Personalgewinnung, neue Betreuungsformen, weitere Digitalisierung als Schwerpunkt in der Pflege 2026
OÖ/LINZ. Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) hat am Donnerstag die Schwerpunkte des Landes OÖ 2026 im Bereich Betreuung und Pflege erläutert. Zentrales Element ist die oö. Pflegestrategie 2040, deren Umsetzung 2026 weitergeführt wird.
Mit der oö. Pflegestrategie 2040 wurde gemeinsam mit Gemeinde- und Städtebund eine gesamthafte Strategie erarbeitet, mit dem Ziel, angesichts der demografischen Entwicklung gute Betreuung und Pflege auch in Zukunft sicherzustellen. Diese Strategie wird in Etappen umgesetzt. Mit einer neuen Bedarfs- und Enwicklungsplanung folgt im Jahr 2026 der nächste Schritt. Anhand von sechs Planungsregionen bezirksübergreifend soll eine Prognose zum bis 2040 erforderlichen Betreuungs- und Personalbedarf erstellt werden.
„Sorgende Gemeinschaften“
Im Rahmen des Prozesses „Betreuungsarchitektur 2040“ soll 2026 auch mit der Umsetzung von Pilotprojekten für neue, alternative Betreuungsformen gestartet werden. Im Zentrum der Betreuungsarchitektur steht eine stufenweise, bedarfsorientierte Versorgung unter dem Leitsatz: „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.“ Zentrale Bedeutung kommt dabei der Vernetzung bestehender Initiativen zu. 30 „Sorgende Gemeinschaften“ sollen 2026 landesweit etabliert werden.
Schwerpunkt Personalgewinnung
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt 2026 auch auf der weiteren Personalgewinnung. Die bestehende Fachkräftestrategie wird weitergeführt und ausgebaut. Für 2026 sind insgesamt 84 Lehrgänge mit 1.878 neuen Ausbildungsplätzen im Bereich Betreuung und Pflege vorgesehen – ein Höchststand. Zusätzlich wird die Pflegelehre weiter gestärkt, digitale und hybride Ausbildungsformen werden ausgebaut. Die Altenbetreuungsschule des Landes bietet ab Frühling alle Ausbildungen in digitaler Form an. Auch die Heimleitungsausbildung soll ab Herbst an der FH Oberösterreich angeboten werden.
Digitale Wartelisten
Auch Innovation und Digitalisierung spielen 2026 weiter eine Rolle. Die landesweite Einführung der digitalen Pflegedokumentation in der Mobilen Pflege soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden. Im stationären Bereich soll die vollständige Anbindung aller Alten- und Pflegeheime an die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) abgeschlossen werden. Einheitliche, digitale Wartelisten sollen künftig mehr Transparenz über verfügbare Pflegeplätze schaffen.
„Bewusstsein für aktive Gestaltung schaffen“
„Wir stellen uns den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Mit unserer gesamthaften oö. Pflegestrategie 2040 richten wir gemeinsam mit dem Gemeindebund, dem Städtebund und den Regionalen Träger Sozialer Hilfen unsere Systeme konsequent auf die Zukunft aus. Die Menschen sollen auch in Zukunft ihren Lebensabend selbstbestimmt und in vertrauter Umgebung verbringen können – mit bedarfsgerechter Betreuung und Pflege in guter Qualität, leistbar für den Einzelnen und finanzierbar für die öffentliche Hand“, so Sozial-Landesrat Dörfel.
„Angesichts der demografischen Entwicklung ist es wichtig, innerhalb der Bevölkerung Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Pflege und Betreuung aktiv gestaltet werden müssen. Einerseits durch die Betroffenen selbst, indem jede und jeder Einzelne Maßnahmen setzt, um möglichst lang selbstbestimmt in der gewohnten Umgebung leben zu können. Dafür wird es notwendig sein, das eigene Zuhause zum Beispiel durch Digitalisierung betreuungs- und pflegefit zu machen sowie bauliche Barrieren zu reduzieren. Ziel muss es sein, möglichst lang durch eigenes Zutun am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, ergänzt Cornelia Altreiter-Windsteiger, Leiterin Abteilung Soziales des Landes OÖ.
Reaktionen
Lob kommt von FPÖ-Klubobmann Thomas Dim: „Die Maßnahmen sind ein klares Bekenntnis zum gemeinsamen Regierungsweg, der Versorgungssicherheit und Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt. Das Paket begegnet der demografischen Herausforderung mit Hausverstand. Ein Altern in Würde in der Heimat bleibt damit auch künftig möglich.“
SPÖ-Pflegesprecherin Gabriele Knauseder hingegen kritisiert hingegen, dass die Verantwortung auf regionale Sozialträger und ehrenamtliche Strukturen abgewälzt werde. Auch die Erstellung einer neuen Bedarfs- und Entwicklungsplanung (BEP) werde seit Jahren verzögert und solle erst heuer erfolgen. Die SPÖ hat die Vision von Gesundheits- und Pflegezentren in jedem Bezirk, die mehrere Angebote unter einem Dach bündeln sollen.
Eine „solide to-Do-Liste mit Ergänzungsbedarf“ sieht die Grüne Gesundheitssprecherin Brigitte Huber-Reiter. „Es sind gute Ansätze, die Landesrat Dörfel für die Pflege auflistet. Vollständig ist das Gesamtbild jedoch noch immer nicht“, fehlen für sie etwa Maßnahmen der Prävention, um Pflegebedürftigkeit vorzubeugen oder konkrete Instrumente, um die Pflegenden Angehörigen zu entlasten.
Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden