Neues 5G/6G-Testbed für die Industrie in Linz eröffnet
OÖ/LINZ. Silicon Austria Labs hat am Mittwoch ein 5G/6G-Testbed in der LIT Factory am Campus der JKU Linz vorgestellt. Unternehmen und Forschungseinrichtungen können dort Zukunftstechnologien unter realen Industriebedingungen entwickeln und erproben.

Damit Maschinen, Sensoren, Roboter und KI-Systeme ihr volles Potenzial entfalten können, müssen enorme Datenmengen in Echtzeit sicher, zuverlässig und nahezu verzögerungsfrei übertragen werden. Moderne Mobilfunktechnologien wie 5G und künftig 6G bilden daher das technologische Rückgrat der intelligenten Fabrik von morgen.
Das neue Testbed verbindet Spitzenforschung mit industrieller Anwendung und schafft ideale Voraussetzungen, um Forschungsergebnisse rasch in marktfähige Produkte, neue Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze zu überführen.
Die Infrastruktur basiert auf einem privaten 5G-Campusnetz. Auf rund 1.600 Quadratmetern stehen unter anderem Industrieroboter, autonome mobile Robotersysteme, hochauflösende Kameras sowie Mess- und Analysegeräte zur Verfügung. Damit können Betriebe beispielsweise prüfen, wie zuverlässig eine Funkverbindung arbeitet und wie schnell sie auf Steuerungsbefehle reagiert.
Roboter und Transportsysteme im Test
Zu den möglichen Anwendungen zählen die drahtlose Steuerung von Robotern und fahrerlosen Transportfahrzeugen, vernetzte Sensoren und künstliche Intelligenz in Produktionsabläufen. Auch digitale Zwillinge – virtuelle Abbilder realer Anlagen oder Prozesse – können auf der Plattform erprobt werden.
Das bestehende Netz arbeitet mit 5G-Technologie. Zugleich sollen dort Grundlagen für die nächste Mobilfunkgeneration 6G untersucht werden. Dazu gehören laut Silicon Austria Labs unter anderem neue Funkchips, Sicherheitskonzepte und eine Netzwerksteuerung mithilfe künstlicher Intelligenz.
In der LIT Factory befindet sich auch Österreichs einziges industrielles Testfeld, in dem Millimeterwellen-Technologien oberhalb von 24 Gigahertz unter realen Produktionsbedingungen eingesetzt werden. Diese Frequenzbereiche gelten als Schlüsseltechnologie für künftige 6G-Netze.
Zugang auch für kleinere Betriebe
Das Testfeld soll Unternehmen jeder Größe offenstehen. Insbesondere kleine und mittlere Betriebe sollen neue Anwendungen erproben können, bevor sie selbst größere Investitionen tätigen. Zahlreiche Förder- und Co-Finanzierungsinstrumente unterstützen diesen Prozess, darunter eine SAL-Co-Finanzierung von bis zu 50 Prozent sowie Fördermöglichkeiten über das European Digital Innovation Hubs Network und das Austrian Chips Competence Center (ATC3).
„Das Testbed ist kein Schaulabor. Betriebe testen hier unter echten Produktionsbedingungen, bevor sie investieren. Als kaufmännische Geschäftsführerin ist mir wichtig, dass jeder Euro, der hier investiert wird, in der Wirtschaft ankommt“, so Isabel Tausendschön, kaufmännische Geschäftsführerin von Silicon Austria Labs.
Silicon Austria Labs verbindet die Standorte Graz, Villach und Linz mit mehr als 115 Partnern aus Industrie und Forschung.
Gemeinsam mit der Industrie gewachsen
Die Anfangsinvestition in das Testbed betrug rund 300.000 Euro. Seidem wurde es kontinuierlich weiterentwickelt. Forschungsprojekte und Kooperationen mit Partnern wie LIWEST, Linz AG, Nokia, OMRON, Infineon, Magna und Agilox haben zusätzliche Technologien, Anwendungsfelder und Expertise eingebracht.
Am Linzer Standort sind derzeit 65 Mitarbeiter tätig. Bis 2028 soll die Zahl auf bis zu 100 steigen.
Bund kündigt höhere Investitionen an
Innovationsminister Peter Hanke (SPÖ) kündigte bei der Präsentation am Mittwoch in Linz an, die Investitionen in Silicon Austria Labs von 2027 bis 2029 um 25 Prozent zu erhöhen. „Denn die SAL wird ganz wesentlich dazu beitragen, die Schlüsseltechnologie-Offensive der Industriestrategie umzusetzen“, so Hanke. Und weiter: „Mit dem 5G/6G-Testbed bekommen unsere Unternehmen Zugang zu Technologien, bevor diese am Markt sind. Unser Ziel ist klar: Österreich soll Schlüsseltechnologien selbst entwickeln und nicht nur zukaufen. So sichern wir Wertschöpfung und Hightech-Arbeitsplätze im eigenen Land.“
„Mit dem neuen 5G/6G-Testbed setzen wir den nächsten Schritt unserer KI-Exzellenzstrategie. Wir wollen neue Technologien nicht nur erforschen, sondern in unseren Betrieben zum Einsatz bringen. Damit aus Forschung wirtschaftlicher Erfolg wird und Oberösterreich auch in Zukunft ein starker Industrie- und Arbeitsstandort bleibt“, so auch Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP).
„Das Testbed von Silicon Austria Labs schlägt die Brücke zwischen Spitzenforschung und industrieller Anwendung und wird damit zu einem wichtigen Innovationstreiber für den Wirtschafts- und Technologiestandort Oberösterreich“, ist auch Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) überzeugt.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden