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„Kirchturmdenken funktioniert nicht“: Metropolregion Linz-Wels will enger zusammenarbeiten

Tips LogoKarin Seyringer, 04.11.2026 19:14

LINZ/WELS. Die Städte Linz und Wels wollen bei der Entwicklung ihres Wirtschaftsraums enger zusammenarbeiten. Gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) OÖ haben der Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) und sein Welser Kollege Andreas Rabl (FPÖ) am Mittwoch ein 13-Punkte-Programm für die Metropolregion Linz-Wels vorgestellt.

IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch, Robert Bauer (Institut für Organisation, JKU Linz), Bürgermeister Dietmar Prammer, Bürgermeister Andreas Rabl, IV OÖ-Präsident Thomas Bründl und Wirtschafts-Stadtrat Thomas Gegenhuber (von links) (Foto: IV OÖ/Roland Pelzl)

Grundlage für die künftige Allianz der Metropolregion ist die Studie „Zukunftsprofil für das Wirtschafts- und Innovationsökosystem Linz-Wels“ von Robert Bauer und seinem Team an der JKU Linz.

Ins Haus der Industrie der IV OÖ wurde geladen, um die Studie und die daraus entwickelten 13 Maßnahmen zu präsentieren. Auch eine Diskussionsrunde mit IV OÖ-Präsident Thomas Bründl, IV OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch, den Bürgermeistern Prammer und Rabl sowie dem Linzer Wirtschafts-Stadtrat Thomas Gegenhuber (SPÖ) zum Thema fand statt.

Die Beteiligten wollen die Region künftig stärker als zusammenhängenden Wirtschafts- und Industrieraum positionieren. „Diese Zusammenarbeit ist ein Novum: Zwei Statutarstädte arbeiten über Stadtgrenzen hinweg an einer gemeinsamen Vision für den Wirtschaftsraum Linz-Wels“, so der Linzer Bürgermeister Prammer.

Sein Welser Amtskollege Rabl ist überzeugt: „Mit dem Kirchturmdenken von gestern werden wir die Herausforderungen von morgen nicht lösen. Ein gemeinsames Mindset ist wichtig, Kirchturmdenken funktioniert nicht, Zusammenarbeit auf Augenhöhe unabhängig von der Partei und Reformeifer ist nötig – wir müssen ist Tun kommen.“

Bründl: Investitionen kennen keine Gemeindegrenzen

„Wer heute als Industrieunternehmen investiert, hat die ganze Welt als möglichen Standort zur Auswahl. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob sich ein Unternehmen für Linz oder Wels entscheidet, sondern ob die Investition überhaupt in Österreich stattfindet“, betonte  IV-OÖ-Präsident Bründl. „Ich bin froh, dass wir über das Schrebergarten-Denken hinauskommen.“

Besonders positiv bewertet er die Bereitschaft zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit. „Sie zeigt, dass wirtschaftliche Vernunft und gemeinsame Interessen stärker sein können als parteipolitisches Denken. Ein Unternehmen denkt nicht in Gemeindegrenzen, sondern in Lieferketten, Absatzmärkten, Arbeitskräftepotenzialen, Infrastruktur und Investitionsmöglichkeiten. Genau so muss auch moderne Standortpolitik funktionieren.“

Metropolregion Linz-Wels ist „Herz“ des Industrielandes

Zur Metropolregion zählen neben Linz und Wels unter anderem Leonding, Traun, Marchtrenk, Ansfelden, Pasching, Gunskirchen und Hörsching. Insgesamt leben rund 600.000 Menschen in der Region.

Wie IV OÖ-Geschäftsführer Haindl-Grutsch ausführte, sei die NUTS-3-Region Linz-Wels der „industrielle Motor“ der Republik.

Obwohl Wien rund 3,3-mal so viele Einwohner zählt wie der Zentralraum Linz-Wels, beschäftige ihr produzierender Sektor lediglich um ein Viertel mehr Menschen und erwirtschafte nur rund ein Drittel mehr Bruttowertschöpfung als jener der Region Linz-Wels. Auch beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liege Linz-Wels vor Wien. „Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll: im oberösterreichischen Zentralraum wird ein wesentlicher Teil jenes Wohlstands erarbeitet, von dem die gesamte Republik profitiert.“

Die Metropolregion Linz-Wels sei das „Herz des Industrielandes Österreich“, genau zwischen München, Wien und Prag, so auch Studienautor Bauer.

Herausforderungen und Chancen

Damit das so bleibe, müssten die Chancen der Region genutzt werden.

Laut Studienautor Robert Bauer sind die zentralen Herausforderungen in der Region unter anderem eine schleichende Deindustrialisierung – dem „großen Wachstum, aber anderswo“, die Abhängigkeit von der deutschen Automobilindustrie und ein noch unterentwickeltes Startup-Ökosystem.

Alles, was in punkto Startups bislang in Oberösterreich geschehe, sei gut, aber viel zu wenig, so Bauer. Es brauche eine Milliarde Euro über zehn Jahre von Seed- bis Scaleup-Finanzierung und unter anderem die Gründung einer Investmentgesellschaft.

Gleichzeitig definiert die Studie als auch konkrete Zukunftschancen insbesondere die Bereiche „Industrial Intelligence“ und „Clean Technologies“.

Es müsse das Konzept der „doppelten industriellen Erneuerung“ verfolgt werden: Bestehende Produkte und Prozesses stärken und weiterentwickeln sowie ein Aufbruch in radikal neue, zukunftsträchtige Geschäftsfelder seien nötig. Möglich sei dies durch ein wirksames Startup-System und durch exploratives Innovationsmanagement.

Gemeinsames 13-Punkte-Programm

Die anhand der Studie entwickelten 13 Punkte für die Metropolregion Linz-Wels betreffen unter anderem

  • Die stärkere Zusammenarbeit und der Austausch in der Verwaltung, um zum Beispiel Genehmigungsprozesse zu beschleunigen. Bauer schlägt hier eine gemeinsame Agentur als One-Stop-Shop vor.
  • Der Aufbau einer gemeinsamen Flächenentwicklungsagentur für die Entwicklung und Vermarktung der Flächen und des Standortes sowie die professionelle Entwicklung dieser Flächen.
  • Der Aufbau bzw. die Bündelung eines Ausbildungsschwerpunkts “AI Engineering/Industrial Intelligence” beziehungsweise „Aerospace Engineering“ gemeinsam mit der JKU, der FH Oberösterreich, den HTLs und der Industrie. Zentral ist dabei auch eine Weiterentwicklung im Sinne einer “Mechatronik 2.0”.
  • Die Priorisierung des Ausbaus des öffentlichen Verkehrs zwischen Linz, Wels und den umliegenden Gemeinden, inkl. höheren Frequenzen und attraktiven Fahrzeiten für Pendler, zudem den Ausbau des überregionalen öffentlichen Verkehrs (z.B. Anbindung nach München).
  • Die Frühzeitige Förderung von MINT-Kompetenzen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sowie Unternehmergeist in Lehre, Schulen und Hochschulen sowie die Zusammenarbeit mit Initiativen wie der Techniktalente (Digitale Meile).
  • Der Aufbau von gemeinsamen Veranstaltungsformaten, wie bspw. ein Linz-Wels Innovationsgipfel.
  • Das gemeinsame internationale Auftreten etwa auf Wirtschafts- und Technologiekonferenzen sowie Leitmessen in Kooperation mit Business Upper Austria.
  • Die Gründung einer politischen Steuerungsgruppe aller Bürgermeister und Bürgermeisterinnen in der Metropolregion bzw. der zuständigen Stadtsenatsmitglieder und Einbindung des Landes OÖ.

Das Zielbild des Programms sei, Linz-Wels zu einer der produktivsten und innovativsten Industrieregionen Europas zu machen. Es handle sich um langfristiges Programm, über Wahlperioden hinaus, manches werde schneller umgesetzt werden können, manches werde länger dauern, so Stadtrat Thomas Gegenhuber. „Wir haben jetzt den Startpunkt gesetzt.“

Mehr Infos und das 13-Punkte-Programm sind unter https://wirtschaft.linz.at/ zu finden.


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