Herzdiagnostik Graz: Neues Stress-MRT könnte tausende Stents vermeiden und Patienten invasive Eingriffe ersparen
GRAZ. Modernste Herzdiagnostik soll in Graz unnötige Eingriffe verhindern: Ein neues Stress-MRT könnte viele Herzkatheter ersetzen und Kosten senken.

Im Diagnostikzentrum Graz beginnt für die Herzdiagnostik eine neue Phase: Mit dem neu in Betrieb genommenen Magnetresonanztomographen MAGNETOM Sola Cardiovascular Edition steht dort jetzt auch ein sogenanntes Stress-MRT zur Verfügung. Die Hoffnung dahinter ist groß. Denn die Methode könnte dazu beitragen, tausende unnötige Eingriffe zu vermeiden, Patienten schonender abzuklären und das Gesundheitssystem massiv zu entlasten.
Präzisere Diagnose statt vorschneller Eingriff
In Österreich werden pro Jahr rund 26.000 Stents gesetzt. Doch nicht jeder Eingriff wäre laut aktueller Studienlage tatsächlich notwendig. Genau hier setzt das Stress-MRT an. Anders als beim klassischen Herzkatheter wird das Herz dabei nicht invasiv untersucht, sondern mittels Magnetresonanztomographie unter medikamentös ausgelöster Belastung. So lässt sich erkennen, wie gut der Herzmuskel unter Stress durchblutet wird und ob eine relevante Verengung der Herzkranzgefäße tatsächlich vorliegt.
Das Ziel ist klar: Patienten sollen nur dann einen Katheter, einen Stent oder eine Operation bekommen, wenn der Eingriff medizinisch wirklich erforderlich ist. In vielen Fällen könnte stattdessen eine medikamentöse Behandlung ausreichen.
Studien zeigen enormes Sparpotenzial
Besonders brisant ist der wirtschaftliche Effekt. Studien wie die britische CE-MARC-2-Untersuchung zeigen, dass sich bei Patienten mit stabilen Herzbeschwerden die Zahl rein diagnostischer Herzkatheter um fast zwei Drittel senken lässt. Das Stress-MRT übernimmt damit eine entscheidende Filterfunktion: Es identifiziert jene Patienten, die tatsächlich invasiv behandelt werden müssen, und bewahrt andere vor einem belastenden Eingriff.
Auch finanziell ist der Unterschied deutlich. Ein stationärer Herzkatheter kostet je nach Aufenthaltsdauer etwa 3.000 bis 5.000 Euro. Ein hochauflösendes Kardio-MRT liegt hingegen bei rund 600 bis 900 Euro. Pro vermiedenem Katheter könnten damit 70 bis 80 Prozent der Kosten eingespart werden. Hochgerechnet auf Österreich ergibt sich ein Einsparungspotenzial in Millionenhöhe.
Graz baut seine Rolle als Herz-Zentrum aus
Mit dem neuen Gerät erweitert das Diagnostikzentrum Graz seine technische Ausstattung deutlich. Dort sind nun sowohl photonenzählende Computertomographen als auch das neue Stress-MRT im Einsatz. Diese Kombination ermöglicht eine besonders tiefe und differenzierte Abklärung von Herzerkrankungen.
Medizinisch untermauert wird der Einsatz zusätzlich durch Erkenntnisse aus der internationalen ISCHEMIA-Studie. Sie zeigte bei stabiler koronarer Herzerkrankung, dass moderne Bildgebung eine zentrale Rolle bei der Therapieentscheidung spielt. Laut den beteiligten Experten ist das Herz-MRT anderen Belastungstests wie Ergometrie oder Myokardszintigraphie in vielen Bereichen überlegen.
Zugang ohne lange Wartezeit
Für Patienten ist die Untersuchung laut Diagnostikzentrum ohne Zusatzkosten möglich. Voraussetzung ist lediglich eine ärztliche Zuweisung. Die Wartezeit soll nur wenige Tage betragen. Damit will das Zentrum bewusst keinen exklusiven Zugang schaffen, sondern moderne Herzdiagnostik rasch und ambulant verfügbar machen.


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