IHS-Studie: Fernunterricht brachten Folgen für Bildungslaufbahn
Ö/OÖ/NÖ. Eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zeigt auf, dass die Umstellung auf Distance Learning an den Schulen in der Corona-Pandemie gerade bei benachteiligten Schülern Kompetenzverluste gebracht haben. Die Studienautoren gehen noch weiter: Es gebe „erste Evidenzen, die auf durchaus gravierende Auswirkungen“ auf die Bildungslaufbahn hindeuten, heißt es.

„Lehren und Lernen unter Pandemiebedingungen. Was tun, damit aus der Gesundheits- nicht auch eine Bildungskrise wird?“ so der Titel der IHS-Studie von Mario Steiner, Maria Köpping, Andrea Leitner, Gabriele Pessl und Lorenz Lassnigg, die Perspektiven von Pädagogen, Schülern und Eltern analysiert.
Die pandemiebedingten Schulschließungsphasen, die mit einer Umstellung von Präsenzauf Distanz-Unterricht einhergehen, haben alle beteiligten Akteuren, die sich in den meisten Fällen durch hohes Engagement ausgezeichnet haben, stark gefordert und zuweilen über ihre Grenzen hinaus belastet. 79 Prozent der Lehrer berichten von einem nun (deutlich) höheren Stundenaufwand und einem vergleichbar hohen Rückgang im Wohlbefinden (64 Prozent).
Der Aussage, die Schüler sind mit der Situation überfordert, wird im Ausmaß von bis zu 79 Prozent zugestimmt und im Fall der Überforderung von Eltern liegt der Zustimmungsanteil bei bis zu 87 Prozent - bezogen auf benachteiligte Schüler in der ersten Erhebungswelle.
Eltern und insbesondere Mütter standen vor der Herausforderung, Familienabläufe umzuorganisieren und Raum- sowie Zeit-Ressourcen für den Distanz-Unterricht – oftmals in Konkurrenz zu den Anforderungen für das eigene Home-Office – bereitzustellen.
Kompetenzverlust reale Gefahr
Kompetenzverluste bei den SchülerInnen oder zumindest ein Ausbleiben des Kompetenzfortschritts seien eine reale Gefahr in diesem Zusammenhang, heißt es in der Studie. Das Fortkommen oder die Auswirkungen auf die Bildungslaufbahnen werden ebenfalls in den Fokus gerückt. Analysen zu dieser Frage bleiben aber vorerst nur vorläufig, weil die offizielle Schulstatistik erst Mitte des Jahres 2022 darüber Auskunft geben wird, welche Laufbahnveränderungen im Übergang zwischen den Schuljahren 2019/2020 auf 2020/2021 stattgefunden haben. „Dennoch lassen sich jetzt bereits erste Evidenzen zusammentragen, die auf durchaus gravierende Auswirkungen hindeuten“, fassen die Studienautoren zusammen.
Eine Zahl: Zuletzt waren 3.800 Jugendliche, die sonst eine Lehre beginnen oder in weiterführende Schulen wechseln würden, „unversorgt“, so in der Studie. Deren Verbleib sei „noch unklar“, weil sie keine Lehre begonnen haben und keine weiterführende Schule besuchen.


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