Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

OÖ/NÖ/WIEN. Die christlichen Kirchen Österreichs begehen am 17. Jänner seit mehr als 20 Jahren den sogenannten Tag des Judentums. Heuer muss die geplante Abendveranstaltung im Linzer Priesterseminar Corona-bedingt entfallen. Dennoch finden Onlineveranstaltungen statt und werden Informationsmaterialien zur Verfügung gestellt.

Anlässlich des Tags des Judentums am 17. Jänner setzen Kirchen einen Schwerpunkt auf Antisemitismus (Symbolbild Tora). (Foto: P Maxwell Photography/Shutterstock.com)

Der Tag des Judentums am 17. Jänner wird jährlich als Lern- und Gedenktag begangen. In diesem Jahr steht das Phänomen des Antisemitismus im Vordergrund. Im Linzer Priesterseminar wäre dazu ein Vortrag vom Historiker und Theologen Roland Cerny-Werner sowie dem Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Benjamin Nägele auf dem Programm gestanden. „Warum immer wieder die Juden? Antisemitismus in Verschwörungstheorien, Vorurteilen und aktuellen Erfahrungen“ soll nun auf Jänner 2022 verschoben werden.

Antisemitismus ist auch in der Mitte der Gesellschaft zu finden

„In Österreich und Deutschland lässt sich Antisemitismus sowohl dem linken, rechten sowie islamistischen Milieu zuordnen, jedoch auch immer häufiger der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Wir beobachten eine gewisse Salonfähigkeit antisemitischer Ressentiments und Diskriminierung, die unter anderem getragen wird von einer Verrohung der politischen und sozialen Umgangsformen, einer Polarisierung der Gesellschaft und Erstarken des Rechtspopulismus, aber auch getrieben durch die aktuelle Corona Pandemie und die damit einhergehenden Verschwörungsideologien und Shoah-Relativierungen“, sagt Nägele. Auch ein Nichtsehen jüdischer Geschichte beziehungsweise des Beitrags von Juden zur Geschichte nähre Antisemitismus, ergänzt Cerny-Werner. „Der Fokus auf jüdische Geschichte ist demnach auch ein ganz bewusster impliziter Kampf gegen Antisemitismus heute, denn Antisemitismus ist ein Ergebnis aus bewusster Ignoranz, daraus resultierender Unkenntnis und den so gesetzten Handlungen“. Sorgen würden derzeit unter anderem Anschläge in Halle, Paris und Wien bereiten.

Hassreden im Internet als Herausforderung

Antisemitische Inhalte verbreiten sich darüber hinaus schleichend im Internet beziehungsweise in sozialen Medien, sagt Nägele in einem Videostatement. „Soziale Netzwerke bedienen mit ihren Plattformen und Informationen ein Milliardenpublikum, sie vernetzen Ideen und Meinungen in Sekundenschnelle zwischen Menschen aus der ganzen Welt. Hiermit kommt ihnen eine einmalige Verantwortung als Bildungsmacher und Multiplikatoren zu, im positiven wie im negativen Sinne. Dieser Verantwortung werden viele Plattformen leider bis heute nur bedingt gerecht. Es braucht einheitliche Regelungen und Gesetze gegen Hassreden, Holocaust-Leugnung und Diskriminierung bis hin zu Mordaufrufen. Dieselben Regeln, die im realen Leben gelten, müssen auch online gelten“, ist Nägele überzeugt.

Vertreter der Römisch-katholischen Kirche und der Evangelischen Kirchen sowie die Israelitische Kultusgemeinde Linz engagieren sich seit 20 Jahren im christlich-jüdischen Komitee OÖ für Dialog und Verständigung. Sie bemühen sich um kritische Reflexion aktueller Entwicklungen und bieten Begegnungs- und Lernmöglichkeiten an. Der Tag des Judentums soll dazu dienen, dass sich Christen ihrer Wurzeln im Judentum bewusstwerden und an jüdische Menschen beziehungsweise an ihrem Glauben begangenen Unrechts gedacht wird.

Einen Überblick über aktuelle Onlineveranstaltungen gibt die Homepage des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Informationsmaterialien werden auf der Webseite der Diözese Linz zur Verfügung gestellt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden