Omikron "viel infektiöser", Booster wird ab zwölf Jahren empfohlen
Ö. Bisher 59 bestätigte Infektionen mit der neuen Corona Omikron-Variante gibt es in Österreich. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein hat am Mittwoch gemeinsam mit Experten zur aktuellen Lage und zum derzeitigen Wissensstand informiert. Als gesichert gilt, dass die neue Variante um ein vielfaches ansteckender ist als Delta. Eine Neuerung gab Mückstein auch bekannt: Das Nationale Impfgremium wird demnächst eine Empfehlung zur Boosterimpfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren abgeben.

„Wir wissen schon vieles, aber noch nicht genug über Omikron, über die Schwere der Krankheitsverläufe, über eine höhere Ansteckungsfähigkeit“, so Mückstein. Vor gut drei Wochen wurde Omikron von Forschern in Südafrika entdeckt, nur kurz später wurde die Variante von der WHO als besorgniserregend eingestuft. Österreich hat mit einer Verschärfung der Einreisebestimmungen und Landeverboten reagiert.
Quarantänebestimmungen verschärft
Ebenfalls reagiert wurde mit einer Verschärfung der Quarantänebestimmungen. Mit der Variante Omikron infizierte Personen müssen in 14-tägige Quarantäne, ohne Möglichkeit sich freizutesten. Das gilt auch für Geimpfte und Genesene.
„Das müssen wir machen, um die Ausbreitung einzudämmen“, so Mückstein. Diese neue Regelung gebe es, um „Omikron solange wie möglich hintanzuhalten, das ist eine Maßnahme, solange wir nicht genug wissen ober die Variante, eine Akutmaßnahme“, ergänzt Katharina Reich, Chief Medical Officer im Gesundheitsministerium.
Einen Vorsprung habe man sich mit dem allgemeinen Lockdown erarbeitet, den gelte es, jetzt mitzunehmen.
„Um vieles infektiöser“
59 bestätigte Omikron-Fälle gibt es aktuell in Österreich. Die internationalen Forschungen laufen auf Hochtouren. „Die Labore, auch in Österreich haben erste Daten geliefert, inwieweit Antikörper gegen Omikron noch wirken“, so Forscher Andreas Bergthaler. Es gebe klare Erkenntnisse, die mittlerweile international bestätigt seien.
Man wisse: Bei Personen, die nur zweimal geimpft sind, biete die Impfung kaum Schutz vor Omikron, „bei Personen, die schon die Auffrischung hatten oder genesen und doppelt geimpft sind, haben wir immer noch eine relativ gute Neutralisation in der Petri-Schale“. Die gute Nachricht trotz allem: „Erste Daten etwa aus Großbritannien zeigen, dass Personen mit Booster-Impfung zu 70 bis 75 Prozent auch gegen die Omikron-Variante geschützt sind.“
Wichtig sei es noch zu sehen, wie sich die klinischen Verläufe darstellen. „Daten aus Südafrika, Schottland und Norwegen deuten darauf hin, dass Omikron zu milderen Verläufen führt, das kann aber auch damit zusammenhängen, dass es in Südafrika eine hohe Durchseuchung gibt bzw. in England und Norwegen viele geimpft sind. Es könnte auch ein Anzeichen sein, dass die Impfungen helfen“, verweist der Molekularbiologe auf die noch unsichere Datenlage.
Was aber mittlerweile sehr gesichert sei: „Omikron ist um vieles infektiöser“, so der Wissenschaftler. „Daher besteht auch die Sorge, dass wir in den nächsten Wochen mit einer deutlichen Zunahme von Omikron und einem erhöhten absolutem Infektionsgeschehen rechnen müssen.“
Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, rechnete mit einem Fallanstieg ab Ende Dezember, im Jänner sei dann wohl ein großer Anstieg zu erwarten. Er verweist auf Dänemark, wo die Omikron-Variante innerhalb weniger Tage schon zehn Prozent der Infektionen ausmache. Sie breite sich mit „besorgniserregender Geschwindigkeit“ aus.
Bergthaler sieht die Behörden gefordert, die Auswertungen zu verbessern: „Welche Fälle treten wo auf? Wie ist der Impfstatus? Wie sind die klinischen Verläufe? Hier gibt es Länder, die das um einiges besser machen als Österreich.“ Er sieht auch eine Verbesserung der Überwachung und Testung bei Einreisen nötig und die Auffrischungsimpfungen müssten forciert werden, es dürfe hier keine logistischen Hindernisse geben.
Vor Weihnachten impfen, adaptierter Impfstoff „on top“
Was man natürlich wisse: Die herkömmlichen Maßnahmen sind nach wie vor wirkungsvoll: Abstand halten, Kontakte reduzieren, FFP2-Maske tragen. Reich appelliert auch, sich gerade vor Treffen zu Weihnachten als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme testen zu lassen.
Vor allem appellieren Mückstein und die Experten, noch vor Weihnachten impfen bzw. boostern zu gehen. Mit drei Impfungen sei die Serie fürs Erste abgeschlossen, „aber, das heißt nicht, dass wir damit fertig sind. Wir müssen damit rechnen, dass uns Omikron einen adaptierten Impfstoff bescheren wird, der zusätzlich, on top sein wird“, so Reich. „Omikron ist kein Grund, mit der Impfung zu warten, es gilt die Grundimmunisierung abzuschließen“.
Booster ab 12: NIG-Empfehlung erwartet
Wie Gesundheitsminister Mückstein ebenfalls mitteilte, werde das Nationale Impfgremium (NIG) demnächst die Booster-Impfung schon ab zwölf Jahren empfehlen, er sprach bei der PK von „morgen“. Bislang gilt die Empfehlung für eine Boosterimpfung ab 18 Jahren.


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