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Die Apotheke am Beginn des Patientenfades - Sommergespräch der Apothekerkammer OÖ

Tips LogoKarin Seyringer, 24.06.2026 18:05

OÖ/LINZ. Unter dem Motto „Einfach starten – mit der Apotheke am Beginn des Patientenpfades“ lud die Apothekerkammer OÖ zum traditionellen Sommergespräch 2026 ins Linzer Lentos. Im Mittelpunkt stand die Rolle der Apotheke am Beginn des Patientenpfades.

  1 / 6   V. l. Kardiologe Thomas Weber, Präsident Thomas Veitschegger, Sabine Glanznig, Vizepräsidentin Monika Aichberger und Mediziner Christoph Heiserer (Foto: Apothekerkammer Oberösterreich/APA-Fotoservice/Gregor Hartl)

Gäste aus Politik, Gesundheitssystem, Wirtschaft und zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker folgten der Einladung von Apothekerkammer OÖ-Präsident Thomas W. Veitschegger und Vizepräsidentin Monika Aichberger.

„Die Apotheken sind längst bereit“

In seiner Eröffnungsansprache sprach Veitschegger die gesundheitspolitischen Reformagenda der Bundesregierung an, die im Februar dieses Jahres vorgestellt wurde. Mehr Prävention, ein niederschwelligerer Zugang zum Gesundheitssystem und das Impfen in Apotheken sind darin zentrale Elemente. „Die Apotheken sind längst bereit“, betont Veitschegger, den konkreten politischen Willen zur Umsetzung vermisst er aber: „So hat die österreichische Bundesregierung beschlossen, das Impfen direkt in Apotheken zu erlauben. Diese Maßnahme soll ab 2027 den Zugang erleichtern, Wartezeiten verkürzen und die Durchimpfungsraten im Land deutlich erhöhen. Apotheken haben schon in Ausbildung investiert, Arbeitsgruppen gebildet und sich auf die neuen Herausforderungen vorbereitet, jedoch bisher waren wir von der Bundesregierung noch nicht zu Gesprächen eingeladen worden.“

„Wichtige Impulsgeber“

In einer Videobotschaft hob Gesundheits-Landesrätin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) die Bedeutung der Apotheken hervor: „Apotheken sind Orte sozialer Interaktion und Verlässlichkeit, die Beratung, Unterstützung und zielgruppengerechte Kommunikation bieten. Das sind zentrale Aspekte, die angesichts der demografischen Entwicklung weiter an Bedeutung gewinnen.“ Zudem seien sie „wichtige Impulsgeber für Prävention, Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortung.“

Podiumsdiskussion

Auch bei einer Diskussion wurde die Rolle der Apotheke als erste Anlaufstelle betont. Im Fokus stand die Frage, wie Apotheken Menschen mit bislang unerkannten Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig erreichen und zur medizinischen Abklärung motivieren können.

Es diskutierten Vizepräsidentin Monika Aichberger, Sabine Glanznig in Vertretung von Claudia Neumayer-Stickler, Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger und Leiterin des Referats für Gesundheitspolitik im ÖGB, Christoph Heiserer, Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin in Steyr, sowie Kardiologe Thomas Weber, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie, Klinikum Wels-Grieskirchen.

„Bei der frühzeitigen Sensibilisierung und dem Aufzeigen eines möglichen Abklärungsbedarfs übernehmen Apotheken eine wichtige Rolle. Sie sind wohnortnah, flächendeckend verteilt und verfügen über lange Öffnungszeiten und hochqualifiziertes Personal. Dadurch erreichen sie Menschen, die ansonsten erst deutlich später zu einer ärztlichen Diagnose gekommen wären“, so Aichberger.

Point-of-Care-Tests: Wunsch nach Kassenleistung

Ein zentrales Thema der Diskussion waren sogenannte Point-of-Care-Tests. Dazu zählen etwa Blutdruckmessungen, Lipidprofile, HbA1c-Messungen oder weitere standardisierte Tests, die in der Apotheke in dafür vorgesehenen Räumlichkeiten durchgeführt werden. „Sie können dazu beitragen, erste Hinweise auf mögliche gesundheitliche Risiken zu erhalten, und sind für viele Menschen somit ein wichtiger erster Schritt“, betont Aichberger.

Die Apothekerkammer OÖ plädiert dafür, dass Point-of-Care-Tests künftig als anerkannter Bestandteil der Versorgung verstanden und in weiterer Folge auch als Kassenleistung ermöglicht werden.

Unterstützung kommt von Mediziner Christoph Heiserer: „Früh erkannte Erkrankungen können auch früher behandelt werden. Ich finde es begrüßenswert, dass Apotheken die Chance nutzen, Patienten zu finden, die nicht von selbst auf die Idee gekommen wären, eine Arztpraxis aufzusuchen. Oft sind Hausarztpraxen und Apotheken ohnehin im gleichen Gebäude untergebracht, und das sollten wir nutzen, um die Zusammenarbeit zu stärken und auszubauen.“

Gerade Bluthochdruck sei ein Beispiel, das zeige, wie wichtig Früherkennung ist. „Viele Menschen fühlen sich völlig gesund, obwohl der Druck in den Gefäßen dauerhaft zu hoch ist. Aus Gesundheitsbefragungen wissen wir, dass 50 Prozent der über 60-Jährigen an Bluthochdruck leiden. Wir wissen auch, dass Hypertonie der Risikofaktor Nummer 1 für kardiovaskuläre Erkrankungen ist. Betroffene in Westeuropa sterben aufgrund dieser Erkrankung im Schnitt zwei bis drei Jahre früher“, führte Kardiologe Thomas Weber aus.

Prävention und frühe Risikoerkennung entscheidend

Einigkeit herrschte am Podium darüber, dass Prävention und frühe Risikoerkennung entscheidend sind. Glanznig betonte, dass die Stärkung der Prävention alle Akteure im Gesundheitswesen verbindet und Apotheken wichtige Hebel sein können, das Thema in den Alltag der Menschen zu bringen. „Die Finanzierung ist eine große Herausforderung, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass man diesen Herausforderungen gemeinsam begegnen kann.“

Kassensystem und ELGA-Anbindung

Aichberger hofft auch auf einfache Möglichkeiten, Präventionsleistungen im Kassensystem abzubilden, und wünscht sich, dass Apotheken rasch auch mit einer Anbindung an die elektronische Gesundheitsakte ELGA ein integrativer Bestandteil des Gesundheitssystems werden.

Zum Abschluss betonte Veitschegger: „Die Apotheke steht sehr oft am Anfang des Patientenpfades, mitten im Alltag der Menschen. Unser Ziel ist es, diesen ersten Kontakt rascher für eine frühe Erkennung von Risiken für chronische Volkskrankheiten zu nutzen, im Gesundheitssystem zu verankern und langfristig Folgekosten zu senken.“


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