Neue Daten grenzen Größe des interstellaren Objekts 3I/ATLAS ein
GARCHING/MÜNCHEN. 3I/ATLAS ist erst das dritte bekannte größere Objekt aus dem interstellaren Raum, das im Sonnensystem beobachtet wurde. Ein Forschungsteam aus Garching und München hat die Masse und Größe VON 3I/ATLAS neu abgeschätzt. Laut dem am 16. März veröffentlichten Manuskript könnte der feste Kern deutlich kleiner sein als manche frühere Schätzungen.

Das erste entdeckte interstellare Objekt war 2017 1I Oumuamua, das durch seine ungewöhnliche Bahn auffiel und keine klar erkennbare Koma zeigte. Mit 2I/Borisov folgte 2019 das zweite bekannte Objekt aus einem fremden Sternsystem, das sich deutlich eher wie ein klassischer Komet mit Gas und Staub verhielt.
Über das dritte als interstellare klassierte Objekt wurde nun eine Studie als Preprint auf arxiv.org veröffenlicht, wonach die Größe von 3I/ATLAS geringer als bisher angenommen geschätzt wird.
Für die Berechnung der Größe nutzen die Autoren dafür eine kleine Zusatzbeschleunigung, also eine Bewegung, die nicht allein durch die Schwerkraft erklärt wird. Sie entsteht, wenn Gas aus dem Kern entweicht und den Körper schwach anschiebt.
Kohlendioxid passt besser zu den Daten
Wenn vor allem Kohlendioxid an der Oberfläche verdampft, kommt das Team unter typischen Annahmen auf einen Kernradius von rund 0,42 Kilometer und eine Masse von etwa 160 Milliarden Kilogramm. Diese Variante stimmt laut Studie auch mit einer vorsichtigen Untergrenze aus der nötigen aktiven Oberfläche überein, also jener Fläche, von der Eis tatsächlich in Gas übergeht.
Modelle mit stärkerem Wasseranteil liefern größere Werte. Dann läge der Radius bei etwa 0,74 bis 1,15 Kilometer und die Masse bei rund 850 Milliarden bis 3,2 Billionen Kilogramm. Genau diese Lösungen sehen die Autoren aber kritischer, weil sie schlechter zu der gemessenen Zusatzbeschleunigung passen.
Viel Wasser könnte aus der Koma stammen
Die Studie legt daher nahe, dass ein großer Teil des beobachteten Wassers nicht direkt am Kern entsteht, sondern in der Koma, also in der Gas und Staubhülle um das Objekt. Dann wäre Wasser zwar sichtbar, würde den Kern selbst aber weniger stark wie ein Rückstoß antreiben.
Damit rückt Kohlendioxid als wichtigster Stoff an der Oberfläche in den Vordergrund. Die Autoren betonen zugleich, dass die Schätzung noch unsicher bleibt, weil Messungen der Gasproduktion nahe dem Perihel, dem sonnennächsten Punkt der Bahn, und die Modellannahmen weiter verfeinert werden müssen.
Auffällig ist auch der Abstand zu einer jüngeren Helligkeitsschätzung, die auf einen Radius von etwa 1,3 Kilometer kam. Der Unterschied könnte kleiner werden, wenn 3I/ATLAS mehr Kohlendioxid freisetzt als bisher gemessen oder wenn der Kern lockerer aufgebaut ist als angenommen. Das Manuskript wurde bei Astronomy & Astrophysics eingereicht.


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