Katholische Kirche OÖ plant Strukturreform
OÖ. Vor einem Jahr, am 25. Jänner 2020, wurde im Bildungshaus Schloss Puchberg das 4. Diözesanforum durchgeführt. Dabei empfahlen 94,5 Prozent der Delegierten ein neues Strukturmodell. Am 1. Februar 2021 stimmte Bischof Manfred Scheuer der Reform zu. Er, Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl und Generaldechant Slawomir Dadas präsentierten die inhaltliche Ausrichtung.

Vor einem Jahr trat das Diözesanforum an Bischof Manfred Scheuer heran. Ihre Bitte: Er soll den Auftrag erteilen, neue Strukturen umzusetzen. „Wie überall ist uns die Corona-Pandemie dazwischengekommen. Einige Beratungen mussten verschoben werden und die Entscheidung konnte dadurch auch nicht zu dem erhofften Termin getroffen werden. Umso größer ist meine Freude, dass Bischof Manfred heute seine Entscheidung für die Umsetzung des Modells bekannt gemacht hat. Denn bei der Entwicklung des Modells ist es uns immer um die Menschen gegangen, die Gott und die Gemeinschaft der Kirche erfahren wollen. Ich möchte aber vorwegnehmen, dass die detaillierten Informationen im Handbuch zu finden sind, das noch immer als pastoraler Text, der soziologisch argumentiert und theologisch begründet ist, nichts an seiner Aktualität verloren hat“, sagt Slawomir Dadas, Generaldechant und Leiter der Arbeitsgruppe „Zeitgemäße Strukturen“.
Übergeordnete Pfarren
Im Detail sollen die derzeitigen Pfarren auch zukünftig als selbstständige Einheiten und Orte weiter bestehen. Änderungen werden bei der übergeordneten Verwaltungseinheit vorgenommen. Ausgehend von den bisherigen 39 übergeordneten Dekanaten werden etwa 40 Pfarren gebildet, von denen jede aus durchschnittlich 14 Pfarrgemeinden bestehen soll. Ein Pfarrvorstand, bestehend aus dem Pfarrer und zwei weiteren Vorständen für pastorale und wirtschaftliche Angelegenheiten, wird die etwa 40 Pfarren in Oberösterreich leiten. Zum Vergleich: In Oberösterreich gibt es derzeit noch 486 Pfarren. In einem ersten Schritt sollen fünf Pfarren umgestellt werden, aktuell wird von einem Beginn im Herbst 2021 ausgegangen.
Begleitung bei Umsetzung
„Wir sind gerade dabei, eine Stabsstelle für dieses sehr große Pfarrstruktur-Umsetzungsprojekt einzurichten. Diese wird dann auch die ersten Pionierpfarren – die hoffentlich im Herbst bereits mit der Vorbereitungsphase beginnen könnten – betreuen. Grundsätzlich ist gedacht, dass künftige Pfarrangehörige in einem Vorbereitungsjahr den gesamten pastoralen Raum ihrer Pfarre gut wahrnehmen und daraus konkrete pastorale Ziele in einem Pastoralkonzept festlegen. Dazu sollen bereits wesentliche Verantwortliche – Pfarrer, Pastoralvorstand, Verwaltungsvorstand – gefunden werden sowie Mitglieder für den Pfarrlichen Pastoralrat und für die Seelsorgeteams in den Pfarrteilgemeinden gesucht werden. Begleitet wird eine Pionierpfarre von einem Team aus Gemeindeberatern und inhaltlichen Experten für bestimmte kirchliche Wirkungsbereiche. Im Verlauf des zweiten Jahres könnte dann die neue Pfarre rechtlich gegründet werden“, führt Pastoralamtsdirektorin Eder-Cakl aus. Der gesamte Umstellungsprozess werde laut Diözese Linz vier bis sechs Jahre dauern.
Scheuer: „Heilsame Bewegung“
„Ich bin davon überzeugt, dass dieser Reformprozess Bewegung bringen wird, heilsame Bewegung – denn Bewegung führt zu Begegnung: Begegnung mit Gott, denn Kirche ist nicht Selbstzweck, sondern Zeichen und Werkzeug der innigen Gemeinschaft mit Gott. Jede Veränderung ist mit Ängsten und Fragen verbunden. Es wird aber nichts übergestülpt (...). Nicht alles wird von heute auf morgen anders werden. Nicht alles wird von heute auf morgen besser werden. Aber es sind Schritte in die richtige Richtung. Davon bin ich überzeugt (...). Es gibt einen Engpass bei Priester- oder auch Ordensberufungen, dem wir uns nicht verschließen (...). Kirchliche Strukturen sollen gute Rahmenbedingungen schaffen“, sagt Bischof Manfred Scheuer. Eine Organisation müsse finanzielle und personelle Ressourcen immer im Blick haben, ist auf der Webseite der Diözese Linz zu lesen. Hier werden häufige Fragen zur Struktur beantwortet und Statements von Kirchenvertretern wiedergegeben.


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