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Altersarmut ist weiblich, Frauen wünschen sich Unabhängigkeit

Tips LogoKern Kerstin, 02.03.2023 15:42

LINZ/OÖ. Frauen in Österreich arbeiten jedes achte Jahr gratis, so das Ergebnis einer aktuellen Studie von Erste Bank und Sparkasse. Die Auswirkungen des Gender Pay Gap vervielfachen sich in der Pension, besonders Frauen sind vermehrt von Altersarmut gefährdet. Die Sparkasse OÖ und die Erste Bank setzen sich zum Ziel, vorzusorgen und Finanzwissen besser an die Frau zu bringen.

Karin Kiedler, Leiterin der Marktforschung der Erste Bank Österreich und Stefanie Christina Huber, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse OÖ, präsentieren die Ergebnisse der jährlichen Studie zum Weltfrauentag. (Foto: Sparkasse OÖ/Fotokerschi)

Am 8. März wird jährlich der Internationale Frauentag gefeiert, um auf Gleichberechtigung und Missstände im Hinblick auf Frauenrechte aufmerksam zu machen. Einen Tag davor, am 7. März, ist in Oberösterreich der Equal Pay Day. Die 65 bisherigen Tage seit Jahresbeginn haben Frauen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen unbezahlt gearbeitet.

Im Schnitt verdienen Frauen in OÖ um 16,9 Prozent weniger als Männer in der gleichen Position, vor Vorarlberg mit 22 Prozent ist Oberösterreich damit das vorletzte Bundesland, wenn es um gleichberechtigte Bezahlung geht. Laut Stefanie Christina Huber, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse OÖ, ist das auf die Rolle Oberösterreichs als Industriebundeslandes zurückzuführen, dass im Industriebereich sowie in der Digitalisierung über einen klaren Vorsprung gegenüber anderen Bundesländern verfügt. Es gibt mehr Berufe in klassisch männerdominierten Sparten, die auch besser bezahlt sind - die Gleichberechtigung mache dabei Abstriche.           

Wunsch nach Unabhängigkeit

Die jährliche Studie der Erste Bank Österreich zum Weltfrauentag hat 1.350 Menschen in Österreich zu Finanzthemen befragt, 150 aus jedem Bundesland. Die Ergebnisse zeigen auf, dass Frauen einerseits viel häufiger finanziell abhängig sind, sich jedoch wünschen, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Jede vierte Frau in Oberösterreich gibt an, finanziell von der Familie oder dem Partner abhängig zu sein, bei den Männern ist es knapp jeder dreizehnte.  

„Die Tatsache der finanziellen Abhängigkeit vieler Frauen ist mitunter zurückzuführen auf deren Finanz-Realität – also eine höhere Teilzeitquote, geringerer Verdienst, Karenzzeiten und Co. Wir sehen es als unsere gesellschaftliche Aufgabe uns dieser Finanz-Realität zu stellen und einen positiven Beitrag zu leisten, damit sich das schneller ändert“, betont Karin Kiedler, Leiterin der Marktforschung der Erste Bank Österreich.

Problemfrage Pensionslücke

Diese Ungleichheit stellt den Frauen nicht nur weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, die Auswirkungen zeigen sich vermehrt in der Pension: Die geschlechtsspezifische Pensionslücke liegt bei 42 Prozent, das sind im Schnitt 900 Euro weniger pro Monat für Pensionistinnen. Das liegt auch an einer meist geringeren Anzahl an Versicherungsjahren bei Frauen, da sich diese häufiger um die Kinderbetreuung oder um Pflegefälle in der Familie kümmern und oft nur Teilzeit arbeiten.

Mehr als ein Viertel der alleinlebenden Pensionistinnen ist armutsgefährdet. Eine von fünf Frauen ist sich sicher, dass ihre Person ausreichend wird, um den aktuellen Lebensstandard im Alter halten zu können, bei den Männern ist es jeder dritte. Mehr als doppelt so viele Frauen (27 Prozent) wie Männer (12 Prozent) geben an, sich Gedanken über die Pensionsvorsorge zu machen

 „Wir sind diese Zahlen schon gewohnt, aber eigentlich sollten uns die Zahlen aufrütteln“, so Kiedler.  

Informationen besser an die Frau bringen

Die Studie zeigt auch auf, dass das Interesse an Finanzthemen bei Frauen deutlich geringer ausfällt als bei Männern. Drei Viertel aller Frauen fühlen sich unzureichend informiert, bei den Männern ist es etwas mehr als die Hälfte. In Oberösterreich wenden sich 82 Prozent der Frauen an ihre Bankberatung, um sich über finanzielle Themen zu informieren, bei den Männern sind es nur 60 Prozent. Sie geben an, sich eher durch Familie und Freunde oder medial zu informieren.

Kinderfinanzbildung soll schon in der Schule vermehrt stattfinden, einerseits um ein Interesse für das Thema zu schaffen, andererseits um das Selbstvertrauen junger Mädchen in die eigenen Finanzkenntnisse zu stärken. „Sobald man ins Berufsleben einsteigt, ist der ideale Zeitpunkt, um über Altersvorsorge nachzudenken“, betont Huber.

 Wie nun aber autonom über die eigenen Finanzen verfügen? Als Grundregel für finanzielle Unabhängigkeit sieht Huber ein eigenes Konto, das unabhängig vom Partner geführt wird. Sobald man sich einen kleinen Polster angelegt hat, solle man möglich rasch in die Altersvorsorge investieren. Der Spartipp der Bankerin dafür ist „Fondssparen, mit 50 Euro monatlich ist man schon dabei.“ Huber und Kiedler appellieren an alle Frauen, sich auf dem Weg in die finanzielle Autonomie beraten zu lassen.                                                               

Initiative „She Invests“

„Wir sehen es als unsere Verantwortung, das finanzielle Selbstvertrauen der Frauen zu stärken. In einem Beratungsgespräch mit unseren Experten können Frauen konkrete Fragen offen ansprechen. Darüber hinaus bieten wir Webinare und regelmäßige Newsletter zu Finanzthemen an“, erklärt Huber.

Die Initiative „she invests“ der Sparkasse ist ein Resultat aus den Ergebnissen der Vorjahresstudie. Auf der Website sind die wichtigsten Grundgedanken rund um die Themen Finanzen, Sparen und Investieren zusammengefasst und jederzeit abrufbar. „She invests“ bildet auch persönlichen Kontakt in Workshops an, in denen sich interessierte Frauen miteinander austauschen können und Tipps zur eigene finanziellen Sicherheit, Vorsorge und langfristigem Vermögensaufbau vermittelt bekommen. Das Angebot richtet sich an alle Frauen, nicht nur an die Kundinnen von Erste Bank und Sparkasse. Das nächste „she invests“-Online-Event findet am 29. März statt, mehr Infos dazu gibt es unter www.sparkasse.at/sheinvests.

Kiedler malt sich das Bild einer ideale, gleichberechtigten Zukunft so aus: „Den Weltfrauentag gibt es als Tradition, aber wir stehen hier und können sagen, es bräuchte ihn nicht mehr.“


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