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Weidlinger: "Manche Herausforderungen der Bauindustrie sind künstlich erzeugt"

Tips LogoWurzer Katharina, 13.07.2021 23:43

LINZ/OÖ. Preise für Baumaterialien wie Stahl und Holz liegen derzeit um bis zu 70 Prozent über dem Preisniveau aus „der Zeit vor Corona“ bis März 2020. Mit welchen Herausforderungen die Bauindustrie darüber hinaus kämpft beziehungsweise wie sie sich zukünftig entwickeln wird, wurde bei einer digitalen Veranstaltung der Best Business Association (BBA) am Dienstag, 13. Juli, erörtert. Zu Gast war der Vorstandsvorsitzende der Swietelsky AG Karl Weidlinger.

Ob steigende Rohstoffpreise oder fehlendes Personal - Karl Weidlinger, Vorstandsvorsitzender der Swietelsky AG, erläuterte in einer digitalen Konferenz aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen der Bauindustrie. (Foto: Swietelsky)

Er berichtete etwa davon, dass die Bauindustrie aktuell mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig konfrontiert sei. So wirken sich Lieferverzögerungen, beispielsweise aufgrund steigender Rohstoffpreise und Engpässen bei Produkten wie Mikrochips, nachteilig auf den Baufortschritt aus. Gestiegen sind die Preise etwa bei Stahl sowie bei Holz, für das Händler in den USA derzeit den zwei - bis dreifachen Preis im Vergleich zu Österreich verlangen können. Dies führe laut Weidlinger dazu, dass bereits abgeschlossene Vertriebsverträge nicht mehr eingehalten werden können. Liegt der Preis über dem vereinbarten, müssen sich Unternehmen schnell entscheiden, damit die Ware nicht gleich zum nächsten Betrieb wandert. „Manche Herausforderungen sind aber auch künstlich erzeugt. Einzelne schwarze Schafe horten etwa Baumaterial, das früher schwer erhältlich war, oder Rohstoffe, bei denen sie auf einen weiter steigenden Preis warten“, gab der Vorstandsvorsitzende des Bauunternehmens Swietelsky zu denken.

Krisensicher, aber Entwicklungsbedarf

Insgesamt sei die Baubranche krisensicher, da ihre Arbeit immer gebraucht werden würde. In der Corona-Pandemie habe sich laut Weidlinger aber gezeigt, dass Produktionen innerhalb Europas, Recycling und Deponierung bei Lieferketten stärker fokussiert werden müssen. Bezüglich Recyclingquoten und Ressourcenschonung merkt der Vortragende an, dass Firmen bereits zu Nachhaltigkeits-Reporten angehalten sind und hohe Kohlenstoffdioxid-Ausschüsse die Preise eines Produkts steigen lassen. Lieferkettennachweise seien hingegen nicht überall einfach zu handhaben, beispielsweise bei Pumpen oder Mikrochips, wo im Herstellungsland Lohn- und Sozialdumping betrieben werden könnten. Die höheren Preise der Produkte würden zudem die Endverbraucher, sprich Kunden, treffen.

Rückgang von Neubau

In puncto Nachhaltigkeit vermutete Weidlinger, dass Neubau zurückgehen und der Schwerpunkt der nächsten Jahre stattdessen auf dem Erhalt von Gebäuden liegen wird. Der Trend werde zum kleineren Wohnraum gehen müssen. Zukünftig könnten erfolgreiche, gegebenenfalls kleine Nischenplayer und große Firmen, die auf neue Technologien und Vertragsformen setzen, nebeneinander bestehen. Vergleichsweise schwieriger werde es durch die weniger fließende Struktur für Mittelunternehmen.

„Personal aus ferneren Ländern“

Weitere Themen, die in der Veranstaltung diskutiert wurden, waren Digitalisierung in der Bauindustrie, beispielsweise Exoskelette bei schweren körperlichen Arbeiten, sowie die Knappheit von qualifiziertem Personal. Steigt der Wohlstand im Herkunftsland, bleiben die Menschen zunehmend dort. „Wir müssen uns auf Personal aus noch ferneren Ländern einstellen, wo eine adäquate Facharbeiter-Ausbildung aber nicht gegeben ist. Wir beginnen mit der Ausbildung dann also von vorne. Ein weiterer Ansatz gegen den Fachkräftemangel ist es, den Automatisierungsgrad zu erhöhen und Zeit damit effizienter zu nutzen“, führte Weidlinger aus. Ein Beispiel sind 3D gesteuerte Elemente im Bergbau.

Die Konferenz des grenzüberschreitenden Unternehmernetzwerks Best Business Association fand unter dem Titel „Zukunft der Bauindustrie“ statt und wurde von der Geschäftsführerin des Niederbayern-Forum e.V. Christina Tanosova moderiert. Die Swietelsky AG, deren Vorstand Weidlinger ist, ist der drittgrößte österreichische Bauindustriekonzern mit Sitz in Linz. Das Unternehmen hat mehr als 6.100 Mitarbeitende in Österreich und ist vor allem auf Hoch- und Tiefbau spezialisiert.


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