Wirtschaftsbund OÖ: „Brauchen Anreizförderung statt zu reparieren, wenn der Hut schon brennt“
OÖ/LINZ. Wie ist die aktuelle Stimmung in der oberösterreichischen Unternehmenslandschaft? Das Linzer Marktforschungsinstitut IMAS hat im Auftrag des Wirtschaftsbund OÖ nachgefragt. 54 Prozent der Wirtschaftstreibenden gehen 2024 von einer Verschlechterung des Status Quo aus. Die Ergebnisse der Umfrage untermauern für Landesobfrau Doris Hummer das Arbeits- und Forderungsprogramm des Wirtschaftsbundes - darunter die Senkung der Lohnnebenkosten und die Entlastung von Bürokratie.

505 oberösterreichische Unternehmer wurden in der Studie zum aktuellen Stimmungsbild befragt. Die Mehrheit der Wirtschaftstreibenden in Oberösterreich (54 Prozent) geht demnach von einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation im Jahr 2024 aus, „eine Fortsetzung der letzten Befragung“, so IMAS-Chef Paul Eiselsberg.
Im Vergleich zur Befragung Ende 2022 für das Jahr 2023 geändert haben sich die gröbsten Probleme und Hemmnisse, die die Unternehmen sehen: War damals noch das Thema Arbeitskräfte auf Platz eins, sind es nun die wesentliche Aspekte Inflation bzw. Teuerung, Bürokratie und erst an dritter Stelle der Arbeitskräftemangel. Auch eine schlechtere Auftragslage wird Ende 2023 als größere Herausforderung genannt.
Rund 70 Prozent der oö. Unternehmer geben an, eher oder sehr stark von der aktuellen Krisensituation mit finanziellen Einbußen betroffen zu sein.
Die Top-Forderungen der befragten Unternehmer für den heimischen Wirtschaftsstandort laut Studie:
- Die Senkung der Lohnnebenkosten
- die Entlastung von Bürokratie
- die weitere Bekämpfung des Fachkräftemangels.
Auch seien drei Viertel der befragten Unternehmer der Meinung, dass sich Leistung wieder lohnen müsse. Drei Fünftel denken zudem, dass die Leistungsbereitschaft der Gesellschaft deutlich am Sinken ist.
Hummer: Talsohle noch nicht erreicht
Angesichts der aktuellen Rezession und der WIFO-Prognose, wonach das Bruttoinlandsprodukt 2024 um nur 0,9 Prozent zulegen werde, sieht Wirtschaftskammer OÖ-Präsidentin und Wirtschaftsbund-Landesobfrau Doris Hummer die Talsohle noch nicht erreicht. „Wir haben ein schwieriges halbes Jahr vor uns. Wir haben auch an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt, das sehen die Unternehmen kritisch. Wenn aktuell nur die Hälfte optimistisch in die Zukunft blickt, dann ist diese Zahl deutlich zu niedrig, das macht mir Sorgen.“
Gerade der seit Monaten währende Auftragsrückgang habe Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit, der Rückgang bei Investitionen tue am meisten weh, so Hummer.
Anreiz- statt Reparaturförderungen
Der Wirtschaftsbund OÖ fordert, um die konjunkturelle Schwäche abzufedern, konjunkturbelebende Maßnahmen. „Wir wollen keine Reparaturförderungen, wenn der Hut schon brennt, sondern die richtigen Steuerentlastungen und Anreizförderungen, um Konjunkturimpulse zu geben“, ist Hummer überzeugt.
Ein „Muss“ sei eine Investitionsprämie NEU, für den Wirtschaftsbund ein „Best-Practice-Beispiel“. Neue Impulse brauche es für die Bauwirtschaft, vorgeschlagen wird hier eine Umsatzsteuerrückvergütung („Handwerkerbonus“), eine Ausweitung der Mehrwertsteuerbefreiung für alle Bauinvestitionen von Privaten (vom Bund bislang für Photovoltaikanlagen geplant), die Wiedereinführung der Sonderausgabe Wohnraumschaffung und die Wiedereinführung der Zweckwidmung der Wohnbauförderung.
Bürokratie entrümpeln: Eigene Behörde gefordert
Ein „Dauerbrenner“ bei den Problemen für die Wirtschaftstreibenden sei die Bürokratie, so Hummer. Bürokratische Hürden müssten abgebaut werden, nennt sie als Beispiel etwa, dass Lohnpfändungen nicht wie jetzt von den Betrieben, sondern von den Gerichten erledigt werden sollten. Auch die Buchführungsgrenzen bei der Kleinunternehmerregelung sollte angesichts der Entwicklungen von 35.000 auf 85.000 Euro angehoben werden, das helfe Einzelunternehmen.
Geht es nach Hummer, sollte in Österreich eine eigene Behörde geschaffen werden (in Deutschland gibt es ähnliches), die sich an die Entrümpelung der Bürokratie mache, „das wäre nachhaltig.“
Belastungen senken
Ein weiterer großer Schwerpunkt ist weiterhin das Thema „Leistung muss sich lohnen.“ „Unser Steuersystem bevorzugt Teilzeit und bestraft Vollzeit“, so Hummer, die darauf verweist, dass Österreich laut Eurostat die dritthöchste Steuer- und Abgabenquote in der EU aufweist, was die Wettbewerbsfähigkeit gefährde.
Die konkreten Forderungen des Wirtschaftsbundes OÖ:
- Senkung der Lohnnebenkosten durch eine weitere Reduktion des Arbeitslosenversicherungsbeitrages (seit 1. Jänner 2024 5,9 statt 6 Prozent). „Wir haben Vollbeschäftigung, eine Halbierung auf bis zu 3 Prozent müsste machbar sein“, so Hummer. Auch eine weitere Senkung des Beitrags zum Familienlastenausgleichsfonds auf zumindest 3 Prozent wird gefordert.
- Freibetrag bei Vollzeitbeschäftigung in Höhe von 15 Prozent
- Einkommenssteuer abflachen, insbesondere für mittlere Einkommensbezieher
- Weitere schrittweise Senkung der Körperschaftssteuer von jetzt 23 auf 21 Prozent in den nächsten beiden Jahren
Wirtschaftsbund OÖ mit rund 17.500 Mitgliedern
Bilanz über das Jahr 2023 für den Wirtschaftsbund OÖ zieht Landesgeschäftsführer Direktor Wolfgang Greil. 366 Mitglieder seien im letzten Jahr neu dazugekommen, damit zählt der Wirtschaftsbund OÖ aktuell rund 17.500 Mitglieder.
Um der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen entgegenzuwirken und Junge zu motivieren, wurde 2023 die Kampagne „be yourself – Dein Job. Dein Leben.“ ins Leben gerufen, die 2024 fortgeführt wird. „Während die Gesamtzahl der Arbeitslosen nur minimal steigt, ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren um 14,5 Prozent gestehen. Das Verhältnis zu offenen Lehrstellen in Oberösterreich ist aber nach wie vor sehr hoch. Auf einen Lehrling kommen drei offene Lehrplätze“ so Greil. Er sieht aktuell „zwei Pole bei der Mentalitätsfrage“. Jene, die leistungswillig und erfolgreich seien, wolle man als positive Beispiel zeigen.
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