Ein Viertel auf Fake News hereingefallen, die Hälfte der Oberösterreicher sorgt sich
OÖ/LINZ. Ein Viertel der Oberösterreicher gibt an, schon auf Fake News hereingefallen zu sein, immerhin die Hälfte empfindet bei dem Thema großes Unbehagen. Die OÖVP hat in einer Umfrage des Linzer market Instituts die Erfahrungen der Oberösterreicher mit Fake News untersuchen lassen und macht das Phänomen anlässlich des bevorstehenden Nationalfeiertags am 26. Oktober zum Thema.

Die Phänomene Fake-News und Verschwörungstheorien hat die OÖVP im Rahmen eines „PoliTalks“ am Montag in Linz anlässlich des Nationalfeiertages am 26. Oktober aufgegriffen. Nicht zuletzt Corona, aktuell vor allem der Ukraine-Konflikt und Israel-Krieg lösten und lösen eine Flut an Fake News aus. Im Zuge ihrer „PoliTalks“ hat die OÖVP Montagvormittag mit Experten wie JKU-Professor Johannes Brandstetter (Institut für Machine Learning), Ulrike Schiesser (Psychologin und Expertin für Sektenfragen) und market-Institutsvorstand David Pfarrhofer erläutert.
„Es ist wichtig, in den Mittelpunkt zu rücken, dass wir ein demokratisches Land sind, das heißt, dass man viele, viele Rechte hat, aber auch einen eigenverantwortlichen Lebensentwurf entwickelt und führt. In Zeiten wo Informationsgewinnung und Infoweitergabe auch mittels Künstlicher Intelligenz ganz neue Dimensionen erreicht, rückt diese Eigenverantwortung noch viel mehr in Mittelpunkt“, so Landeshauptmann Thomas Stelzer.
Große Unsicherheiten beim Thema Fake News
Das Linzer market Institut hat im Auftrag der OÖVP ganz aktuell Mitte Oktober 500 Personen in Oberösterreich ab 16 Jahren in einer repräsentativen Umfrage befragt, um ein Stimmungsbild zum Thema Fake News und Verschwörungstheorien zu bekommen. „Wenn man in Österreich über Demokratie nachdenkt, kommen als erstes Neutralität und freie demokratische Wahlen und als zweites gleich das Recht auf freie Meinungsäußerung, das ist heilig bei uns“, drückt market-Institutsvorstand David Pfarrhofer die Bedeutung aus.
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Immerhin ein Viertel der Oberösterreicher gibt an, schon auf Fake News hereingefallen zu sein. „Das klingt noch nicht viel“, so Pfarrhofer. „Aber dazu kommt eine große Gruppe, fast jeder Zweite, der beim Thema Fake News und Verschwörungstheorien Unsicherheit fühlt. Wir sehen massives Unbehagen.“ Gerade bei Jüngeren, die sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen würden, sei das Unbehagen größer.
34 Prozent aller Befragten sehen Fake News auch als Bedrohung im Alltag, bei den Unter-30-Jährigen ist es wiederum mehr als die Hälfte. Konkrete Szenarien, die unter anderem Sorgen bereiten:
- Stimmungsmache und Konfliktverstärkung in sozialen Medien (72 Prozent)
- Beeinflussung politischer Meinungen (72 Prozent)
- Verbreitung falscher Gesundheitsinformationen (57 Prozent)
Um Fake News und Verschwörungstheorien zu entlarven, setzen die Befragten auf „die zweite Meinung“, also den Vergleich mehrerer Informationsquellen (88 Prozent), bekannte und vertrauenswürdige Informationsquellen (90 Prozent), aber etwa auch auf persönliche Gespräche mit Freunden und Bekannten (68 Prozent).
Hiegelsberger: „Müssen Risiken minimieren“
Die Umfrage zeigt auch auf, dass sich die Oberösterreicher mehr Aktivitäten vom Staat gegen die Ausbreitung und Verbreitung von Fake News und Verschwörungstheorien wünschen (70 Prozent). OÖVP-Landesgeschäftsführer Florian Hiegelsberger: „Es gibt sehr viel Verunsicherung und braucht Aufklärung und Bewusstseinsbildung. Wir müssen Chancen durch KI nutzen, aber auch die Risiken minimieren, das ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag zwischen Wissenschaft, Politik und Medien.“
Johannes Brandstetter vom Institut für Machine Learning an der JKU erläutert einen Punkt der aktuellen Problematik: „Künstliche Intelligenz ist aktuell generative KI, basiert auf unglaublich großen Datenmengen. Das Generative ist aber auch Nährboden für Falschinformationen. Die Datenmengen liege fast ausschließlich im Besitz großer US-Konzerne, daher ist eine der Forderungen: „Die Kompetenz nach Europa zu holen, wir brauchen Gegenmaßnahmen, eigene Kompetenzzentren, um konkurrenzfähig zu sein und um die Kontrolle nicht zu verlieren.“
Hiegelsberger und Stelzer sehen Maßnahmen wie Folgende als notwendig an:
- einen Schulterschluss gegen radikale Kräfte, die mit manipulierten Inhalten unsere Freiheit und Demokratie gefährden
- konsequentes Vorgehen gegen Plattformen und Digital-Konzerne, die ungeprüft die Verbreitung derartiger Inhalte zulassen
- Bündelung und Evaluierung rechtlicher und technischer Möglichkeiten der Exekutive bei der Ermittlung in Sachen Fake News
- die Etablierung eines Fakten-Checker-Modells in Zusammenarbeit mit Medien und Wissenschaft
- die Stärkung des Verbunds aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Sicherheitsbehörden im Kampf gegen Fake News
Bewusstsein bilden
Gerade die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung sei aber vordergründig. Landeshauptmann Stelzer verweist auf Initiativen in Oberösterreich: Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung würden im Bildungsbereich, mit dem Programm „Werkstatt für Demokratie“ und auch mit dem Aktionsplan gegen Extremismus gesetzt, so Stelzer. Zudem biete das Jugendservice das Landes OÖ etwa themenbezogene Workshops.
Neben der wichtigen Arbeit der JKU in diesem Bereich verweist Stelzer auch auf eine Vorreiterrolle Oberösterreichs, mit der Einrichtung der eigenen KI-Zertifizierungsstelle „Trustifai“ des TÜV Austria mit dem Competence Center Hagenberg am Standort Hagenberg. Damit gibt es in Oberösterreich den ersten „Test und Qualifizierungs-Hub“ in Österreich. „Wir sind gegen Regulierung, um des Regulierungswillens. Aber wenn die Gesellschaft durch neue Technologieschübe mehr Möglichkeiten bekommt, muss die Gesellschaft auch einen Rahmen setzen“, so Stelzer.
Mehr lesen unter: Vertrauen in Künstliche Intelligenz: Erstes Zertifizierungszentrum in Hagenberg gegründet


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