Fünf Drogenlenker pro Tag aus Verkehr gezogen

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Die Polizei zieht derzeit mehr Drogenlenker aus dem Verkehr als noch in den vergangenen Jahren (Symbolbild). (Foto: Volker Weihbold)
Wurzer Katharina Wurzer Katharina, Tips Redaktion, 09.04.2021 14:32 Uhr

OÖ. Fünf Drogenlenker werden in Oberösterreich durchschnittlich pro Tag aus dem Verkehr gezogen. Oft sei nur wenig Unrechtsbewusstsein vorhanden, berichtet die Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion (LPD) OÖ. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, setzt das Land Oberösterreich verschiedene Maßnahmen wie Vorträge junger Drogen- , und Alkohollenker.

Trotz aller Warnungen, Bewusstseinsbildungsmaßnahmen und Strafen sind auf Oberösterreichs Straßen täglich Drogenlenker unterwegs. Durchschnittlich würden fünf Drogenlenker pro Tag aus dem Verkehr gezogen, berichtet die Landesverkehrsabteilung der LPD OÖ. Die Dunkelziffer ist hoch. „Im Vorjahr wurden auf Oberösterreichs Straßen knapp 1.200 Drogenlenker von der Polizei erwischt. Die Tendenz besitzt steigenden Charakter. Denn alleine in den heurigen Monaten Januar und Februar wurden bereits 278 Drogenlenker vermerkt. Das liegt neben verstärkten Kontrollen und guter technischer Ausrüstung aber auch an einem sich wandelnden Konsumverhalten. Bei vielen Betroffenen ist ein mangelhaftes Unrechtsbewusstsein auffällig“, führt Johann Thumfart, stellvertretender Leiter der Landesverkehrsabteilung, aus.

Seit März 2017 sind in allen österreichischen Landespolizeidirektionen Drogen-Vortestgeräte vom Bund im Einsatz, in Oberösterreich sind es zwölf Messgeräte. Ähnlich wie beim Alkohol-Test bietet die Untersuchung von Speichelproben, die via Mundhöhlenabstrich gemacht werden, eine zuverlässige und rasche Überprüfung über den Konsum illegaler Substanzen wie Kokain, Amphetaminen, Methamphetaminen oder Opiaten. Hinsichtlich Urintests liegt bisher wiederum keine gesetzliche Regelung vor.

Wenig Wissen über Fahrten unter Drogeneinfluss

Im Gegensatz zu Alkohol sind bei illegalen Drogen außerdem keine gesetzlichen Grenzwerte definiert, die eine relative oder absolute Fahruntüchtigkeit markieren. Ein Grund dafür ist, dass beinahe jede Droge eine unterschiedliche Wirkung hat, die zudem bei jedem Konsumenten anders ausfallen kann. Für die Strafbarkeit ist es derzeit ausschlaggebend, ob ein Arzt eine Beeinträchtigung des Lenkers feststellt. „Die Wirkung einzelner Substanzen tritt teilweise erst zeitversetzt ein. Vor allem der Mischkonsum, also der Konsum mehrerer, unterschiedlicher Substanzen miteinander, ist hochgradig gefährlich. Die Risiken und die gegenseitigen Wechselwirkungen sind völlig unkalkulierbar und können das Unfallrisiko vom 10- bis hin zum 200-fachen erhöhen“, warnt Infrastruktur- und Verkehrs-Landesrat Günther Steinkellner (FPÖ). Sowohl Alkohol oder Drogen könnten bereits in geringer Menge das Leistungsvermögen herabsetzen. Das kann in Bezug auf das Konzentrations-, Wahrnehmungs-, Urteils-, und Reaktionsvermögen sein. Obwohl eine Grenze bis zu 0,5 Promille Alkohol gesetzlich toleriert wird, ist das Unfallrisiko bei diesem Wert bereits doppelt so hoch wie in gänzlich nüchternem Zustand. Bei illegalen Drogen ist die Wirkung noch deutlich unberechenbarer als bei Alkohol. Das Wissen über die Verbreitung, das Gefahrenpotential und die Unfallrelevanz von Fahrten unter Drogeneinfluss sei weniger gesellschaftlich verankert als bei Alkohol, hält Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) fest. Das belegt eine Dunkelfeldstudie des KFV. Etwa 177.00 Menschen österreichweit gaben dabei an, dass sie innerhalb eines Jahres ein KFZ gelenkt hätten, obwohl sie noch unter Drogeneinfluss standen.

Drogenlenker werden mehr, Fahrer unter Alkoholeinfluss weniger

Während alkoholisierte Fahrzeuglenker in den vergangenen Jahren leicht zurückgehen, nehmen Drogenlenker zu. Exekutivbeamte berichten, dass darunter vor allem junge Menschen und die „Roadrunnerszene“ sind. Eine aktuelle Entwicklung sei das falsche und riskante Spiel mit sogenannten „Legal Highs“. Die synthetischen Drogen wirken vergleichbar wie illegale Drogen, sind aber nicht immer in strafrechtliche Verfolgungen eingebunden. „Die sogenannten Legal Highs versuchen gezielt die Rauschmittelgesetze zu unterlaufen. Sie sind einfach über das World Wide Web zu ordern. Was drin ist, weiß keiner. Das macht sie aber weder weniger gefährlich noch legal“, betont Peter Aumayr, Leiter der Abteilung Verkehr des Landes Oberösterreich. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit brauche es darüber hinaus höhere Strafgelder für Drogenlenker und eine Anhebung der Führerscheinentzugsdauer, meint Steinkellner: „Seit 2019 liegt der ausgearbeitete Entwurf zur 32. StVO Novelle in den Schubladen des BMI und des BMK. Kernpunkte des Dokuments sind die Anhebung der Führerscheinentzugsdauer für Drogenlenker und Lenkerinnen, höhere Strafgelder sowie eine gesetzliche Regelung hinsichtlich Urintests. Vor allem aber auch Verfahrenserleichterungen durch speziell geschulte Polizeibeamte und Beamtinnen zur effizienten Durchführung ärztlicher Kontrollen stehen im Fokus. Die Umsetzung brächte Entlastungen sowohl für die Ärzteschaft als auch die Polizeibeamten mit sich“.

Maßnahmenprogramm: Von Schulen bis zu Referaten vor Fahranfängern

Um die Risikopotentiale durch Alkohol- und Drogenkonsum zu kommunizieren, setzt das Land Oberösterreich unterschiedliche Maßnahmen. So werden beispielsweise Workshop-Formate an Schulen im Bundesland angeboten, aber auch weitere Bewusstseinsbildungsmaßnahmen verfolgt. Beim Projekt „Close To“ müssen junge Alko- und Drogenlenker Referate vor Fahranfängern halten, wobei Reue und traurige Schicksalsschläge im Zentrum stehen. Die Vorträge zeigen Wirkung. Laut einer Umfrage können sich nach sechs Monaten noch ungefähr 80 Prozent der Teilnehmer an die Schilderungen der Lenker detailliert erinnern. In den Frühlings- und Sommermonaten sollen nun emotionale Spots auf das vermeidbare Leid durch Fahren unter Alkohol-, oder Drogeneinfluss aufmerksam machen.

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