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Das passiert mit Buckelwal Timmy nach seinem Tod

Tips LogoManuel Tonezzer, 12.05.2026 06:30

DEUTSCHLAND. Ob der Anfang Mai gerettete Buckelwal Timmy noch lebt, ist ungewiss. Seit der Abschleppaktion aus der Ostsee fehlt von dem Meeressäuger jede Spur. Sollte das Tier tatsächlich gestorben sein, könnte sein Kadaver in den Tiefen des Ozeans jedoch noch über Jahre hinweg eine zentrale Rolle spielen.

Timmy ist ein Buckelwal, der am 3. März 2026 erstmals in der westlichen Ostsee gesichtet wurde. Foto: APA-Images / Action Press / NonstopNews

Wochenlang fieberte ganz Deutschland mit dem auf den Namen „Timmy“ getauften Buckelwal mit, der im März plötzlich in der Ostsee auftauchte und später im Zuge einer heftig diskutierten Rettungsaktion in Richtung Nordsee geschleppt wurde.

Seitdem fehlt von dem Ozeanriesen jedoch jede Spur. Viele Experten gehen inzwischen davon aus, dass das Tier nicht mehr lebt – andere halten dagegen (Mehr Infos >>>).

Das passiert nach dem Tod eines Wals

Sollte der Wal tatsächlich gestorben sein, würde er im Meer allerdings keineswegs einfach „verschwinden“. Sein Kadaver könnte vielmehr zu einem sogenannten Walsturz werden – und damit über Jahre hinweg zum wichtigen Bestandteil eines einzigartigen Ökosystems.

Denn ein toter Wal ist in den Tiefen des Ozeans weit mehr als nur ein Kadaver: Er wird zur gigantischen Nahrungsquelle und zum Ausgangspunkt neuen Lebens.

Walsturz einfach erklärt

Unter einem Walsturz verstehen Wissenschaftler den Moment, in dem der Körper eines Wals nach seinem Tod auf den Meeresboden absinkt. Dort entsteht eine regelrechte „Lebensinsel“ in einer Umgebung, in der Nahrung normalerweise extrem rar ist. Ein einzelner Wal kann Tausenden Organismen Energie liefern – teils über Jahrzehnte hinweg. Forscher bezeichnen Walstürze deshalb als einen der wichtigsten natürlichen Recyclingprozesse der Ozeane.

Der Zerfall eines Wals verläuft dabei in mehreren Phasen.

Phase 1:

  • Zunächst beginnt die sogenannte Aasfresser-Phase. Kurz nachdem der Kadaver den Meeresboden erreicht hat, machen sich große Räuber und Aasfresser über das Tier her. Haie, Tiefseefische oder Schlafhaie fressen innerhalb weniger Monate große Mengen von Haut, Muskeln und Fett. Für viele Tiere ist ein Walsturz ein seltener Glücksfall in der sonst nährstoffarmen Tiefsee.

Phase 2:

  • Sind die großen Fleischmassen verschwunden, folgt die Opportunisten-Phase. Nun übernehmen kleinere Organismen wie Würmer, Schnecken, Krebstiere oder Muscheln die Überreste. Sie siedeln sich rund um die Knochen und im umliegenden Meeresboden an und ernähren sich von Fleischresten und organischem Material. Rund um den Wal entsteht dadurch ein regelrechter Mikrokosmos.

Phase 3:

  • Besonders außergewöhnlich ist die sogenannte Sulfophilie-Phase. Die fettreichen Knochen des Wals werden nun von spezialisierten Bakterien zersetzt. Dabei entsteht Schwefelwasserstoff – eine chemische Verbindung, die wiederum anderen Mikroorganismen als Energiequelle dient. Anders als Pflanzen benötigen diese Lebewesen kein Sonnenlicht. Auf diese Weise entwickelt sich ein völlig eigenes Ökosystem mit spezialisierten Muscheln, Röhrenwürmern und anderen Tiefseetieren. Diese Phase kann viele Jahre, teilweise sogar Jahrzehnte andauern.

Phase 4:

  • Erst am Ende beginnt die sogenannte Riff-Phase. Dann sind meist nur noch die Knochen übrig. Doch selbst diese dienen weiterhin als Lebensraum für Schwämme, Korallen und andere Meeresorganismen. Die Überreste des Wals wirken nun wie ein künstliches Riff auf dem Meeresboden, bis schließlich auch die letzten Knochen zerfallen.

Ein Walsturz zeigt damit eindrucksvoll, wie eng Tod und neues Leben im Ozean miteinander verbunden sind. Was zunächst wie das traurige Ende eines gigantischen Meeressäugers wirkt, kann in der Tiefsee zum Beginn eines jahrzehntelangen Kreislaufs werden – und zu einer Überlebensquelle für zahllose andere Lebewesen.


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