Schweres Erdbeben erschüttert Italien
COSENZA/ITALIEN. Ein starkes Seebeben der Magnitude 6,2 hat in der Nacht auf Dienstag weite Teile Süditaliens erschüttert. Nach Angaben des nationalen Instituts für Geophysik und Vulkanologie lag das Epizentrum des Erdstoßes um 00:12 Uhr im Tyrrhenischen Meer vor der Küste Kalabriens, nahe der Ortschaft Amantea.

Die Erschütterungen breiteten sich innerhalb von Sekunden über hunderte Kilometer aus. Trotz der enormen Stärke blieben größere Schäden nach ersten Berichten aus.
Extreme Herdtiefe verhinderte Zerstörung
Dass die Erdstöße keine verheerenden Folgen in den umliegenden Küstenstädten anrichteten, führen Seismologen auf die außergewöhnliche Tiefe des Erdbebenherds zurück. Das Hypozentrum lag rund 250 Kilometer unter dem Meeresboden. Bei solchen Tiefenbeben verliert die seismische Energie auf dem langen Weg an die Erdoberfläche einen Großteil ihrer zerstörerischen Kraft. Gleichzeitig sorgt die Geometrie der Wellenausbreitung dafür, dass die Erschütterungen in einem enormen Radius, aber deutlich abgeschwächt, wahrgenommen werden.
Zivilschutz beruft Krisenstab ein
Die nationale Abteilung für den Zivilschutz trat noch in den Nachtstunden zu einer Krisensitzung in Rom zusammen, um die Lageberichte aus den Regionen Kalabrien, Apulien, Kampanien und Sizilien zu koordinieren. In zahlreichen Gemeinden flüchteten besorgte Bürger aus Angst vor Nachbeben auf die Straßen. Die Notrufzentralen der Feuerwehr verzeichneten landesweit tausende Anfragen, strukturelle Schäden an Gebäuden oder Verletzte wurden bis zum Morgen jedoch nicht gemeldet.
Tektonische Plattenbewegung als Ursache
Geologisch ist das Phänomen im Süden Italiens bekannt, da unter dem Tyrrhenischen Meer die ionische Erdplatte tief in den Erdmantel abtaucht. Dieser fortlaufende Subduktionsprozess löst in regelmäßigen Abständen Erdstöße in Tiefen aus, die für Europa untypisch sind. Die Experten gaben vorerst vorsichtige Entwarnung. Zwar sei mit weiteren Nachbeben zu rechnen, schwere oberflächennahe Erschütterungen seien aufgrund der tektonischen Konstellation in diesem Fall aber unwahrscheinlich.

