Multireligiöse Feier beim neuen Gedenkort in Lungitz
KATSDORF. Die Gedenkwanderung am 20. Juni führte etwa 30 Interessierte vom Memorial Gusen zum neuen Gedenkort in Lungitz. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Papa-Gruber-Kreis und der Plattform Johann Gruber, welche sich seit Jahren für das Gedenken an den KZ-Häftling Johann Gruber und zeitgemäßer Erinnerungskultur in der Region einsetzen.

Beim neu geschaffenen Denkmal, wo Aschereste aus der Zeit des Nationalsozialismus bestattet liegen, gedachten sie in einer multireligiösen Feier unter Mitwirken von Bischof Manfred Scheuer, Superintendentialkuratorin der Evangelischen Kirche Renate Bauinger und Charlotte Herman, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, den Opfern der Konzentrationslager Mauthausen-Gusen.
Denkmal im Mai eröffnet
Anlass des gemeinsamen Gedenkens war der Fund von Asche und Skeletten im September 2018, den die ÖBB bei Bauarbeiten am Bahnhof Lungitz machte. Die Skelette stammen aus dem frühen Mittelalter, die Asche aus dem 20. Jahrhundert. Claudia Theune, Institutsleiterin für Archäologie an der Universität Wien, untersuchte die Funde. Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass es sich um Asche aus der Zeit des Nationalsozialismus handelt. Im ehemaligen KZ Mauthausen hatte man ähnliche Funde gemacht. Während der NS-Zeit wurde wiederholt Asche als Unterbau für Straßen und Bahngleise verwendet. Dass die letzten Überreste von toten KZ-Häftlingen auf diese Weise verwendet wurden, ist eine weitere Gräueltat der Nationalsozialisten. Die Funde wurden an einem neu geschaffenen Gedenkort in Lungitz beigesetzt. Das Denkmal wurde im Mai 2021 eröffnet.
Kerzen entzündet
Zur Feier in Lungitz, bei der die Geschichte des Erinnerungsortes beleuchtet wurde, kamen zahlreiche Menschen aus Lungitz, Ried und Katsdorf dazu. In der multireligiösen Feier wurde unter Mitwirken von Bischof Manfred Scheuer, Renate Bauinger und Charlotte Herman den Opfern der Konzentrationslager gedacht. Bischof Manfred Scheuer betonte, dass Erinnerung vor Inhumanität schützt und den namenlosen Opfern, die während der NS-Zeit verschmähte, Würde zuteilwerden lässt. Als Zeichen der Erinnerung legten die Teilnehmenden in einem sehr emotionalen Ritual beim neuen Denkmal Steine und Rosen nieder und entzündeten Kerzen. „Ziel der Veranstaltung war es, dem Gedenkort in Lungitz eine Öffentlichkeit zu geben, Interessierte zu informieren und Menschen zu motivieren, die Geschichte dieses Ortes weiterzutragen. Schlussendlich sind es Orte und Denkmäler die uns mit Geschichte konfrontieren. Diese Geschichten zu erzählen und ihnen Bedeutung zu geben, liegt an uns“, wie Bernhard Mühleder, Obmann der Plattform Johann Gruber und Vorstandsmitglied des Gedenkdienstkomitees Gusen, resümiert.


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