibt nicht mehr Zeit, um sich zu unterhalten. Der nächste Termin wartet. Kollros scheint dies aber nicht zu stören. Schließlich warten nach einer zünftigen Jause mit Most und Käse noch genügend Aufgaben, die zu erledigen sind. „Meine Arbeit und viel Bewegung hält mich fit“, flüstert der leidenschaftliche Handwerker während er im Keller des Hauses verschwinde


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