Dieses alte Bahnareal wird Wiens größtes Renaturierungsgebiet
WIEN. Auf rund 90 Hektar soll in Wien-Breitenlee wertvoller Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen gesichert werden. Dafür werden auch invasive Arten entfernt. Ein Lehrpfad soll das Gebiet erlebbar machen.

Wo einst ein großer Verschiebebahnhof entstehen sollte, steht heute der Artenschutz im Mittelpunkt: Die Stadt Wien entwickelt das ehemalige Bahnareal in Breitenlee mit dem EU-geförderten Projekt „LIFE VienNATURA“ zu ihrem bisher größten Renaturierungsgebiet. Die rund 90 Hektar große Fläche entspricht etwa der Größe der Josefstadt und steht unter Natura-2000-Schutz.
Schon heute leben dort unter anderem Neuntöter, Wiedehopf, Zauneidechsen und mehr als 140 Wildbienenarten. Auch verschiedene Orchideen wachsen auf dem Gelände. Ihre Lebensräume sollen erhalten und wiederhergestellt werden.
Warum auf dem Areal auch gerodet wird
Das Gelände einfach sich selbst zu überlassen, würde nach Angaben der Projektverantwortlichen die Artenvielfalt gefährden. Invasive Pflanzen wie Goldrute und Götterbaum breiten sich aus und verdrängen heimische Pflanzen.
Deshalb werden diese Arten gezielt entfernt. Dabei sind stellenweise auch Rodungen vorgesehen. Standorttypische Pflanzen wie Eichen sollen nachgesetzt und blütenreiche Trockenrasen erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden. Ziel ist eine für den pannonischen Raum typische Landschaft, in der die seltenen Arten langfristig bestehen können.
Lehrpfad und Infopunkt im Eisenbahnwaggon geplant
Das Areal soll auch Raum für Erholung und Naturerlebnisse bieten. Ein Wegeleitsystem soll Besucher durch das Gebiet führen und gleichzeitig empfindliche Wiesenlebensräume schützen. Die ausgewiesenen Wege dürfen im Schutzgebiet grundsätzlich nicht verlassen werden.
Geplant sind außerdem ein Lehrpfad und ein Informationsbereich in einem ausgedienten Eisenbahnwaggon. Dort sollen Besucher mehr über die Tier- und Pflanzenwelt erfahren.
Bei einer Informationsveranstaltung am 14. Oktober 2026 stellten Experten die aktuellen und geplanten Arbeiten vor. Anwohner konnten bei einer Führung Fragen stellen und sich an einer Pflanzaktion mit heimischen Pflanzen beteiligen. Auch die Wegeführung und die Eingriffe auf dem Gelände wurden besprochen.
Bahnprojekt vor 100 Jahren eingestellt
Mit dem Bau des Verschiebebahnhofs wurde während des Ersten Weltkriegs begonnen. 1926 stellte man das Projekt ein. Später diente das Gelände unter anderem als Lagerplatz.
Die Stadt Wien kaufte das Areal mit Unterstützung des Biodiversitätsfonds des Bundes. Mit „LIFE VienNATURA“ soll nun der Naturraum gesichert werden, der auf der früheren Bahnfläche entstanden ist.








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