Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Wut und Verzweiflung nach Abschiebe-Bescheid für Vorzeigelehrling aus Afghanistan

Markus Hochgatterer, 29.11.2017 10:58

PABNEUKIRCHEN.  Einen schweren Schlag gilt es derzeit für die Inhaberfamilie der Dachdeckerei & Spenglerei Hochstöger zu verdauen. Ihr Vorzeige-Lehrling Shafiqulla Shinwari erhielt eine „Rückkehrentscheidung“ - er muss Österreich verlassen.  

Die Unternehmer Sylvia und Hannes Hochstöger bangen um die Zukunft ihres Lehrlings Shafiqulla Shinwari, dem die Rückführung nach Afghanistan droht.

„Erst kürzlich erhielten wir für unsere vorbildliche Lehrlingsausbildung den INEO Award 2017 von der Wirtschaftskammer. Und jetzt wird unser Vorzeige Lehrling abgeschoben. Bis 7. Dezember muss unser „Shaffi“ ein verpflichtendes Rückkehrer-Beratungsgespräch gemacht haben“, informieren die Arbeitgeber Sylvia und Hannes Hochstöger. Der Vater des Lehrlings wurde erschossen. Er selber schriftlich mit dem Tod bedroht. Die Asylbehörde sieht in Afghanistan ein sicheres Land und sieht in einem Arbeitsverhältnis weit und breit keine Integration.

Bangen um Vorzeigelehrling

Sylvia und Hannes Hochstöger: „Wir suchen schon Jahre Lehrlinge und Facharbeiter. Jetzt haben wir einen Lehrling, der als Analphabet schnell Deutsch lernte und die Berufsschule mit Bravour schaffte. Seit Shaffi den negativen  Bescheid in der Hand hält, bangen wir, dass nichts passiert. Er, der immer so fleißig ist, ist am Ende, kann momentan nicht arbeiten“. „Shaffi“, wie er von seinen Kollegen genannt wird, wohnt in einem Haus der Familie Hochstöger. Eines ist klar: Pabneukirchen wird „ihren Schaffi“ nicht hergeben. Derzeit werden Aktionen auf Gemeindeebene und Pfarrebene erörtert.

Pfarrer Rathmaier: „Gewähre notfalls Kirchenasyl“

„Ich kenne den Lehrling Shafiqulla Shinwari, der bei der Firma Hochstöger arbeitet als sehr sympathischen Menschen. Die Information über den Negativ-Bescheid hat mich zutiefst schockiert und wütend gemacht. Wie kann man einen Menschen abschieben, dessen Vater von den Taliban ermordet und er selbst schriftlich mit dem Tod bedroht wurde. Die Rückkehr ist für ihn das Todesurteil. Diese Unmenschlichkeit schreit zum Himmel. Zudem lernt er gerade Spengler, der in Österreich zu den Mangelberufen gehört. Er nimmt keinem anderen einen Arbeitsplatz weg. Auch das Unternehmen Hochstöger wird hier brüskiert, nämlich wirtschaftlich und menschlich. Ich persönlich werde alles tun, dass Shafiqulla Shinwari nicht nach Afghanistan abgeschoben wird. Mein letzter Schritt ist, dass ich ihm Kirchenasyl gebe“, erklärt Pfarrer Josef Rathmaier.

Unternehmer will gegen menschenverachtende Politik protestieren

Auch Firmenchef Hannes Hochstöger will nichts unversucht lassen. „Jetzt muss auch die Wirtschaftskammer handeln, sich hinter uns stellen und einmal gegen diese unmenschliche Asylpolitik protestieren. Es kann nicht sein, dass immer mehr Facharbeiter gesucht werden und dass Asylwerber-Lehrlinge mit Geld gefördert und dann abgeschoben werden Wenn es sein muss, werden wir mit unseren Mitarbeitern und Freunden nach Linz fahren und gegen diese menschenverachtende Politik protestieren“, so Hochstöger.

Auch Bürgermeister empört

„Ich bin der Überzeugung, dass wir alle – unsere Gesellschaft, unser Staat – froh sein sollten wenn es Menschen gibt, die bereit, willens, fleißig sind und Berufe harter manueller Arbeit erlernen und ausüben, egal aus welcher Weltgegend sie kommen. So wie wir heute schon froh sind, dass es vorwiegend Frauen aus ehemaligen Ostblockländern gibt, die bereit sind, unsere Pflegebedürftigen rund um die Uhr zu betreuen, werden wir in absehbarer Zeit noch froh sein, wenn uns jemand das Dach über dem Kopf flickt“, äußert auch Pabneukirchens Bürgermeister Johann Buchberger Unmut über die aktuelle Situation.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden

Antworten
Gastuser
Gastuser
05.12.2017 18:40

Wut und Verzweiflung

Ja man könnte wirklich verzweifeln, dass es so etwas in unserem Rechtsstaat Österreich gibt. Ich habe mich mit den Asylbescheiden einer vierköpfigen Familie beschäftigt und festgestellt, dass die Begründung auf weite Strecken überhaupt nicht dem in der Anhörung Gesagten entspricht, Dinge als Begründung drinnen stehen, die so nicht gesagt oder überhaupt nicht gesagt wurden. Von einer Beschwerde wurde abgeraten, weil bei neuerlicher Ablehnung dann die Gefahr besteht, dass nächstes Jahr der immerhin gewährte subsidiärer Schutz deswegen nicht mehr verlängert werden könnte. Da überkommt einem in unserem schönen Land das Gefühl der Hilflosigkeit und dass man der anonymen Obrigkeit ausgeliefert ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es von höherer Stelle die Weisung gibt, möglichst viele Asylanträge negativ zu bewerten. Traurig, traurig!

Antworten
Gastuser
Gastuser
29.11.2017 23:15

Ein Trauerspiel

Wenn man sich die Asylentscheidung durchliest und dann zu einem Bezirksgericht gehen könnte, würde der Richter weite Strecken einfach zerpflücken... und aufheben. So viele Widersprüche, peinlich. Aber so...

Antworten
Gastuser
Gastuser
29.11.2017 17:13

Wut und verzweiflung

So traurig die ganze Situation ist, so wunderbar ist aber, dass so viele Menschen hinter dem jungen Mann aus Afghanistan stehen und ihm mit allen Mitteln helfen wollen! Diese ganze Aslybewertung ist eine riesige Farse.