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OBERTRAUN. „Kajaken ist mehr als Sport, es ist eine Philosophie und eine Art zu Reisen“, sagt Horst Hattinger. Seit 30 Jahren bereist er alle mit Paddelbooten fahrbaren Winkel der Erde – zum Beispiel die wildromantischen Flüsse Albaniens, solange es sie noch gibt.

Noch ein Paradies für Kajak-Fahrer - die Flüsse Albaniens. Foto: Hattinger
  1 / 3   Noch ein Paradies für Kajak-Fahrer - die Flüsse Albaniens. Foto: Hattinger

Der seit kurzem in Obertraun (und zuvor in Ebensee) wohnende Kajak-Profi war bereits etliche Male am Balkan unterwegs. Aber am „Kontinent der Schluchten“ wird kein fließendes Wasser überbleiben, wenn dort ausländische Energiekonzerne weiter wüten. Mehr als 2700 geplante Staudammprojekte veranlassten Hattinger, nochmals so viele albanischen Flüsse wie möglich noch zu paddeln, bevor sie in Stauseen umgewandelt oder abgeleitet werden. Denn fast monatlich verschwinden Flüsse.

Trauer und Wut über verschwindende Flüsse

Die Kraftwerke dienen der Bevölkerung wenig, denn es geht hauptsächlich um Stromexport. „Unter den Staudämmen arbeiten die Menschen mit Pferd und Pflug und die Dieselaggregate laufen, weil sie vom nebenan produzierten Strom nichts sehen. Riesige Leitungen transportieren selbigen sofort ab, das habe ich mit eigenen Augen gesehen“, so Hattinger. Ganze Täler würden ausgesiedelt und Flussläufe zerstört.

Letzte Möglichkeiten nutzen, um Natur zu genießen

Nach einer Weihnachtstour auf der Vijosa mit seinem langjährigen Freund und einem der besten Naturfotographen Montenegros Miljko Buljic stellte Hattinger ein Team aus sechs Österreichern und zwei Montenegrinern zusammen, dass einerseits technisch gut genug paddelte, um schweres Wildwasser in abgelegene Gegenden zu meistern und anderseits offen und flexibel einer anderen Art zu reisen gegenüberstand. Denn in den albanischen Alpen ist man ohne Geländewagen aufgeschmissen, ohne einen lokalen Fahrer ist es fast unmöglich, dort Flüsse zu paddeln.

Gefährliche Wege und ungewohnte Ess-Angebote

„Die Fahrt ins Shala-Tal war unbeschreiblich. Für 60 Kilometer brauchten wir etwa sechs Stunden. Die Verbindung ins Kir-Tal dürfte eine der schlimmsten Straßen der Welt sein. Schotter, keine Leitplanken, viel Abgrund und unzählige Marterl“, beschreibt Hattinger. Einige skurrile Begegnungen mit Einheimischen durften nicht fehlen. Insbesondere unbekannte Essgewohnheiten. „Aufgetischt wird immer frisch. Uns wurde sogar einmal ein noch lebendes Kitzlein als Frühstück angeboten, wir haben aber dankend abgelehnt.“

Highlight der Reise sei das Befahren der 50 Kilometer langen Valbona gewesen. „Der Fluss begeistert und das von Gletschern geformte Tal lässt den Mund weit offen stehen“, sagt Hattinger. Die Valbona entspringt am 2694 Meter hohem Jezerca (der höchste vollständig in Albanien gelegene Berg). „Die Königsetappe am Fluss ist Wildwasser im oberen Schwierigkeitsgrad. Schlag auf Schlag, eine schwere Stelle um die andere. Da gibt es keine Zeit, um die Landschaft zu genießen“, beschreibt Hattinger die Herausforderung. Die Valbona hat sich ihren Weg durch kalkige Felslabyrinthe und Schluchten gebannt und fordert alle kajaktechnischen Fähigkeiten sowie manche Blessur. „Außer kleiner Schrammen und der einen oder anderen Schrecksekunde bleiben aber die wunderschönen Momente im Kopf, denn zum Fotografieren blieb oft gar kein Atem oder Nerv“, so der Obertrauner.

Traurig sei, dass schon im Herbst dort kein Wasser mehr fließen werden. Laut Hattinger wird alles Wasser abgeleitet und im wildromantischem Tal samt türkisem Märchenfluss wird das Rauschen des Flusses verstummen. Auch die mangelnde Müllentsorgung macht ihm Sorgen: „Je weiter man aus den Schluchten in besiedelte Gegenden kommt, desto mehr wird der Fluss zur Müllabfuhr.“


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