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OÖ/WIEN. Seit Beginn der Corona-Pandemie bewerben sich weniger Personen um eine Lehrstelle. Woran das liegt, untersuchte eine market-Studie im Auftrag von zukunft.lehre.österreich. Befragt wurden Betriebe, aber auch Schüler, Eltern und Lehrkräfte an Mittelschulen sowie Polytechnischen Schulen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie bewerben sich weniger Personen um eine Lehrstelle. Zu den Hintergründen führte das market Institut eine Studie im Auftrag von zukunft.lehre.österreich durch (Symbolbild). (Foto: industryviews/Shutterstock.com)

In Österreichs Betrieben würden derzeit mehr als 18.000 Lehrstellen frei sein, berichtet Werner Steinecker, Präsident des Vereins zukunft.lehre.österreich (z.l.ö.). Dennoch herrsche bei Schülern, Eltern und Lehrkräften die Annahme, dass es zurzeit keine guten Chancen gäbe, sich erfolgreich für eine Lehrstelle zu bewerben. Das ist eines der Ergebnisse der market-Studie „Lehre in Österreich in Zeiten der Pandemie“, die bis Februar 2021 durchgeführt wurde. Befragt wurden 300 Lehrbetriebe, 298 Schüler der 9. bis 11. Schulstufe, 300 Eltern und 100 Lehrkräfte.

Weniger Kontakt zu Schulen als Herausforderung

Vier von zehn Betrieben berichten, dass sich bei ihnen derzeit weniger Personen um eine Lehre bewerben als im Vorjahr. Ein Drittel hält zudem fest, dass die Bewerber weniger gut geeignet seien als 2020. Als eine Herausforderung, um ausreichend und geeignete Lehrlinge zu finden, nehmen die befragten Unternehmen den Rückgang des Kontakts zu Schulen wahr: „Durch die Schulschließungen ist auch der Kontakt zu den Schülern verlorengegangen. Nachweislich sind aber Schnuppertage der beste Weg, sich als Unternehmen potentiellen Lehrlingen vorzustellen. Seitens Politik müssen wieder Wege geschaffen werden, jungen Leuten die Möglichkeit zum Schnuppern bieten zu können, um so in ihnen das Interesse an der dualen Ausbildungsmöglichkeit zu wecken. Die duale Ausbildung ist ein wichtiger Bestandteil zur Erhaltung der hohen Industriequote“, sagt Stefan Pierer, CEO bei KTM und z.l.ö.-Vizepräsident. 47 Prozent der befragten Betriebe stimmen der Aussage zu, dass sie noch nicht ausreichend Möglichkeiten hatten, ihre Firma virtuell zu präsentieren.

Zu geringer Stellenwert von Berufsorientierung

Lehrkräfte geben wiederum mehrheitlich (61 Prozent) an, dass die Zeit für Berufsvorbereitung im Heimunterricht weniger geworden sei. Das spiegelt sich auch bei den Schülern, die größtenteils (67 Prozent) von einer nicht guten Berufsvorbereitung im aktuellen Schuljahr 2020/21 sprechen. Die Hälfte der Eltern gibt an, dass ihre Kinder nicht wissen, welchen Beruf sie wählen sollen, und das ein Aspekt ist, der von der Entscheidung für die Lehre abhält. „Jetzt rächt es sich leider, dass die Berufsorientierung entgegen Forderungen der Industrie und Wirtschaft stets als bildungspolitisches Stiefkind behandelt wurde. Wir brauchen dringend eine strukturierte und qualitativ hochwertige Eingangsphase in die Lehre für alle angehenden Lehrlinge“, meint Tatjana Gertner-Schaschl, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Fachkräfte und Lehre in der Industriellenvereinigung Österreich.

Forderungen an die Politik

Aufgrund der Ergebnisse, wie dass sich etwa zu wenige Personen um eine Lehrstelle bewerben, fordert die Initiative z.l.ö. Berufsorientierung an Mittelschulen und Polytechnischen Schulen. Darüber hinaus sollte die Bundesregierung auf das Lehrstellen-Überangebot hinweisen und das Image der Lehre aufwerten. Aufstiegsklauseln für negative Schulabschlüsse seien hingegen nicht hilfreich und hätten fatale Folgen für den Lehrlingsmarkt.

z.l.ö. ist eine unabhängige Initiative, die das Ansehen der dualen Ausbildung in der Gesellschaft verbessern möchte. Dahinter stehen mehr als 100 Mitgliedsbetriebe wie KTM, FACC und Energie AG, die über 100.000 Mitarbeiter beschäftigen und tausende Lehrlinge ausbilden.


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