Erstmals in Oberösterreich: Junge Mutter kann durch unsichtbare Technologie nun ihr Baby hören
OÖ/LINZ. Am Kepler Universitätsklinikum (KUK) in Linz ist erstmals in Oberösterreich ein vollständig implantierbares Cochlea-Implantat eingesetzt worden. Durch die neue, von außen unsichtbare Technologie, kann eine junge Mutter mit schwerer Hörbeeinträchtigung ihr Baby nun auch in der Nacht uneingeschränkt wahrnehmen.

Anders als bei herkömmlichen Cochlea-Implantaten liegen bei der Neuerung alle Bestandteile einschließlich des Mikrofons unter der Haut. Das System ist damit von außen unsichtbar und ermöglicht Hören rund um die Uhr, auch beim Schlafen, beim Sport, im Wasser und während des Ladevorgangs.
Zu den ersten Patientinnen am KUK gehört eine junge Mutter aus Oberösterreich. Sie erhielt auf beiden Seiten ein Implantat. Zuvor konnte sie wegen ihrer schweren Hörbeeinträchtigung unter anderem das Weinen ihres Babys nicht hören. „Ich hatte Angst, dass ich mit einem normalen Cochlea-Implantat meine beiden Kinder in der Nacht vielleicht nicht hören könnte. Jetzt mache ich mir keine Sorgen mehr und kann als Mutter für meine Kinder ganz anders da sein“, ist die junge Oberösterreicherin überglücklich.
Eine zweite Patientin soll das Implantat in den nächsten Tagen erhalten. Die sportliche Schwimmerin kann es dann durchgehend tragen, ohne den Verlust oder Beschädigung durch Wassereintritt zu befürchten.
Am KUK wurde erstmalig in Oberösterreich ein solches Implantat, es ist auch eines der Kliniken im deutschsprachigen Raum.
„Entscheidender Innovationsschritt“
Das implantierte Mikrofon nimmt den Schall durch die Haut auf. Das System wandelt die Signale in elektrische Impulse um und leitet sie an die Elektrode in der Cochlea weiter. Dort wird der Hörnerv stimuliert, sodass das Gehirn die Signale als Klang wahrnehmen kann.
„Die Technik eignet sich für Menschen mit schwerer bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit, die auch für ein klassisches Cochlea-Implantat infrage kommen“, erläutert Primar Paul Martin Zwittag, Vorstand der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am KUK. „Die implantierbare Mikrofontechnologie ist der entscheidende Innovationsschritt. Die Schallaufnahme durch die Haut galt lange als größte Herausforderung bei der Entwicklung vollständig implantierbarer Cochlea-Implantate.“
Mehr Freiheit und damit Lebensqualität im Alltag
„Wenn eine Mutter ihr eigenes Baby nicht lachen oder weinen hören kann, dann macht das betroffen. Und wenn die Spitzenmedizin im eigenen Bundesland ihr die Chance gibt, künftig die Stimme ihres Kindes wahrzunehmen, dann zeigt das, was medizinischer Fortschritt wirklich bedeutet. Hinter jeder Behandlung stehen Menschen, ihre Geschichten und ihre ganz persönlichen Hoffnungen. Genau dafür investieren wir in eine starke Gesundheitsversorgung in Oberösterreich: Damit Spitzenmedizin genau dort ankommt, wo sie am meisten bewirkt“, freut sich Landeshauptmann-Stellvertreterin und Gesundheits-Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP).
„Betroffene berichten, dass sie sich unabhängiger fühlen und selbstbewusster am Leben teilnehmen können. Entscheidend ist aber auch die Möglichkeit, ohne Unterbrechung zu hören und im Alltag nicht ständig an das Implantat denken zu müssen“, ergänzt Meinhard Lukas, Geschäftsführer des Kepler Universitätsklinikums.
Hoffnung auf Einsatz bei Kindern
Derzeit ist die Technologie für Erwachsene zugelassen. Eine Erweiterung der Zulassung für Kinder werde im kommenden Jahr erwartet. „Das könnte ein wesentlicher Vorteil für die Sprachentwicklung sein“, so Primar Zwittag.








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