Blackout-Vorsorge: Nehammer zu Gast in Linz

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Lokalaugenschein im Netzführungszentrum der Netz OÖ in Linz, v. l.: Landesrat Markus Achleitner, Innenminister Karl Nehammer und Staatssekretär Magnus Brunner (Foto: Land OÖ/HERMANN WAKOLBINGER)
Lokalaugenschein im Netzführungszentrum der Netz OÖ in Linz, v. l.: Landesrat Markus Achleitner, Innenminister Karl Nehammer und Staatssekretär Magnus Brunner (Foto: Land OÖ/HERMANN WAKOLBINGER)
Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 20.07.2021 15:29 Uhr

OÖ/LINZ. Das Szenario eines Blackouts ist nicht nur für die Bevölkerung, sondern gerade für den Wirtschafts- und Industriestandort OÖ zentrales Thema, ein Blackout „hätte brutale Auswirkungen“, so Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner. Am Donnerstag tagt in Linz der Landes-Energielenkungsbeirat zum Thema, mit dabei sind auch Innenminister Karl Nehammer und Staatssekretär im Klima- und Energie-Ministerium Magnus Brunner.

Das Szenario eines Blackouts ist nicht weit weg – schrammte Europa doch erst zu Jahresbeginn 2021 an einem flächendeckenden Stromausfall vorbei. Eine Netzüberlastung in Südosteuropa mit automatisiertem Abschaltprozesses führte zu fehlender Leistung im zentraleuropäischen Stromnetz.

Die Zahlen verdeutlichen, was ein Blackout tatsächlich anrichten würde. Ein Stromausfall in ganz Österreich brächte laut Schätzungen pro Tag einen volkswirtschaftlichen Schaden zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden Euro – allein 240 bis 300 Millionen davon in Oberösterreich. Zum Vergleich: Laut WKO kostete eine Woche Lockdown 1,7 Milliarden Euro.

Photovoltaik für Polizeistationen

Für das Innenministerium beim Thema Blackout ist unter anderem wichtig, dass im Fall des Falles etwa die Polizei resilient ist. Daher werden in einem neuen Projekt in Zusammenarbeit mit der Bundesimmobiliengesellschaft und Austrian Real Estate Polizeistationen mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, in einem ersten Schritt rund 100 Stationen. Bereits mit Photovoltaik ausgestattet ist das Einsatztrainingszentrum Sattledt. Damit werden die Polizeidienststellen energieautark ausgestattet. Zu Beginn sind Landespolizeidirektionen und Sonderdienststellen in Planung, Inspektionen in den Bundesländern sollen folgen.

Gemeinsam vorsorgen, Netzsicherheit gewährleisten 

Die beste Vorsorge seien drei Säulen, so Landesrat Achleitner: Bund, Länder und Gemeinden müssten gemeinsam vorsorgen, der Stromnetzausbau für ein sicheres Netz müsse vorangetrieben werden und die Bürger müssten eigenverantwortlich ebenfalls Vorsorge treffen, für den Fall der Fälle. Auch Nehammer unterstreicht die Eigenverantwortung der Bürger. „Wir müssen den Bürgern vermitteln und bewusst machen, dass alle Lebensbereiche betroffen sind – es gibt kein Kassensystem im Supermarkt, Tanken an der Tankstelle ist nicht möglich, daher ist auch eigenverantwortliche Tun der Bürger notwendig“, verweist er auch darauf, genügend Vorräte zu Hause zu haben.

Beim Ausbau des Stromnetzes sei der Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze wichtig, vor allem auch im Hinblick auf den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung und der Klimaneutralität, so Achleitner. „Das beschlossene Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz hat enorme Auswirkungen auf die Netzinfrastruktur, wir brauchen ein sicheres Netz.“ In OÖ gibt es dazu auch den OÖ. Stromnetzmasterplan, der unter anderem 34 Leitungs- und Umspannwerks-Projekte mit Gesamtinvestitionsvolumen von einer Milliarde Euro in OÖ vorsieht. Erfreut zeigt sich Achleitner, dass im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzespaket im Starkstromwegenetz die Kabelleitungen bis 45 kV inklusive Kabelauf- und abführungen und Freileitungstragwerken genehmigungsfrei gestellt worden sind – „eine massive Vereinfachung und notwendige Beschleunigen des Ausbaus.“

„Praxistaugliche, innovative Maßnahmen mit Hausverstand“

Gerade beim Thema der ambitionierten Klimaziele Österreichs und trotzdem garantierte Versorgungssicherheit weiß Staatssekretär Brunner: „Es stellt sich die Frage: Gefährden der Green Deal und die Energiewende die Versorgungssicherheit im Energiebereich? Die schnelle Antwort darauf: Es kommt darauf an, wie intelligent wir die Energiewende angehen, wie praxistauglich, wie innovativ, wie gesamthaft und mit welchen Maßnahmen“, so Brunner. „Wir können nicht am Freitag für den Klimaschutz auf die Straßen gehen und am Montag gegen Infrastrukturmaßnahmen in der Stromversorgung sein.“

Für die „ambitionierten Ziele“ Klimaneutralität 2040 und 100 Prozent erneuerbarer Strom bis 2030 müssten die erneuerbaren Energieträger massiv ausgebaut werden. Er spricht sich für praxistaugliche Lösungen mit Hausverstand und Realismus aus. „Wir müssen die Ziele gemeinsam mit der Bevölkerung und der Wirtschaft erreichen, müssen aus Betroffenen Beteiligte machen“, so sein Zugang.

Besuch im Netzführungszentrum in Linz

Innenminister Nehammer besuchte am Dienstag auch gemeinsam mit Achleitner und Brunner die Landes-Energie-Zentrale, das Netzführungszentrum der Netz Oberösterreich in Linz. Diesem kommt im Fall des Falles bei einem Wiederaufbau der Stromversorgung große Bedeutung zu. OÖ sei hier am letzten Stand der Technik, „mit einem gesamten digitalen Zwilling und mit bestens vorbereitetem Personal“, so Achleitner. Pläne, wie die Stromversorgung nach einem Blackout wieder aufgebaut werden kann, werden immer wieder trainiert. In OÖ wird das Netz nach einem festgelegten Schaltschema in fünf Teilnetzbereiche getrennt – in diesen Teilnetzen kann mit „schwarzstartfähigen Kraftwerken“ – also bei denen zum Start kein externer Strom benötigt wird, mit dem Aufbau begonnen werden. Mit dieser erzeugten Energie können in weiterer Folge Kraftwerke wie das Gas- und Dampf-Kraftwerk in Timelkam anfahren. Insgesamt 19 schwarzstartfähige Wasserkraftwerke der Energie AG gibt es in OÖ.

Klinger: Begrüßenswerte Initiative

Sicherheits-Landesrat Wolfgang Klinger (FPÖ) sieht eine begrüßenswerte Initiative zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes OÖ. „Blackout ist ganzheitlich zu denken und zu behandeln. Zu einer krisenfesten Stromversorgung bedarf es eines sicheren und tragfähigen Leitungsnetzes und im Falle eines Blackouts brauchen wir schwarzstartfähige Kraftwerke. Mit erneuerbaren Energieträgern allein wird ein Neustart des Netzes nicht funktionieren. Ich begrüße daher die Initiative des Kollegen Landesrat Achleitner, denn auch die nachhaltige Absicherung des Stromnetzes und somit des Wirtschaftsstandortes Oberösterreich sind ein wesentlicher Baustein in der Vorsorge. Wenn hier auch die Bundesebene in Person des Herrn Innenministers eingebunden ist, ist das umso erfreulicher und zeigt, dass unsere Bemühungen auch andere Ressorts und Ebenen zum Handeln angeregt haben.“

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