Umfrage: Bewusstsein für Cybermobbing nimmt zu

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Von Mobbing im Internet oder in sozialen Medien sind vor allem junge Frauen betroffen (Symbolbild). (Foto: Song_about_summer/Shutterstock.com)
Wurzer Katharina Wurzer Katharina, Tips Redaktion, 12.04.2021 14:12 Uhr

LINZ/OÖ. Dass Cybermobbing in den vergangenen Jahren deutlich zunahm, meinen 44 Prozent der oberösterreichischen Bevölkerung zwischen 14 und 50 Jahren in einer IMAS-Umfrage. Mit dem Begriff assoziieren sie vor allem Mobbing im Internet oder in sozialen Medien. Am Montag, 12. April, startete das Land Oberösterreich eine Kampagne zur Information und Aufklärung rund um Cybermobbing.

Unter Cybermobbing wird die Nutzung von Kommunikationskanälen wie E-Mail, Facebook oder WhatsApp mit dem vorsätzlichen Ziel, eine oder mehrere Personen zu verletzen verstanden. Das schließt Bedrohungen, Beleidigungen, aber auch das Verbreiten von Gerüchten ein. Um Ansichten der Oberösterreicher zwischen 14 und 50 Jahren zu erheben, führte das Institut für Markt- und Sozialanalysen (IMAS) in Linz 602 Telefoninterviews und Onlinebefragungen zu Cybermobbing durch. Schwerpunkte waren der Informationsstand, die Betroffenheit und unterschiedlichen Formen. „Cybermobbing als Begriff hat sich gedanklich durchgesetzt, 9 von 10 Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern haben diesen Begriff schon einmal gehört oder gelesen. In den Augen der befragten Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher ist die Entwicklung von Cybermobbing eindeutig. Die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher sind sehr stark davon überzeugt, dass Cybermobbing in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Vor allem die Gruppe der jungen Frauen im Alter von 10 bis 15 Jahren gilt als besonders gefährdet“, führt Paul Eiselsberg von IMAS aus.

Ein Fünftel war in den vergangenen zwei Jahren mit Cybermobbing konfrontiert

Ein Fünftel der Umfrageteilnehmer war in den vergangenen zwei Jahren mit Cybermobbing im persönlichen Umfeld konfrontiert. Als besonders betroffen werden vor allem Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren, gefolgt von jungen Frauen zwischen 16 und 25 Jahren sowie Buben zwischen 10 und 15 Jahren eingestuft. Das kann unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass jüngere Personen häufiger Social Media Dienste und Internetportale nutzen als 31 bis 50-Jährige. Insgesamt verwenden neun von zehn befragten Oberösterreichern mindestens täglich Messenger Dienste wie WhatsApp und Signal. E-Mail werden von 79 Prozent zumindest täglich genutzt, in sozialen Netzwerken wie Facebook sind 69 Prozent mindestens einmal am Tag unterwegs.

Festzuhalten ist, dass offenbar nicht jede Beleidigung oder Beschimpfung als Mobbing gewertet wird. Obwohl nur ein Fünftel angab, von Cybermobbing konfrontiert gewesen zu sein, halten mit 27 Prozent mehr Befragte fest, in den vergangenen beiden Jahren über unterschiedliche digitale Kommunikationskanäle beleidigt oder beschimpft worden zu sein. Fast jede vierte Person erlebte Belästigungen und Gerüchte oder bekam unerwünschte sexualisierte Fotos und Videos. Mehr als jede dritte Person wurde in den letzten beiden Jahren von jemandem unter falschen Namen kontaktiert.

„Kriminalisierung bei minderjährigen Tätern nicht sinnvoll“

Während einige Umfrageteilnehmer angaben, unter dem Angriff eher nicht oder gar nicht gelitten zu haben, meint ein weiterer Teil, dass sich Mobbing sehr stark auf ihr seelisches Befinden und ihre Psyche ausgewirkt habe. „Beim Opfer liegt der Fokus darauf, die gefühlte Hilflosigkeit zu beheben und mögliche Folgen einer psychischen Traumatisierung aufzufangen. Speziell bei den meist minderjährigen Tätern ist eine Kriminalisierung nicht sinnvoll. Vielmehr braucht es eine Klärung, welche sozialen oder psychischen Defizite durch das aggressive Verhalten kompensiert wurden. Nur durch gezielte Unterstützung beider Gruppen kann längerfristig eine Wiederholung – egal ob als Täter oder Opfer – verhindert werden“, schildert Kurosch Yazdi, Leiter des Klinikzentrum Psychiatrie am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Um Betroffene zu unterstützen und Cybermobbing vorzubeugen, müssten mehrere Ansätze gleichzeitig verfolgt werden. Das können etwa die Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen oder Zivilcourage sein, indem Postings mit beleidigenden Inhalten gemeldet werden.

Land OÖ startet Kampagne

„Wir müssen jeden einzelnen Fall ernst nehmen. Jeder Angriff im Netz ist einer zu viel. Da sich eine Vielzahl der Attacken gegen Mädchen und Frauen richten, setzt das Frauenland Oberösterreich die Kampagne “Cybermobbing sperrt aus/ Cybermobbing verletzt/ Cybermobbing kann töten - #Stopp Hass im Netz„ zur Bewusstseinsbildung und zur besseren Information fort. Wir wollen Betroffene ermutigen, sich Hilfe und Unterstützung bei verschiedenen Beratungsstellen oder bei der Polizei zu holen“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin und Frauenlandesrätin Christine Haberlander (ÖVP). Im Detail werden in sozialen Medien und auf Plakaten Aspekte wie psychische Folgen von Cybermobbing, die von gestörtem Selbstbewusstsein über Angst bis zu sozialer Isolation und gar Suizid reichen können, aufgegriffen. Anlaufstellen bei Cybermobbing sind unter anderem die Online Frauenberatung Oberösterreich, das Jugendservice, die Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich, Saferinternet, der Internet Ombudsmann, Rat auf Draht, Zara, aber auch die Schulpsychologie und die Krisenhilfe Oberösterreich.

Seit 1. Jänner 2016 gibt es ein eigenes Cybermobbing-Gesetz in Österreich. Wenn jemand einen anderen etwa über WhatsApp, SMS, Mails oder Anrufe über einen längeren Zeitraum belästigt, kann dies nach einer Anzeige zu einer Freiheitsstrafe bis zu maximal einem Jahr oder einer Geldstrafe führen. Eine einmalige Handlung wie das Veröffentlichen eines Nacktfotos oder eines unangenehmen Fotos ohne Zustimmung der Person, etwa in einer WhatsApp-Gruppe, kann ebenfalls strafbar sein. Ist man durch Cybermobbing dafür verantwortlich, dass sich jemand in seinem Leben unwohl fühlt oder gar versucht, Suizid zu begehen, ist eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren möglich.

Anlaufstellen

www.saferinternet.at

Unterstützt vor allem Kinder, Jugendliche, Eltern und LehrerInnen bei der sicheren Internetnutzung und liefert hilfreiche Tipps zum Thema Cybermobbing.

www.ombudsmann.at

Der Internet Ombudsmann hilft bei der Entfernung von unerwünschten Fotos im Internet oder falschen Accounts.

www.rataufdraht.at

Notruf für Kinder und Jugendliche – rund um die Uhr, anonym und kostenlos. Per Telefon (einfach 147 wählen); Online-Beratung oder Chat.

www.zara.or.at

In der Beratungsstelle erhalten alle Betroffenen und Zeugen von Rassismus und Hass und Hetze im Netz Unterstützung

www.schulpsychologie.at

Unterstützung und Beratung bei Konflikten in der Schule.

www.krisenhilfeooe.at

Rat und Hilfe bei psychischen Krisen rund um die Uhr (0732/2177)

www.gewaltpraevention-ooe.at

Plattform Gewaltprävention ist der Zusammenschluss der fünf wesentlichen Anbieter des Landes Oberösterreich für Mobbing- und Gewaltprävention an Schulen. Beratung, Workshops, Fortbildung, Infomaterial, Vorträge, Präventionsprojekte für Schüler, Eltern und Lehrkräfte

www.frauenberatung-ooe.at

An die Online Frauenberatung Oberösterreich können sich Mädchen und Frauen (auch Freunde, Bekannte und Verwandte, die jemanden helfen wollen) aus Oberösterreich wenden. Sie bekommen dort Beratung und Unterstützung zu allen Themen der Gewaltbetroffenheit sowie auch zu anderen frauenspezifischen Anliegen in verschiedenen Lebenssituationen.

www.jugendservice.at

Jugendliche die Beratung und Hilfe auch zum Thema Cybermobbing brauchen, können sich an die Ansprechpartner der JugendService-Zentren des Landes OÖ wenden.

www.kija-ooe.at

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Oberösterreich bietet spezielle Beratungs- und Informationsangebote zu Cybermobbing an.

 

 

 

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