Afghanischer FIFA-Schiedsrichter bekommt Asyl in Österreich
WIEN. Nach sieben Jahren Flucht, dem Grauen von Moria und 51 Pushbacks auf der Balkanroute kann der afghanische FIFA-Schiedsrichter Ibrahim Rasool endlich aufatmen: Er hat Asyl in Österreich erhalten. Diese Nachricht wurde am Weltflüchtlingstag von der NGO SOS Balkanroute - eine in Wien ansässige Menschenrechts- und humanitäre Hilfsorganisation - verkündet, die den Fall bereits 2021 bekannt machte.

„Ich bin überglücklich, nach all den turbulenten Jahren endlich wo ankommen zu dürfen. Die letzten Jahre waren fürchterlich. Die Gewalt, die ich durch die kroatische Polizei erfuhr, kenne ich sonst nur von den Taliban. Ich lebte bis zum positiven Asylbescheid auch hier ständig mit der Schlaflosigkeit und mit der Angst, dass man mich nach Kroatien wieder abschieben wird“, sagt Rasool.
Diese Entscheidung des BFA wurde nach einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht aufgehoben, nachdem erfolgte die Zulassung zum Asylverfahren in Österreich.
„FIFA ließ mich im Stich“
Zahlreiche angesehene Mediziner äußerten sich gegen die Abschiebung, moralische Unterstützung bekam Rasool auch von FK-Austria-Wien-Legenden wie Karl Daxbacher oder Christian Prosenik. Das BFA glaubte seinen Gewalterfahrungen mit der kroatischen Grenzpolizei nicht, obwohl diese eindeutige Spuren auf seinem Körper hinterlassen haben. In Kroatien schlug ihm die Polizei mit einer Waffe die Zähne aus.
Der Fall des afganischen FIFA-Schiedsrichters Rasool ging im Jahr 2021 um die Welt, nachdem die Helfer von SOS Balkanroute in Bosnien ihn in einem wilden Camp des Grauens antrafen und seine Geschichte publik machten. Obwohl sowohl Rasool als auch SOS Balkanroute von der FIFA damals sofortige Unterstützung für den Schiedsrichter forderten, unternahm die FIFA nicht. „Sie ließen mich eiskalt im Stich“, so Rasool.
Rasool war maßgeblich am Aufbau der Futsal-Sportart in Afghanistan beteiligt, pfiff unzählige Spiele für die FIFA auf dem asiatischen Kontinent und unterstützte auch das afghanische Frauenfußball-Nationalteam. Ibrahim wurde in Afghanistan gefoltert, als er gegen den Verbandspräsidenten aussagte, nachdem gegen diesen Missbrauchsvorwürfe aus der afghanischen Frauen-Fußballnationalmannschaft bekannt wurden.
Aufwändiges Verfahren endlich abgeschlossen
„Nachdem das Bundesverwaltungsgericht unserer Beschwerde stattgab, musste das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl ein neues Gutachten zum Gesundheitszustand von Ibrahim Rasool einholen. Das hat bestätigt, was wir immer vorgebracht haben: Nämlich, dass eine Abschiebung nach Kroatien aus medizinischen Gründen nicht in Frage kommt. Wir sind sehr froh, dass Österreich nach diesem Gutachten die inhaltliche Verantwortung für das Asylverfahren übernommen hat und Ibrahim Rasool nach einer Einvernahme zu seinen Fluchtgründen und der Übermittlung diverser Beweismittel durch uns auch sehr rasch Asyl zuerkannt wurde“, sagt Norbert Kittenberger, rechtlicher Vertreter von Rasool.
Nach einer Odysee in Österreich und vier Quartier- und Ortswechseln innerhalb von zwei Jahren, lebt Rasool in Klagenfurt und begleitet dort den Trainingsbetrieb der SK Austria Klagenfurt Frauen.


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