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Fahrplan bis 2030 steht: Wie Oberösterreich zur nachhaltigen Kunststoffregion wird

Tips LogoJürgen Affenzeller, 29.03.2022 14:47

LINZ/OÖ. Oberösterreich soll 2030 als Modellregion für Kunststoff-Kreislaufwirtschaft wahrgenommen werden. Den Weg dorthin haben rund 80 Experten aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen erarbeitet und mit einer Vision ausgestattet: Bis 2030 soll der Inhalt des gelben Sacks zu 100 Prozent kreislauffähig werden.

v.l. Manfred Hackl, CEO EREMA Group und Beiratssprecher Kunststoffcluster, Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner und Univ.-Prof. Reinhold W. Lang (Foto: Land OÖ/Daniel Kauder)

„Oberösterreich bildet mit seinen innovativen Unternehmen und Forschungszentren die geballte Kunststoffkompetenz ab. Wo wenn nicht hier können wir den Beweis für nachhaltige Lösungen antreten“, sagt Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner anlässlich der Präsentation des Fahrplans „Roadmap Sustainable Plastic Solutions“.

Erarbeitet wurde die Roadmap von der oö. Standortagentur Business Upper Austria gemeinsam mit dem AIT – Austrian Institute of Technology und mit Unterstützung des BMK– Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie.

„Kunststoff und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch“

Am Anfang stand eine Vision: Bis zum Ende des Jahrzehnts soll es möglich sein, den Inhalt des gelben Sacks, in dem österreichweit Kunststoffabfälle gesammelt werden, zu 100 Prozent kreislauffähig machen – also stofflich verwerten. Den Weg dorthin haben rund 80 Vertreterinnen und -vertreter aus Forschung und Wirtschaft erarbeitet und in einen konkreten Fahrplan bis zum Jahr 2030 gegossen: die „Technology Roadmap Sustainable Plastic Solutions“.

„Kunststoff und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch. Mit unserer Standortagentur Business Upper Austria haben wir daher die Initiative gestartet, um zu zeigen, dass nachhaltige Kunststofflösungen möglich sind. Oberösterreich bildet mit seinen innovativen Unternehmen und Forschungszentren die geballte Kunststoffkompetenz ab. Wo wenn nicht hier können wir den Beweis für nachhaltige Lösungen antreten“, sagt Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner.

Die drei Themenfelder:

Design4Circularity, also das konsequente Ausrichten des Ausgangsproduktes auf seine Kreislauffähigkeit. Viele Produkte müssen im Hinblick auf Kreislaufwirtschaft völlig neu gedacht und entwickelt werden. Aktuell werden zum Beispiel in vielen Verpackungen mehrere verschiedene Kunststoffe verwendet, was das Recycling erschwert.

Sammlung, Sortierung und Recycling: Der Inhalt des gelben Sacks ist je nach Region unterschiedlich zusammengesetzt: Teilweise wird Metall mitgesammelt, teilweise nur Leichtverpackungen, weil die Entsorger unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolgen. Hier ist die Abfallwirtschaft in Kooperation mit den Inverkehrbringern gefordert, Lösungen zu erarbeiten – zum Beispiel ein einheitliches Sammelsystem für ganz Österreich in Verbindung mit einer modernen Sortierinfrastruktur.

Materialien, Technologien, Forschung & Entwicklung: Auch wenn gerade Kunststoffverpackungen technologisch bereits weit fortgeschritten sind, gilt es, die unterschiedlichen Anforderungen von zum Beispiel Lebensmittelproduzenten und Abfallverwertern unter einen Hut zu bringen: Druckfarben müssen so gestaltet sein, dass sie das Recycling ermöglichen oder Verpackungen so zusammengesetzt sein, dass sie automatisch getrennt werden können. Auch die Qualität des Recyclingmaterials spielt eine große Rolle. Diese gilt es technologisch sicherzustellen und gleichzeitig auch wirtschaftlich darzustellen.

Da sich nicht alle Probleme technologisch lösen lassen, sind auch die Rahmenbedingungen ein entscheidender Faktor. Diese reichen von gesetzlichen Regelungen zum Rezyklateinsatz über das Bewusstsein für Mülltrennung bis zum Image von Kunststoffverpackungen.

Projekte und neue Ideen

Bereits während der Arbeit an der Roadmap sind konkrete Ideen und sogar schon Projektgruppen entstanden. „Ein österreichisches Leitprojekt ist das Forschungsprojekt circPLAST-mr, in dem unter Leitung von Prof. Reinhold Lang vom Bereich Kunststofftechnik hier an der Johannes Kepler Universität Linz insgesamt 25 Partner/innen aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft an der Verbesserung von mechanischem Recycling arbeiten“, freut sich Landesrat Markus Achleitner: „Dies ist ein Projekt, das sogar europaweit einzigartig ist und Vorbildcharakter hat.“ Auch aus einer Förderausschreibung des Landes OÖ sind bereits fünf konkrete Forschungsprojekte hervorgegangen.

Lehrmittelbox vermittelt Kunststoff-Wissen

Ein weiteres Beispiel aus dem Themenfeld Bewusstseinsbildung ist die Kunststoff-Lehrmittelbox für Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren. Die Lehrmittelbox samt Begleitmaterial knüpft an die Lehrpläne der Sekundarstufe I (Unterstufenschulen: AHS, NMS) an und verbindet Fächer wie Chemie, Physik, Biologie und Umweltkunde, Geografie und wirtschaftliche Bildung bis hin zu Berufsorientierung und Bildnerische Erziehung. Das Material eignet sich aber ebenso für den Einsatz in außerschulischen Fortbildungen mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft, Umweltbildung und Nachhaltigkeit. „Durch die Bandbreite der Anwendungsbeispiele wird Jugendlichen der richtige Umgang mit Plastik praxisbezogen vermittelt“, sagt Wirtschafts-Landesrat Achleitner.

Entwickelt wurde die Box, die 14 Anwendungsbeispiele für die Praxis enthält, vom Kunststoff-Cluster in Zusammenarbeit mit der Education Group.

Weitere Informationen zum Projekt:
jku.at/mechanisches-recycling

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