Erste Anlaufstelle bei psychiatrischen Erkrankungen: Neues Versorgungszentrum am Neuromed Campus eröffnet
OÖ/LINZ. Am Linzer Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums ist am Freitag das neue Psychiatrische Versorgungszentrum (PVZ) offiziell eröffnet worden. Das Zentrum ist erste Anlaufstelle für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen aus Linz, Linz-Land und dem Mühlviertel.

Das neue Zentrum bündelt ab sofort und erstmals zentrale ambulante und akutpsychiatrische Angebote in einem Gebäude – von der Erstaufnahme über spezialisierte Ambulanzen bis zur Übergangspflege.
Spatenstich für den Neubau am Neuromed Campus war 2022. Durch einen Wasserschaden kam es zu einer Bauverzögerung von einem Jahr und drei Monaten, nun ist das neue Zentrum aber eröffnet.
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Zentrale Drehscheibe auch für bessere Vernetzung
Die Bündelung an einem Ort bringt viele Vorteile: Das PVZ ist auf rund 2.500 Quadratmetern als zentrale Drehscheibe konzipiert, dadurch ergeben sich sowohl für die beschäftigten Fachkräfte als auch die Patienten klare Strukturen, kurze Wege und abgestimmte Abläufe.
„Alle Anlaufstellen aus dem Bereich sind nun zusammengefasst, bislang waren sie über fast den gesamten Gebäudekomplex am Campus verteilt. Das fördert natürlich auch den Austausch untereinander“, erläutert Primar Jörg Auer, Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Ein Beispiel ist die neu entstandene Ambulanz für Persönlichkeits- und Interaktionsstörungen, wo Teams der Psychosomatik, der Psychotherapie und der Psychiatrie eng zusammenarbeiten.
Neue zentrale Notaufnahme
Wichtiger zentraler Bestandteil ist die neue Zentrale Notaufnahme (ZNA). Sie ermöglicht es, gezielt kurzfristig abzuklären und zu intervenieren. Ziel ist es, die Betroffenen so weit zu stabilisieren, dass sie nach maximal 36 Stunden entlassen werden können – oder, wenn dies nicht möglich ist, stationär aufgenommen werden. Ein aufwendiges vollstationäres Aufnahmeverfahren kann so vermieden werden, dadurch werden auch die stationären Bereiche entlastet. „Ein bis zwei Tage Aufnahme sind so möglich, ohne den kompletten stationären Ablauf“, so Auer. Auch für manche Patienten sei es einfacher, Hilfe in dieser Form anzunehmen.
Bewährtes und Neues unter einem Dach
Im PVZ findet sich das 2009 gegründete Sozialpsychiatrische Ambulanzzentrum (SPAZ) als Akutanlaufstelle ebenso wie die Psychiatrischen Nachbehandlungsambulanz. Dort werden Patienten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin nach einem stationären Aufenthalt bei Bedarf kurzfristig ambulant weiterbetreut. „Das ist nicht neu, bislang mussten die Patienten wegen Raumnot aber auf die Station kommen“, so Primar Auer.
Ebenfalls im PVZ angesiedelt ist die Übergangspflege PsychiatriePlus, die dabei unterstützt, vom Krankenhaus in die gewohnte Umgebung zurückzukehren und Selbstständigkeit sowie Selbstbestimmtheit zu erreichen.
Die neuen Räumlichkeiten ermöglichen es auch, sechs Spezialambulanzen anzubieten, vier davon sind neu:
- Affektive Störungen/Esketamin-Ambulanz (besteht seit 2001)
- Psychoseambulanz (neu)
- Peripartale Ambulanz mit Mutter-Kind-Zimmer (neu)
- Ambulanz für ADHS und Autismusspektrumstörungen (neu)
- Interkulturelle Ambulanz (IKA) (besteht seit 2009 für psychisch erkrankte Patienten mit nichtdeutscher Muttersprache)
- Ambulanz für Persönlichkeits- und Interaktionsstörungen (neu)
Laut Primar Auer gibt es jährlich rund 8.000 Kontakte in der Akutambulanz, rund 6.000 Patienten in Nachbehandlung. „Das wird sich natürlich steigern, weil wir mehr Platz haben und auch die neuen Spezialambulanzen gegründet haben.“ Mit dem neuen Zentrum werden auch die Kapazitäten erweitert. 53 Mitarbeiter umfasst es.
Moderne Strukturen für spezialisierte Pflege
Pflegebereichsleiter Manuel Schatzl unterstreicht die Rolle der spezialisierten Pflege. „Durch die neuen Räumlichkeiten haben wir sehr moderne Strukturen, wo unsere Mitarbeiter die Rahmenbedingungen vorfinden, um diesem täglichen Geschäft professionell und fachlich begegnen zu können.“ Im neuen Zentrum werde die gesamte Bandbreite der Psychiatrie abgedeckt, eine breite Aufgabe für die Pflege – „vom Erstkontakt beziehungsweise der Einschätzung über die Krisenintervention bis zur Entlassung – und mit der Übergangspflege noch darüber hinaus“. Er ergänzt, dass durch die neuen Rahmenbedingungen auch die Wahrung der persönlichen Rechte der Patienten noch besser geschützt werden könne.
„Klares Zeichen für psychische Gesundheit“
„Auch psychische Gesundheit ist essenziell. Mit der Eröffnung setzen wir ein klares Zeichen, dass das Thema von großer Bedeutung ist. Für die notwendige Unterstützung braucht es die Menschen, die die Patienten mit ihrer Expertise begleiten, aber auch die Räume. Diese schaffen wir hier“, so LH-Stellvertreterin, Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP). Neun Millionen Euro wurden in das neue Zentrum investiert.
Der neue Geschäftsführer des KUK, Meinhard Lukas, dankt für die Ermöglichung, das dürfe nicht immer als selbstverständlich angesehen werden. „Dieses PVZ ermöglicht etwas, was die Vision einer neuen Spitalsmedizin ist: Patientenpfade nicht rund um Abteilungen zu organisieren, sondern an den individuellen Bedürfnissen der Patienten orientiert. Die räumliche Qualität sei für die Versorgungsqualität ganz wichtig, gerade in so einem sensiblen Bereich.“


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