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OÖ: Historischer Tiefstand bei Kriminaldelikten, starker Anstieg bei Internet-Kriminalität

Tips LogoJürgen Affenzeller, 15.02.2022 14:51

LINZ/OÖ. Einen „drastischen Rückgang“ bei den Kriminal-Delikten verkündeten am Dienstag Landespolizeidirektor Andreas Pilsl und der Leiter des Landes-Kriminalamts, Gottfried Mitterlehner. Neues polizeiliches „Sorgenkind“ ist die Internet-Kriminalität, hier gab es deutliche Anstiege. Und die explodierende Zahl an Demonstrationen sorgt für tausende Überstunden bei der Polizei.

Landespolizeidirektor Andreas Pilsl (li.) und der Leiter des Landeskriminalamtes, Gottfried Mitterlehner, präsentierten am 15. Februar die Kriminalstatistik für OÖ 2021. (Foto: FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR)

Die Zahl der Anzeigen ist im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 55.665 Anzeigen gesunken (2020: 59.832, 2019: 64.779). „Das ist ein drastischer Rückgang der Delikte, sicherlich ist ein Grund dafür auch, dass es erneut ein von Corona-Einschränkungen und reduzierten Reisemöglichkeiten geprägtes Jahr war“, so Andreas Pilsl. Oberösterreich hat nach wie vor die höchste Aufklärungsquote der großen Bundesländer, nämlich 63,4 Prozent. „Nur Tirol hat eine höhere Aufklärungsquote, man kann wirklich sagen, dass unsere Kollegen und Kolleginnen gut gearbeitet haben und Oberösterreich ein sicheres Bundesland ist“, bilanziert Landespolizeidirektor Andreas Pils.

Für Pilsl steht auch der Schwerpunkt der künftigen polizeilichen Arbeit fest: „Man kann feststellen, dass die herkömmliche Kriminalität rückläufig ist, wir machen uns aber Sorgen über das, was da im Internet auf uns zukommt. Genau diese neuen Wege, die Internetkriminalität zu bekämpfen und den Kollegen draußen das Rüstzeug dafür in die Hand zu geben, wird uns heuer auch intensiv begleiten.“ 

Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen ist um 3,5 Prozent gestiegen: 2020 waren es 14.543, im Jahr 2021 insgesamt 15.056. Die meisten Tatverdächtigen nach Nationalitäten gereiht waren aus Rumänien (2.230), Deutschland (1.839) und der Türkei (970).  

Anzeigen wegen Vergewaltigung stiegen um 14,8 Prozent an

  • 8.563 Straftaten wurden 2021 angezeigt, ein Minus von 5,2 Prozent (2020: 9.032). Bei 62,7 Prozent gab es eine Beziehung zwischen Täter und Opfer.
  • 2021 war das Haupttatmittel die Stichwaffe: „Sie kam bei 296 Delikten zum Einsatz“, so Gottfried Mitterlehner.
  • Im Jahr 2021 wurden – wie auch 2020 – fünf vollendete Morddelikte erfasst. Wegen Vergewaltigung wurde 163 Mal Anzeige erstattet, ein Anstieg von 14,8 Prozent.

Einbrüche gingen stark zurück

  • 2021 wurden der Polizei in Oberösterreich 524 Anzeigen wegen Einbruchs in einen Wohnraum (Haus oder Wohnung) gemeldet, 2020 waren dies 830. Pilsl: „Das entspricht einer Abnahme von 26,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und stellt den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre dar.“
  • Der Kfz-Diebstahl ist 2021 mit 153 angezeigten Delikten erneut gesunken (2020: 184).
  • Ebenfalls ist die Anzahl der Taschen- und Trickdiebstähle gesunden. 2021 wurden 483 Anzeigen erstattet, 2020 waren es 840 , was einer Abnahme von 42,5 Prozent bedeutet.

Suchtmittel werden zunehmend online bestellt

Die Anzahl der Straftaten bei der Suchtmittelkriminalität sank von 7.468 im Jahr 2020 auf 6.228 im Jahr 2021. „Das liegt sicher auch daran, dass gewisse Hotspots wie der Linzer Hessenplatz zu Schutzzonen wurden“, ergänzt Gottfried Mitterlehner.

Der Kampf gegen die Suchtmittelkriminalität wird zudem durch den illegalen Handel im Internet, wie im Darknet und dem dadurch verbundenen Postversand erschwert.

„Sorgenkind“ Internet-Kriminalität

Das polizeiliche „Sorgenkind“ ist die Internet-Kriminalität, also Delikten wie der Online-Erpressung bis hin zur Kinderpornographie. Hier gab es im Jahr 2021 insgesamt 6.352 strafbare Handlungen (im Jahr zuvor 4.885, 2019 nur 4.049), davon wurden 3.034 geklärt, was einer Aufklärungsquote von 47,8 Prozent entspricht. Gottfried Mitterlehner: „Die Ermittlungen in diesem Bereich sind sehr intensiv, wir haben es auch oft mit erschütternden Fällen zu tun.“ 

600 Demonstrationen seit Pandemiebeginn                                                                                                                                       

Die Zahl der Demonstrationen ist seit dem Pandemiebeginn stark angestiegen. „Insgesamt gibt es bereits über 600 Demonstrationen in Oberösterreich, so viele wie in den 12 Jahren zuvor, die ich in meiner Funktion bin, der Fall gewesen sind“, umschreibt Pilsl.

Bei der Polizei sorgt dies für tausende Überstunden, bundesweit liegt diese Zahl bisher bei 600.000. Pilsl: „Gottseidank ging die Kriminalität in anderen Bereichen zurück, das sorgt dafür, dass wir auch das Personal für diese Maßnahmen haben. Aber es belastet unsere Beamten schon, viele der Einsätze sind am Wochenende und in den Abendstunden.“ Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen gab es im Vorjahr sechs, dazu 30 Anzeigen an die Gerichte sowie 1.000 Verwaltungsanzeigen.


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