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Industriellenvereinigung OÖ in Alarmstimmung: "Brauchen keine Kompromisse, sondern Konsens"

Tips LogoKarin Seyringer, 27.11.2024 15:31

OÖ/LINZ. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung mit Insolvenzmeldungen quer durch alle Branchen und dem bevorstehenden Insolvenzantrag von Motorradhersteller KTM und zweier Tochtergesellschaften fordert die heimische Industrie erneut ein Gegenlenken und Maßnahmen für den Wirtschaftsstandort.

Archivfoto: Thomas Bründl, Vizepräsident der Industriellenvereinigung OÖ. (Foto: IV OÖ)
Archivfoto: Thomas Bründl, Vizepräsident der Industriellenvereinigung OÖ. (Foto: IV OÖ)

„Wir haben die verlängerte Rezession vorausgesagt, wir haben vorausgesagt, dass die Standortwettbewerbsfähigkeit Österreichs weiter bergab geht“, so Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung OÖ beim Adventempfang der IV OÖ Dienstagabend in der Tabakfabrik Linz.

KTM-Chef und IV OÖ-Präsident Stefan Pierer blieb dem Empfang fern. Nur Stunden zuvor gab die PIERER Mobility AG bekannt, am Freitag einen Antrag auf Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung für die KTM AG und ihrer Tochtergesellschaften KTM Components GmbH und KTM F&E GmbH einzureichen.

In Vertretung von Pierer macht IV OÖ-Vizepräsident Thomas Bründl, Geschäftsführer der Starlim Spritzguss GmbH in Machtrenk, die laut IV OÖ ernste Lage deutlich. „Wer macht für uns noch Wirtschaftspolitik?“, warf er die Frage in den Raum. „Wenn Deutschland der kranke Mann Europas ist, was ist dann Österreich? Hängen wir schon an den Beatmungsgeräten? Sind wir im Koma?“, verweist er auf noch schlechtere Wirtschaftsdaten in Österreich als in Deutschland und zugleich darauf, dass in mehr als 60 Ländern weltweit das Wirtschaftswachstum bei über vier Prozent liege. „Wir haben in Österreich ein echtes strukturelles Problem“. Sein Bild vor Augen: „Wir fahren Vollgas in die falsche Richtung. Ich hoffe nicht, dass es uns noch schlechter gehen muss, damit die Erleuchtung kommt.“

Aber: „Als Unternehmen schauen wir positiv-realistisch nach vorne. Wir müssen unsere notwendigen Veränderungen, die wir brauchen, entsprechend einfordern.“

Kosten, Energie, Bürokratie

Die drei großen Herausforderungen laut Bründl: Kosten, „die wir uns über die Lohn- und Gehaltsschiene zugezogen haben“, das Thema Energie, und es brauche einen Bürokratiestopp. Bei manchen Klein- und Mittelbetrieben komme jetzt erst an, dass auch sie Teil der Lieferkette seien, jetzt komme die Ernüchterung. „Die Asiaten lachen uns aus. Wir müssen wieder hin zu handfesten Fakten, weg von Ideologien. Wir brauchen keine Kompromisse, sondern Konsens. Der Wirtschaftsstandort Österreich muss mit allem, was wir an Möglichkeiten haben, gestärkt werden.“

Einig sind sich Bründl und Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) beim Adventempfang, dass sich Österreich in den letzten Jahren aus dem Markt hinausgepreist habe. Achleitner kritisierte zudem Gießkannen-Förderungen, die inflationstreibend gewesen seien. Ein Bündel an Maßnahmen habe einen „toxischen Cocktail“ ergeben – mit hohen Gehaltsabschlüssen, gestiegenen Energiekosten und „auch dem Irrglauben, dass eine Energiewende nichts kostet.“ Denn: „Wer 'Ja' zur Energiewende sagt, muss auch 'Ja' zum Netzausbau sagen.“

Anlass für Achleitner, von der kommenden Bundesregierung ein Finanzierungsinstrument für die nötigen Investitionen in den Netzausbau zu schaffen, das auf die nächsten 80 bis 100 Jahre ausgelegt sei, einen Art „Marshall-Plan“. Auf EU-Ebene müsse zum Green Deal ein Business-Deal gestellt werden.

„Leistungsträgern Respekt schenken“

Bründl wünscht sich zudem, „den Leistungsträgern des Landes wieder den entsprechenden Respekt, die Anerkennung zu schenken und nicht, dass man den 20 Prozent Nettoeinzahlern in das System noch einmal etwas auflädt. Mit Einzug des Leistungsgedankens werden wir erfolgreich sein, das Bild zumindest wieder in die richtige Richtung drehen, damit wir erfolgreich gegen nicht nur Mitbewerber in Europa, sondern Mitbewerber auf der ganzen Welt ankämpfen.“


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