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„Man lernt im Ausland wahnsinnig viel – vor allem über sich selbst““

Daniela Toth, 29.03.2020 15:25

OHLSDORF/STEYR/BUDWEIS. Maximilian Mirlacher hat vor wenigen Wochen ein Auslandssemester im tschechischen Budweis beendet. Derzeit studiert der 21-Jährige – statt wie sonst auf der FH Steyr – aufgrund der aktuellen Uni-Schließungen vom heimatlichen Ohlsdorf aus. Was er in Tschechien gelernt hat, und was sein Studienfach mit der Corona-Krise zu tun hat? Tips hat – selbstverständlich telefonisch – nachgefragt.

Maximilian Mirlacher (Bildmitte, mit Österreich-Fahne) im Kreis seiner internationalen Studienkollegen Foto: Mirlacher

Tips: Sie haben Ihr Auslandssemester an der Universität von Budweis verbracht. Warum haben Sie sich genau dafür entschieden?

Maximilian Mirlacher: Die Lage hat einfach perfekt gepasst: Wir sollten uns ja nicht nur für die Stadt selbst, sondern auch für die Umgebung interessieren – und von Budweis aus bin ich mit dem Zug schnell überall hingekommen. Einmal zum Beispiel nach Prag, das ist für Studenten wirklich billig. Aber wir sind mit meinen Kollegen auch mit dem Nachtzug nach Polen gefahren. Die Schlösser und Seen in der direkten Umgebung haben wir ebenfalls angesehen... Tschechien hat echt viel zu bieten, das war mir vorher gar nicht so bewusst. Und man bekommt auch geschichtlich vieles mit.

Tips: Wie haben Sie das Studium und den Uni-Alltag erlebt?

Mirlacher: Natürlich war es ungewohnt, alles auf Englisch zu absolvieren, aber eigentlich war das für mich kein Problem. Im Vergleich zu Österreich habe ich mich leicht getan, wahrscheinlich wird im Erasmus-Programm aber auch etwas Rücksicht genommen auf die verschiedenen Wissensstände der Studenten. Und ich glaube auch, dass wir in Österreich mit der Uni „gut beieinander sind“.

Tips: Wie hat sich das Leben abseits der Uni gestaltet?

Mirlacher: Ich habe wirklich sehr gute Freunde gefunden. Beim Erasmus-Programm waren aus manchen Ländern viele Studenten, zum Beispiel aus Spanien. Die sind eher unter sich geblieben. In meinem Freundeskreis waren wir aber alle aus Ländern, wo wir nur wenige „Landsleute“ vor Ort hatten: zwei Österreicher, zwei Italienerinnen, ein Este,... Wir haben uns gleich am ersten Tag zusammengefunden und haben während der Zeit wirklich viel miteinander gemacht und auch gewisse Routinen entwickelt. Zum Beispiel der gemeinsame Gang in die Mensa und der anschließende Kaffee – von den Italienern habe ich da Sachen über den Kaffee gelernt, über die würde in Österreich nie jemand nachdenken! (lacht)

Tips: Was haben Sie aus dieser Zeit für sich mitgenommen?

Mirlacher: Ich bin etwas lockerer gegenüber anderen Kulturen und Verhaltensweisen geworden. Ein Beispiel: Wenn ich mir um acht Uhr etwas ausmache, bin ich um fünf Minuten vorher da. In anderen Ländern ist es auch ok, erst um neun da zu sein. Das kann ich heute entspannter sehen. Und natürlich lernt man auch viel, wenn man von zuhause weg ist, man organisiert sich besser. Was ich auch mitgenommen habe, sind meine Erasmus-Freunde. Wir sind über soziale Medien und Whatsapp weiter in Kontakt. Jetzt mit dem Corona-Virus ist halt unklar, wie lange es dauert, bis wir uns auch persönlich wieder treffen können.

Tips: Sie studieren Internationales Logistikmanagement. In welche berufliche Richtung soll es künftig gehen?

Mirlacher: Wir konnten letztes Semester einen Schwerpunkt wählen, ich habe mich für Handels- und Transportlogistik entschieden – ein Bereich, der aktuell auch wegen Corona im Zentrum steht.

Tips: Im Normalfall macht man sich ja selten Gedanken darüber, wie die Waren alle an Ort und Stelle kommen, im Moment aber...

Mirlacher: Das stimmt: Früher hat man sich geärgert, wenn man auf der Landstraße zum Beispiel lang hinter einem Billa-Lastwagen herfahren musste. Jetzt ist man wahrscheinlich eher froh und denkt sich: Jetzt wird wieder Klopapier geliefert!

Tips: Ihr Resümee aus dem Auslandssemester?

Mirlacher: Ich kann so etwas nur jedem empfehlen. Es ist eigentlich egal, in welches Land man geht. Man lernt so wahnsinnig viel – und zwar nicht nur fachlich und inhaltlich, sondern vor allem über sich selbst.


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