„Junge Menschen dürfen mit ihren Ängsten nicht alleine gelassen werden“

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Mag. Melanie Mai Mag. Melanie Mai, Tips Redaktion, 02.12.2020 08:11 Uhr

PERG. Tips hat die Perger Streetworker Martina Steinecker und Bernhard Reixenartner zum Gespräch über Themen wie Lockdown, Home-Schooling oder Ängste rund um den Job gebeten.

Tips: Wie hat sich die Arbeit als Streetworker durch die Pandemie geändert? Der „aufsuchende“ Teil der Streetwork-Arbeit fällt ja gerade weitestgehend aus.

Steinecker: Zu Beginn Mitte März waren wir beim ersten Lockdown im Homeoffice und blieben mit den Jugendlichen über Social Media und Telefonaten in Kontakt. Anfang Mai waren wir wieder an den Jugendplätzen im Bezirk und im Büro anzutreffen. Die größte Veränderung für die Streetworkarbeit ist vor allem seit dem neuerlichen Lockdown der Wegfall niederschwelliger Freizeit- und Beziehungsangebote. Beispielsweise konnten uns Jugendliche unkompliziert bei verschiedenen Sportangeboten oder Öffnungszeiten im Büro kennenlernen, wenn sie mit Freunden kamen oder einfach vorbei schauten. Diese Möglichkeit entfällt jetzt. Über Social Media ist es schwieriger, als Unterstützungsangebot für Jugendliche wahrgenommen zu werden. Die Streetworkarbeit lebt von ungezwungenen, spontanen Begegnungen im öffentlichen Raum auf Augenhöhe. Wir sind gerade in dieser fordernden Zeit für die Jugendlichen da. Einzeltermine können im Büro oder bei einem Spaziergang wahrgenommen werden. Bei uns können sie Ängste und Sorgen ansprechen und werden von uns gestärkt, ihr Leben positiv zu gestalten und Ressourcen zu nutzen. Der aufsuchende Teil unserer Arbeit besteht darin, nach wie vor Treffpunkte im Bezirk zu besuchen und das Gespräch mit den jungen Leuten zu suchen, ob face-to-face oder übers Smartphone.

Tips:Gibt es durch den Lockdown mehr familiäre Probleme?

Steinecker: Für viele Jugendliche ist der öffentliche Raum ein Treffpunkt und ein Erholungs- und Rückzugsort. Zu Hause leben sie oftmals in beengten Verhältnissen, haben vielleicht kein eigenes Zimmer, um sich zurückzuziehen. So können natürlich vermehrt Reibungspunkte in der Familie entstehen.

Tips:Wie wirken sich Home Schooling und Distance Learning auf sozial schwächere Jugendliche aus?

Reixenarter: Home Schooling hat viele Facetten. Schüler berichteten, dass sie die Aufgaben von zu Hause aus bewältigen können und die Kommunikation mit dem Lehrerteam funktioniert. Andere verlieren die Struktur beim Distance Learning und den Überblick über die vielen Plattformen und Übungen. Nicht zu vergessen, dass es für viele eine Herausforderung ist, sich selbst täglich neu zu motivieren. Hier spielt auch das familiäre Umfeld eine Rolle. Gibt es Ansprechpersonen mit den nötigen Ressourcen, die bei Unklarheiten helfen können und sich für die Anliegen der Jugendlichen interessieren? Es ist wichtig, die jungen Menschen mit ihren Gefühlen und Angelegenheiten ernst zu nehmen. Überforderung gibt es bei allen Beteiligten. In den Gesprächen mit den Jugendlichen ist Ausbildung und Lernen in Corona-Zeiten sehr präsent und sie haben oftmals das Gefühl etwas zu versäumen, inhaltlich und auch im gemeinsamen Miteinander.

Tips: Gerade bis unter 25-Jährige sind im Bezirk Perg besonders von Arbeitslosigkeit betroffen? Sind Kurzarbeit oder Entlassungen ein großes Thema?

Reixenarter: Arbeitslosigkeit war bereits vor der Pandemie ein täglicher Begleiter im Streetworkalltag. Der Bezirk Perg hat ein großes Angebot an Lehrstellen und Arbeitsplätzen. Trotzdem gibt es junge Menschen, die den Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft nicht gerecht werden können. Manche von ihnen leiden unter psychischen Belastungen. Diese darf man nicht unterschätzen. Während des Lockdowns entstehen Ängste oder depressive Verstimmungen – vorhandene werden verstärkt – damit dürfen Jugendliche nicht alleine gelassen werden. Andere unterstützen wir in der Aneignung notwendiger sozialer Kompetenzen, die sie für die Berufswelt benötigen. Wir bieten Coaching und Training an. Jugendliche und junge Erwachsene plagen Sorgen rund um einen möglichen Jobverlust – oder dass sie durch die Kurzarbeit ihre Fixkosten nicht decken können. Wir bieten aber auch Unterstützung bei Bewerbungen an.

Tips:Wo können sich Jugendliche nun im zweiten Lockdown wieder hinwenden?

Steinecker: Wir sind von Dienstag bis Freitag erreichbar (siehe Infobox). Jugendliche von 12 bis 25 Jahren können sich mit den verschiedensten Themen bei uns melden. Das Angebot ist freiwillig, vertraulich und kostenlos. Wir nutzen auch soziale Medien wie Facebook und Instagram und sind per WhatsApp oder SMS zu erreichen. Neben Streetwork gibt es die Jugendzentren im Bezirk, die für die Anliegen der Jugendlichen ein offenes Ohr haben und die eine oder andere Idee, wie man die Zeit im Lockdown nutzen kann. Aktuell erreichbar sind das JUZ Perg, JUZ St. Georgen/Gusen, JUZ Luftenberg, JUZ Grein und auch das JUZ Steyregg.

Streetwork Perg:

Martina Steinecker, 0660/3443971

Bernhard Reixenarter, 0664/2319602

Unterstützung bei Arbeitssuche oder Ausbildung gibt es bei den Jugendcoaches:

Reinhold Daniel, 0676/841314764

Andreas Mayr, 0676/841314624

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