Den Tod erklären: „Kinder trauern anders“

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Redaktion Linz Tips Redaktion Redaktion Linz, 22.09.2022 16:49 Uhr

OÖ/LINZ. Der internationale Tag der Sternenkinder am 15. Oktober gedenkt allen Kindern, die zu früh von dieser Welt gegangen sind. Mit jedem Tod eines Kindes sind auch angehörige Kinder betroffen und haben Fragen, die schwer zu beantworten sind, brauchen ein offenes Ohr und eine leitende Hand. Dabei sollte der Tod nicht zum Tabuthema werden. Das WIFI bietet dazu den Informationsabend „Kinder trauern anders“ an.

Im vergangenen Jahr haben 47 Elternpaare in OÖ ein Kind im Alter von bis zu vier Jahren verloren, darüber hinaus werden 300 Sternenkinder in Österreich jährlich tot geboren. Auch Kinder selbst kommen als Kontaktpersonen oft früh mit dem Tod in Kontakt: Neben den Eltern sind mit jedem Kindstod auch Geschwisterkinder, befreunde Kinder oder Kindergarten- und Schulkollegen damit konfrontiert, sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen zu müssen. Erwachsene Bezugspersonen wie Eltern und Lehrkräfte sind dabei gefordert, den Bedürfnissen der trauernden Kinder nachzukommen – und nebenbei die eigene Trauer zu verarbeiten. Bestatter sowie Trauerbegleiter können in dieser Zeit zu einer Stütze für betroffene Familien werden.

„Worte finden, wo es keine richtigen gibt“

Kinder und Erwachsene trauern auf unterschiedliche Weise. „Diese Unterschiede gilt es wahrzunehmen und Rituale zu finden, die jede und jeden Einzelnen berühren. Trauer lässt sich aber nie planen bzw. hält sich nicht an einen festen Zeitplan, daher ist Verständnis, Zeit nehmen und Zuhören wohl das größte Geschenk, dass man trauernden Eltern oder Kindern machen kann.“, so Bestatterin Ulrike Wolfsgruber. Den Bestattern kommt dabei die tragende Rolle zu, Trauerrituale zu finden, die alle Trauernden ansprechen und eine kindgerechte Trauerfeier zu ermöglichen.

Bestatter wäre ein Beruf mit Berufung, so Martin Dobretsberger, Landesinnungsmeister der Bestatter OÖ. Vor allem im Umgang mit trauernden Kindern sei es wichtig, nicht stumm zu bleiben und die Kinder nicht im Ungewissen zu lassen, wenn viele Fragen gestellt und Erklärungen gefragt sind. Man müsse „Worte finden, wo es keine richtigen gibt“. Die Bestatter appellieren dabei an die Betroffenen, auf sie zuzugehen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Professionelle Trauerbegleitung kann Sicherheit in unbeständigen Zeiten bieten.

Nichts müssen, alles dürfen

Bei der Teilnahme von Kindern am Trauerprozess sei das oberstes Prinzip die Freiwilligkeit, so Dobretsberger. Man könne darauf vertrauen, dass Kinder ihre Bedürfnisse unvoreingenommen kommunizieren und sagen, wenn sie etwas nicht wollen.  Es wäre jedoch wichtig für ihr Verständnis von Leben und Tod, Aufbahrung oder Begräbnis mitzuerleben um zu verstehen, was mit dem Toten passiert und wieso man die Grabstätte besucht, um zu trauern, erklärt Wolfsgruber.  Es kann auch hilfreich sein, wenn die Kinder am Begräbnis von einer Bezugsperson begleitet werden, die selbst nicht direkt im Trauerprozess ist, damit sie notfalls das Begräbnis verlassen können.

Kein Tabu

Eltern sollten ihre Kinder nicht vor allen negativen Eindrücken wie intensiven Trauerphasen schützen, sondern sie durch diese begleiten. Auch der Versuch, die eigene Trauer zu verstecken, kann nach hinten losgehen und die Kinder verwirren. „Es ist von den Eltern nicht gefordert, die richtige Antwort zu haben“ – es gibt nur die eine falsche Antwort: Tabuisierung.

Trauer endet nicht mit dem Begräbnis

Kinder sind neugierig und wollen wissen, was passiert. Oft ist ihnen die Endgültigkeit des Todes nicht bewusst und sie können einfacher damit umgehen als Erwachsene. Meist können sie erst ab der Pubertät eigene Trauer empfinden, oft ist das Traurigsein der Kinder eine verzweifelte Reaktion auf die Trauer der Eltern, so Dobretsberger. Klar zu kommunizieren, dass und wieso man als Erwachsener traurig ist, aber auch irgendwann wieder glücklich sein wird, hilft den Kindern.

Die Devise lautet, gemeinsam Wege zu finden, die Erinnerungen an den Verstorbenen in den Alltag zu integrieren und den Tod in der Kindheit nicht zum Tabu werden zu lassen.

Informationsabend „Kinder trauern anders“

Der Frage, wie wir unsere Kleinsten behutsam durch die Trauerphasen begleiten können, stellt sich die Veranstaltung „Kinder trauern anders“. Martin Dobretsberger richtet sich mit drei Experten besonders an betroffene Eltern oder Pädagogen sowie an alle anderen Interessierten und klärt über alle Phasen der Trauer auf.

Claudia Ritter berichtet in ihrem Vortrag über ihre Arbeit als Sterbebegleitung schwerkranker Kinder am Kinderhospiz Sternthalerhof. Michael-Markus Lippka-Zotti, ebenfalls vom Sterntalerhof, spricht über Begräbnisrituale. Sigrid Eysn, Leiterin von Rainbows-OÖ widmet sich der Trauerbegleitung nach dem Begräbnis.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, 27. September im Panoramasaal im WIFI Linz statt.

 

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