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Wasserstoff-Forschungszentrum: Wels will international mitmischen

Tips LogoMag. Ingrid Oberndorfer, 19.04.2023 12:57

WELS. Eine wichtige Maßnahme der Oberösterreichischen Wasserstoffoffensive 2030 ist das Forschungszentrum der Fachhochschule OÖ in Wels. Der Startschuss dafür fällt bereits im Herbst, denn Wels, das den Zuschlag für das Zentrum bekommen hat, hat Infrastruktur zu bieten, die gleich genutzt werden kann und hat vor allem auch die Fachhochschule die sich mit dem Thema schon seit Jahren verstärkt auseinandersetzt.

Daumen hoch für das neue Wasserstoff-Forschungszentrum in Wels: Stadtrat Martin Oberndorfer, Bürgermeister Andreas Rabl und FH OÖ-Vizerektor Johann Kastner (Foto: Stadt Wels)

Wasserstoff (H2) zählt zu den Schlüsselelementen für die Energie- und Mobilitätszukunft, birgt unglaublich viel Entwicklungspotenzial ist aber auch sehr forschungsintensiv. Aktuell herrscht noch großer Informationsmangel zum Energieträger H2 und seinen Technologien. Deshalb braucht es Forschung und Entwicklung, um den Ausbau von H2-Technologien voranzutreiben.

Das Land Oberösterreich nimmt dafür bis 2025 vorerst sechs Millionen Euro in die Hand. „Aber danach werden weitere Millionen kommen, 40 Millionen sind potenziell möglich“, ist Bürgermeister Andreas Rabl zuversichtlich und begeistert davon, dass Forschungszentrum nach Wels geholt haben zu können. „Das neue Wasserstoff-Forschungszentrum in Wels ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung unserer Stadt“, so Rabl. „Wir hoffen, dass es nach der ersten Phase weitergeht und dass ein Zentrum mit 50 Mitarbeiter entsteht“, blickt Rabl optimistisch in die Zukunft.

600 Quadratmeter Forschung

Das Forschungszentrum wird zum Teil in den Räumlichkeiten der Fachhochschule Oberösterreich Campus Wels – die gleichzeitig Trägerin des neuen Forschungszentrums sein wird – untergebracht. Den Kern des neuen H2-Forschungszentrums bildet eine rund 600 Quadratmeter große, multifunktionale H2-Forschungs- und Testanlage mit modernster Laborausstattung.

Der inhaltliche Fokus liegt auf treibhausgas-intensiven Branchen, wie Papier und Druck, chemische und pharmazeutische Erzeugung, Metallerzeugung und -bearbeitung sowie Verarbeitung mineralischer Rohstoffe. Geforscht wird daran, wie man viele Prozesse in der Industrie umstellen kann, wie man eine langfristige Speicherung von großen Energiemengen zum Beispiel vom Sommer bis in den Winter zustande bringt und wie Antriebstechnologie zum Beispiel für LKW mittels Wasserstoff funktioniert.

Standort in Bahnhofsnähe

Ziel der Stadt, die sich mit einem sechsstelligen Betrag beteiligt, ist es, das Forschungszentrum im Umkreis des Bahnhofs anzusiedeln. „Ein kleiner Teil wird in der FH untergebracht, aber für die 600 Quadratmeter haben wir schon zwei potenzielle Standorte, fertige Hallen, die wir eben auch sofort nutzen können“, so Rabl. Um etwaigen Sorgen und Ängsten vorzubeugen betont er ausdrücklich: „Das Forschungszentrum ist ungefährlich! Es gibt keine Gefahr für die Bevölkerung“.

Fachhochschule forscht seit Jahren

Froh darüber, dass Wels ausgesucht wurde ist auch der Vizepräsident der FH Oberösterreich Johann Kastner. „Wir haben seit drei Jahren daran gearbeitet, in Sachen Wasserstoff etwas auf die Beine zu stellen und jetzt ist es uns gelungen, das Zentrum der Forschung dafür nach Wels zu holen“, freut sich Kastner über die zukunftsweisende Initiative. Die FH OÖ forscht am Campus Wels bereits seit einigen Jahren an der Weiterentwicklung von grünen Wasserstoff-Technologien. So haben Studenten ein Liegerad mit einem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb entwickelt - ein System mit großem Zukunftspotenzial. Ebenso wurde an einem neuen Verdichter für Wasserstoff gearbeitet, bei dem Verdichtung und Speicherung gleichzeitig ablaufen und seit Oktober 2022 ist zudem eine eigene Professorin für Wasserstofftechnologie am Campus Wels tätig.

Geplant ist in Wels unter anderem eine systemische Forschungsanlage für Strom, Wärme, Stoffe und Sektorkopplung mit bis zu 500 Kilowatt elektrischer beziehungsweise Wärmeleistung. Diese besteht aus vier unterschiedlichen Testständen, die für unterschiedliche Anwendungsfelder eingesetzt werden:

  • CO2-intensive Industrieprozesse, wie z.B. Zementherstellung oder Gas- und H2-Brenner
  • H2-relevante Komponenten, wie Sensoren, Ventile oder Brennstoffzellensysteme, und Werkstoffe, insbesondere Metalle und Kunststoffen (Verschleiß, Versprödung, Dichtheit)
  • Energiespeicherung mit H2
  • H2-Prozesse und Systeme

„Wir wollen das Thema besetzen“

Auch Wirtschafts- und Wissens-Stadtrat Martin Oberndorfer ist erfreut, dass Wels den Zuschlag unter mehreren Bewerben bekommen hat. „Wels soll ein Zentrum der Wasserstoffforschung werden! Im Herzen der Stadt werden internationale Wissenschaftler, Studierende und Unternehmen Hand in Hand die Entwicklung dieser Zukunftstechnologie vorantreiben. Ein großartiger Erfolg für den Wirtschafts- und Technologiestandort Wels, der dank der engen Kooperation des Landes OÖ, der Stadt Wels und der FH OÖ möglich wird“, so Oberndorfer. „Das Land zeigt mit der Zusage, dass Wels ein wesentlicher Standort für Forschung ist“.

Das unterstreicht auch Bürgermeister Rabl: „Wir sind als Forschungsstandort sehr interessant, weil wir noch eine Größe haben, wo zum Beispiel bei Genehmigungen alles direkter und flexibler ablaufen kann. Wir liegen verkehrstechnisch gut und wir haben die Know-how-Träger. Und dort wo sich Know-how konzentriert, da konzentrieren sich auch die Fördermittel. Und darum ist es wichtig, bei den ersten dabei zu sein. Wir wollen das Thema Wasserstoff besetzen und wir wollen nicht nur national sondern auch international mitmischen!“


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