Politik muss Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen
OÖ. Immer mehr Unternehmen haben betriebliche Krabbelstuben oder Betriebstageseltern. Die entsprechenden Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse aber genauso die Politik schaffen, hält Landeshauptmann-Stellvertreter und Familienlandesrat Manfred Haimbuchner fest.

Für Unternehmen sei es wichtiger denn je auf Familienfreundlichkeit zu setzen, meint Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) in einer Pressekonferenz am 27. Oktober. Abseits der Corona-Pandemie lässt sich das auf den demografischen Wandel, den damit verbundenen Fachkräftemangel, aber auch den Wunsch von Eltern nach familienfreundlichen Rahmenbedingungen im Betrieb zurückführen.
„Wenn es die Situation erfordert, dann sind es dennoch zu einem überwiegenden Teil die Frauen, die für die Familie einspringen und den eigenen Beruf zurückstellen. Hier muss die Politik ansetzen, um Eltern in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen. Sie benötigen Stabilität und entsprechende Rahmenbedingungen, in denen sie durch Eigenverantwortung und Wahlfreiheit unabhängiger in ihrer Entscheidung werden“, sagt Haimbuchner.
Für Eltern ist Planbarkeit im Beruf wichtig
Eltern möchten im Beruf vor allem Planbarkeit, Verständnis und Fairness vom Arbeitgeber, ergänzt Wolfgang Mazal vom Österreichischen Institut für Familienforschung. Darüber hinaus seien Eltern eine entsprechende Unternehmenskultur, Informationen und Regelungen zu Karenz, Teilzeit, Telearbeit, Kinderbetreuung und Pflege wichtig.
Das österreichische Institut für Familienforschung hat eine Studie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf durchgeführt. Das zentrale Ergebnis: Die Vereinbarkeit hängt von vielen Aspekten wie dem Arbeitgeber, der Gestaltung der Partnerschaft, dem sozialen Umfeld der Eltern, aber auch von politischen Maßnahmen ab. Dazu zählen etwa Freistellungen für die Kinderbetreuung. Nicht alles sei jedoch steuerbar. Die Corona-Pandemie im Speziellen ist durch Telearbeit, Homeschooling, aber auch Covid-19-Fälle in Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen eine besondere Herausforderung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie habe einerseits zu Gewalt, Überforderung und Depression beigetragen, andererseits aber auch Hilfsbereitschaft, Solidarität und Gemeinsamkeit mit sich gebracht.
Verschiedene Themen wie die Covid-19-Situation, Werte und geschlechtsspezifische Fragestellungen werden in Diskussionen derzeit miteinander vermischt, kritisiert Mazal. Der Begriff Retraditionalisierung solle als Label für Rückschritt etwa hinterfragt werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden